HomeBriefeAn Charlotte v. LengefeldSchiller an Charlotte Schiller, 24. März 1801

Schiller an Charlotte Schiller, 24. März 1801

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Jena 24 März [Dienstag] 1801.

Ich hoffe daß meine Lieben vorgestern glücklich heimgekommen sind, trotz dem Sturm, der sich gleich hinter euch aufmachte. Mich hat herzlich gefreut, daß ich euch wieder sah denn ich fühle mich hier doch sehr abgeschieden, und nur das Interesse an meinem Geschäft, das wie eine Art von Fieberzustand ist, kann mich über diese Trennung betäuben. Indeßen denke ich mich zu depechieren und sobald mein vorlezter Act in Ordnung ist, wieder hinüber zu kommen. Zu dem lezten Act brauche ich drei Wochen und der Jubilate Sontag ist es, an dem ich fertig seyn und jubilieren will. Auf den nächsten Montag werde ich vielleicht mit meinem hiesigen Pensum fertig, und setze mich dann sogleich in den Wagen.

Uebrigens werde ich auch in Weimar mich ganz stille halten, bis ich ganz fertig bin, um in der Stimmung zu bleiben, die jezt ganz leidlich und productiv ist.

Fritz hat mir gar nicht übel gefallen, er ist einfach und natürlich geblieben und macht den Eindruck eines gesitteten Menschen, welches bei einem so frühen Auffenthalt unter rohen Militairs, in einem solchen gewaltthätigen Kriege, viel sagen will.

Eben kommen Schelling und Niethammer. Ich muß also kurz abbrechen.

Das nächstemahl mehr.

Herzlich umarme ich dich und die Kinder.

S.