HomeDie Horen1795 - Stück 4IV. Merkwürdige Belagerung von Antwerpen in den Jahren 1584 und 1585. [Friedrich Schiller]

IV. Merkwürdige Belagerung von Antwerpen in den Jahren 1584 und 1585. [Friedrich Schiller]

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Es ist ein anziehendes Schauspiel, den menschlichen Erfindungsgeist mit einem mächtigen Element im Kampf zu erblicken, und Schwierigkeiten, welche gemeinen Fähigkeiten unübersteiglich sind, durch Klugheit, Entschloßenheit und einen standhaften Willen besiegt zu sehen. Weniger anziehend aber desto belehrender ist das Schauspiel des Gegentheils, wo der Mangel jener Eigenschaften alle Anstrengungen des Genies vereitelt, alle Gunst der Zufälle fruchtlos macht und, weil er ihn nicht zu benutzen weiß, einen schon entschiednen Erfolg vernichtet. Beyspiele von beydem liefert uns die berühmte Blokade der Stadt Antwerpen durch die Spanier beym Ablauf des sechzehnten Jahrhunderts, welche dieser blühenden Handelsstadt ihren Wohlstand unwiederbringlich raubte, dem Feldherrn hingegen, der sie unternahm und ausführte, einen unsterblichen Namen erwarb.

Zwölf Jahre schon dauerte der Krieg, durch welchen die nördlichen Provinzen Belgiens anfangs bloß ihre Glaubensfreyheit und ständischen Privilegien gegen die Eingriffe des spanischen Statthalters, zuletzt aber die Unabhängigkeit ihres Staats von der spanischen Krone zu behaupten strebten. Schwach an Anzahl, an Hilfsmitteln noch ärmer und unkriegerisch von Natur, aber durch ein gemeinschaftliches Interesse begeistert, durch gehäuffte Mishandlungen zur Verzweiflung gebracht und furchtbar in dieser Verzweiflung hatten sie so viele Jahre lang den Ausschlag eines Kampfs hingehalten, den die überlegene Macht ihres Feindes keinen Augenblick zweifelhaft zu laßen schien. Nie völlig Sieger, aber auch nie ganz besiegt, ermüdeten sie die spanische Tapferkeit durch langwierige Kriegsoperationen auf einem ungünstigen Boden, und erschöpften den Herrn beyder Indien, indem sie selbst Bettler hießen und es zum Theil wirklich waren. Zwar hatte sich der Gentische Bund wieder aufgelößt, der die sämmtlichen, sowohl katholischen als protestantischen Niederlande in einen gemeinschaftlichen, und, wenn er hätte Bestand haben können, unüberwindlichen Körper verband; aber anstatt dieser unsichern und unnatürlichen Verbindung waren die nördlichen Provinzen im Jahr 1579 in eine desto engere Union zu Utrecht getreten, von der sich eine längere Dauer erwarten ließ, da sie durch ein gleiches Staats- und Religions-Interesse geknüpft und zusammen gehalten wurde. Was die neue Republik durch diese Trennung von den katholischen Provinzen an Umfang verloren, das hatte sie an Innigkeit der Verbindung, an Einheit der Unternehmungen, an Energie der Ausführung gewonnen, und ein Glück war es für sie, bey Zeiten zu verlieren, was mit Aufwendung aller Kräfte doch niemals hätte behauptet werden können.

