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Schiller an Wilhelm v. Wolzogen, 20. März 1804

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Weimar 20. März [Dienstag] 1804.

Die schwermütige Stimmung, die uns Deine letzten Briefe zeigten, ist nun hoffentlich zerstreut, und Du siehst daß Deine Besorgniß ungegründet war. Freilich magst Du Dich, so abgeschnitten wie Du dort von den Deinigen bist, mit manchen Gespenstern quälen, aber verliere nicht die Geduld, da Du so nah am Ziele bist. Ich schreibe Dir keine Neuigkeiten, da Du alles ausführlich von Voigt vernehmen wirst, und die Frauen Dir weitläuftig schreiben.

Auch ich verliere hier zuweilen die Geduld, es gefällt mir hier mit jedem Tage schlechter, und ich bin nicht Willens in Weimar zu sterben. Nur in der Wahl des Orts, wo ich mich hinbegeben will, kann ich mit mir noch nicht einig werden. Es sind mir Aussichten nach dem südlichen Deutschland geöffnet. An meiner hiesigen Pension von 400 Thlr. verliere ich nichts, weil es hier so theuer zu leben ist, und mit den 1500 Thlrn., die ich jährlich hier zusetze, kann ich in Schwaben und am Rhein ganz gut leben. Es ist überall besser als hier, und wenn es meine Gesundheit erlaubte, so würde ich mit Freuden nach dem Norden ziehn.

Mein Tell ist vor 3 Tagen hier gespielt worden und mit dem größten Succeß, wie noch keins meiner Stücke. Das Mscrpt kann ich Dir aber nicht schicken, zu dem Gebrauche den Du davon machen willst, qualificirt es sich seines Inhaltes wegen nicht, wie Dir Voigt, der es hat spielen sehen, erzählen kann.

Meine beste Freude ist meine Thätigkeit, sie macht mich glücklich in mir selbst und unabhängig nach außen, und kann ich nur mein fünfzigstes Jahr mit ungehinderten Geisteskräften erreichen, so hoffe ich so viel zu ersparen, daß meine Kinder unabhängig sind. Dieses Jahr mache ich mein Haus vollends schuldenfrei und hoffe noch übrig zu behalten.

Lebe wohl, lieber Alter, und erhalte Dich gesund. Wir sehen uns, hoffe ich, binnen 4 Monaten fröhlich wieder. Empfiehl mich dem guten Erbprinzen bestens, ich nehme Theil an seinem Glück. Lebe wohl. Dein

S.