HomeMusenalmanach 1798Lindor und Mirtha.

Lindor und Mirtha.

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Mirtha.
Lindor, es sinket der Tag, verglimmend in heimlichem Schimmer,
Und dem Verscheidenden tönt, nirgends ein freundliches Lied,
Sieh’ wie ein neblichtes Meer umwallet die fernen Gebirge,
Sieh, wie im traurigen Duft dort die Ruine versinkt!

Lindor.
Welch’ ein liebliches Licht! Komm lass uns den Gipfel ersteigen,
Wie um das graue Gestein spielet der rosige Duft!
Ha! wie erquickt mich die Luft! Geliebte, es wanken die Berge
Leicht von Nebel umwallt, oben in Feuer getaucht!

Mirtha.
Wie ist die Reb’ entstellt, der goldnen Trauben entladen,
Wie ihr welkendes Laub traurig den Fuss mir umrauscht!
Und das stille Gehölz, wie säuseln im Winde die Blätter
Sterbend hernieder, wo oft Amor mit uns sich verbarg.

Lindor.
Weihte, du Liebe, sich nicht der Rebe reifende Kinder
Bacchus der freundliche Gott, gab uns den himmlischen Saft?
Und der gefällige Busch – es küssen die schmeichelnden Lüftchen
Wie mit dem Kreisel das Kind spielend, das Laub ihm hinweg.

Mirtha.
Sieh, wie weit sie hinweg den Schmuck des armen entführen,
Scheidend noch schmeicheln und dann ewig den traurigen fliehn!
Ach! es wehet die Luft mit stiller tiefer Bedeutung,
Wehet und locket ins Herz manches wehmüthige Bild.

Lindor.
Liebchen! es kehret der Lenz, es kehren die schmeichelnden Lüfte
Einst mit süsserem Kuss, zu den Dryaden zurück,
Mich umwallet die Luft mit leichter, schmeichelnder Hofnung
Wehet und lockt mir ins Herz manches erfreuliche Bild.

Mirtha.
Ach! dass Alles vergeht! die Blumen und Jugend und Liebe,
Nur die Sehnsucht der Brust nach Unvergänglichem bleibt!
Geister auch trennet die Zeit, verwandte Seelen – sie finden,
Waren sie einmal getrennt, leihet sich auf ewig nicht mehr!

Londor.
Ist denn der Wechsel nicht schön? es finden auch Seelen sich wieder,
Eint sie nicht oft ein Moment, welches den Himmel umschliesst?
Ha! wie strahlet die Welt voll heitrer, freundlicher Bilder,
Ueberall winkt uns Genuss, überall Jugend und Glück!

Mirtha.
Lass mich, ich neide dich nicht! mit süssen, unendlichen Qualen
Hält mein liebender Sinn ewig das Eine nur fest!
Hin auf die Bühne der Welt zerstreue die Seele voll Liebe,
Während mein liebendes Herz innigst die Welt in sich zieht.

Sophie Mereau.