HomeDie Horen1795 - Stück 9X. Der philosophische Egoist. [Friedrich Schiller]

X. Der philosophische Egoist. [Friedrich Schiller]

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Hast du den Säugling gesehn, der, unbewußt noch der Liebe,
Die ihn wärmet und wiegt, schlafend von Arme zu Arm
Wandert, biß bei der Leidenschaft Ruf der Jüngling erwachet,
Und des Bewußteyns Blitz dämmernd die Welt ihm erhellt?
Hast du die Mutter gesehn, wenn sie Schlummer dem Kinde
Kauft mit dem eigenen Schlaf, und für das Sorglose sorgt,
Nährt mit ihrem eigenen Leben die zitternde Flamme,
Und mit der Sorge selbst sich für die Sorge belohnt?
Und du lästerst die grosse Natur, die bald Kind und bald Mutter,
Jetzt empfänget, jetzt giebt, nur durch Bedürfniß besteht?
Selbstgenügsam willst du dem schönen Ring dich entziehen,
Der Geschöpf an Geschöpf reyht in vertraulichem Bund,
Willst, du Armer, stehen allein und allein durch dich selber,
Wenn durch der Kräfte Tausch selbst das Unendliche steht?

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