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Wallensteins Tod – Zusammenfassung & Inhaltsangabe zu Schillers 3. Teil seines »Wallenstein«

Bewertung:
(Stimmen: 20 Durchschnitt: 4.6)

Die eigentliche Tragödie, die nicht nur die Vollendung, sondern auch die Haupthandlung des gesamten Wallensteins bringt, ist Wallensteins Tod. Die Handlung und ihr Fortgang soll folgend Akt für Akt erläutert werden.

Inhalt im 1. Akt

Der erste Aufzug führt uns zunächst in das Zimmer, das wir bereits aus Theklas Beschreibung (P. III, 4) kennen. Wallenstein hat mit seinem Astrologen Seni die Nacht durchwacht, um die Planeten zu beobachten. Sie sind zu einem Resultat gelangt, mit dem Wallenstein zufrieden sein kann. Die eben aufgehenden Venus und Jupiter, seine beide Segenssterne, haben den bekanntlich in rötlichem Licht strahlenden Mars in die Mitte genommen. Das ist eine Konstellation, die er als „glückseligen Aspect“, als „Glücksgestalt“ bezeichnet. Seni stimmt dem umso lieber zu, als sich auch der dem Herzog feindliche Saturn im fallenden Haus befindet.

Nunmehr fühlt sich Wallenstein zum Handeln angeregt. Mythologische Anschauungen mit seinem Glauben an die Elementargeister verschmelzend macht er sich klar, dass eine neue Ordnung der Dinge (vergl. P. IV, 4) jetzt beginnen und das längst schon Vorbereitete sich erfüllen muss. Da erscheint Terzky und teilt ihm mit, dass Sesin (vergl. P. V, 2) gefangen und nach Wien abgeführt worden ist. Jetzt tritt auch Illo auf, um – mit Terzky vereint – Wallenstein zum Handeln anzuspornen. Ein Aufschub erscheint ihnen umso weniger ratsam, als der schwedische Oberst Wrangel bereits erschienen ist, um die eingeleiteten Verhandlungen zum Abschluss zu bringen. Die Stunde der Entscheidung ist also da.

Aber ehe Wallenstein den verhängnisvollen Schritt tut, geht er in einem Monolog mit sich selbst zu Rate, der uns einen tiefen Blick in sein Inneres gestattet. Wir belauschen die Gedanken, die sich untereinander verklagen und entschuldigen. Wir sehen, wie gefährlich es ist, mit der Sünde zu liebäugeln. Wallenstein fühlt, dass er zu hoch hinaus gewollt, dass er sich in gefährliche Machenschaften verstrickt und dass nur ein Gewaltakt ihn aus der Schlinge befreien kann. Er zieht die ganze Größe und Gefährlichkeit seines Unternehmens in Erwägung. Aber Wrangel ist bereits gerufen, er muss ihn also empfangen.

Die Unterredung Wallensteins mit einem Oberst Wrangel ist nicht historisch. In der Geschichte ist bei der Belagerung von Stralsund nur von einem schwedischen Kommandanten die Rede, dem ein dänischer Platz machte. Auch ist der hier auftretende Oberst weniger ein persönlicher Charakter als der Repräsentant des die schwedische Heeresleitung beseelenden Geistes, denn er hat nach seinem eigenen Ausdruck „hier bloß ein Amt und keine Meinung.“ Wallenstein empfängt ihn mehr abweisend als entgegenkommend. Es ist, als sträube sich sein Inneres, den verräterischen Schritt zu tun. Aber Wrangel, das Muster eines vorsichtigen Verhandlungsführers, kommt ihm mit schmeichelhaften Äußerungen zuvor. Wie die Verhältnisse liegen, steht einer gegenseitigen Annäherung durchaus nichts im Wege. Der eigentümliche Charakter des kaiserlichen Heeres, die Volksstimmung in den böhmischen Gebieten, die Absicht der Schweden, in Deutschland festen Fuß zu fassen, das alles ist den Plänen günstig, über die man schon im Jahre 1633 miteinander verhandelte, ohne jedoch einig werden zu können. Jetzt aber gebietet die Not. Als „jeder erst seine Sicherheit hat“, als besonders Wallenstein die Schrift gezeigt, die für die Zuverlässigkeit der Truppen bürgt, da tritt Wrangel mit seiner Vollmacht hervor, nur soll Wallenstein mit dem Kaiser förmlich brechen.

Von dieser Szene an, die zu den vollendetsten des ganzen Stücks gehört, bei der jedes Wort, jede Andeutung uns die ganze Situation jener Zeit mit voller Lebendigkeit vor die Seele führt, steuert alles auf die Katastrophe zu. Wrangel hat mit Abbruch der Verhandlungen gedroht, wenn ihnen nicht schleunig die Tat folge, Illo und Terzky drängen zum unverzüglichen Handeln. Aber Wallenstein bebt vor dem unnatürlichen Schritt zurück. Er möchte sich nicht, wie jener Karl von Bourbon, dem allgemeinen Abscheu preisgeben. Auch die Gründe Illos und Terzkys, die ihn darauf hinweisen, dass Karl V., der Ahnherr des kaiserlichen Hauses, doch damals auch nicht so gewissenhaft gehandelt hat, sind noch nicht im Stande, ihn zum Entschluss zu treiben.

Dieses Werk ist einem verschmitzten Weib vorbehalten, der Gräfin Terzky, die nunmehr auftritt. Wallenstein selber scheint sie zu fürchten, denn er weist sie zurück. Aber sie lässt sich nicht abweisen. Da sie hört, dass er auch jetzt noch zögert und sie appelliert sie an seinen Mut. Dabei besitzt die Gräfin Terzky zugleich Geistesgegenwart genug, um Max Piccolomini, der sich eben melden lässt, zurück zuweisen. Sein Erscheinen wäre in diesem Augenblick höchst gefährlich. Er, dessen Absicht uns (aus P. V, 3) bekannt ist, würde den Feldherrn nur an dem zu ergreifenden Schritt hindern. Was seine Werbung um Theklas Hand betrifft, hat diese für die Gräfin nicht die geringste Eile. Auf Wallenstein einzuwirken, den wichtigen Augenblick zu benutzen, das ist jetzt ihr einziges Streben. Darum setzt sie alle Hebel in Bewegung, mahnt den Feldherrn in Gegenwart seiner ersten Generäle an sein Ehrgefühl und bedient sich selbst der Ironie, sollte sie ihn auch auf das Empfindlichste reizen. Wallenstein ist in höchster Aufregung und kämpft einen furchtbaren Kampf. Weiß er doch recht gut, dass er den Welthändeln gegenüber kein müßiger Zuschauer sein kann. Jetzt gilt es, ihn anzustacheln. Sie erinnert ihn an die erlittenen Kränkungen, schmeichelt seiner Kraft, seinen Talenten, versucht seinem Verrat den Stempel des natürlichen Rechts aufzudrücken und wirft schließlich die günstigen Aspekte des Himmels mit in die Waagschale. Das endlich wirkt. Er fasst den gefährlichen Entschluss und lässt den Oberst Wrangel rufen. „Es ist sein böser Geist und meiner“. Mit diesen Worten bezeichnet er das Schicksal, das dem Kaiser bevorsteht, zugleich aber, dass er auch für sich in Sorge ist. Als die Gräfin, die glücklich über das Gelingen ihres kühnen Schrittes ist, mit frohlockender Miene Abschied nimmt, warnt er sie wie ein Chor in der antiken Tragödie, dem Geschick zu trauen, während der Zuschauer durch die gereimten bedeutungsschweren Schlussstrophen gleichfalls zu Ernst veranlasst wird.

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