Der größte Theil der Wallonischen Provinzen war bald freywillig, bald durch die Waffen bezwungen im Jahr 1584, unter die Herrschaft der Spanier zurückgekehrt; nur in den nördlichen Gegenden hatten sie noch immer nicht festen Fuß fassen können. Selbst ein beträchtlicher Theil von Brabant und Flandern widerstand noch hartnäckig den Waffen des Herzogs, Alexander von Parma, der die innere Regierung der Provinzen und das Oberkommando der Armee mit eben soviel Kraft als Klugheit verwaltete, und durch eine Reyhe von Siegen den spanischen Nahmen aufs neue in Ansehen gebracht hatte. Die eigenthümliche Organisation des Landes, welche den Zusammenhang der Städte untereinander und mit der See durch soviele Flüße und Kanäle begünstigt, erschwerte jede Eroberung, und der Besitz eines Platzes konnte nur durch den Besitz eines andern errungen werden. Solange diese Communication nicht gehemmt war, konnten Holland und Seeland mit leichter Mühe ihre Bundsverwandten schützen, und zu Wasser sowohl als zu Lande mit allen Bedürfnissen reichlich versorgen, daß alle Tapferkeit nichts half, und die Truppen des Königs durch langwierige Belagerungen vergeblich aufgerieben wurden.

Unter allen Städten Brabants war Antwerpen die wichtigste, sowohl durch ihren Reichthum, ihre Volksmenge und ihre Macht, als durch ihre Lage an dem Ausfluß der Schelde. Diese große und menschenreiche Stadt, die in diesem Zeitraum über achtzigtausend Einwohner zählte, war eine der thätigsten Theilnehmerinnen an dem niederländischen Staatenbund, und hatte sich im Laufe dieses Kriegs durch einen unbändigen Freyheitssinn vor allen Städten Belgiens ausgezeichnet. Da sie alle drey christliche Kirchen in ihrem Schoose hegte, und dieser uneingeschränkten Religions-Freyheit einen großen Theil ihres Wohlstandes verdankte, so hatte sie auch bey weitem am meisten von der spanischen Herrschaft zu befürchten, welche die Religionsfreyheit aufzuheben und durch die Schrecken des Inquisitionsgerichts alle protestantischen Kaufleute von ihren Märkten zu verscheuchen drohte. Die Brutalität spanischer Besatzungen kannte sie überdieß schon aus einer schrecklichen Erfahrung, und es war leicht vorherzusehen, daß sie sich dieses unerträglichen Joches, wenn sie es einmal sich hatte auflegen lassen, im ganzen Laufe des Kriegs nicht mehr entledigen würde.

So große Ursachen aber die Stadt Antwerpen hatte, die Spanier aus ihren Mauern entfernt zu halten, so wichtige Gründe hatte der spanische Feldherr, sich derselben, um welchen Preiß es auch sey, zu bemächtigen. An dem Besitz dieser Stadt hieng gewissermaaßen der Besitz des ganzen Brabantischen Landes, welches sich größtentheils durch diesen Kanal mit Getraide aus Seeland versorgte, und durch Einnahme derselben versicherte man sich zugleich die Herrschaft der Schelde. Dem Brabantischen Bunde, der in dieser Stadt seine Versammlungen hielt, wurde mit derselben seine wichtigste Stütze entzogen, der gefährliche Einfluß ihres Beyspieles, ihrer Rathschläge, ihres Geldes auf die ganze Parthey gehemmt, und in den Schätzen ihrer Bewohner den Kriegsbedürfnissen des Königs eine reiche Hilfsquelle aufgethan. Der Fall derselben mußte früher oder später den Fall des ganzen Brabants nach sich ziehen, und das Übergewicht der Macht in diesen Gegenden entscheidend auf die Seite des Königs neigen. Durch die Stärke dieser Gründe bewogen zog der Herzog von Parma im Julius 1584 seine Macht zusammen, und rückte von Dornick, wo er stand, in ihre Nachbarschaft heran, in der Absicht, sie zu belagern.1

Aber sowohl die Lage als die Bevestigung dieser Stadt schienen jedem Angriffe Trotz zu bieten. Von der Brabantischen Seite mit unersteiglichen Werken und wasserreichen Gräben umschloßen, von der Flandrischen durch den breiten und reißenden Strom der Schelde gedeckt, konnte sie mit stürmender Hand nicht bezwungen werden; und eine Stadt von diesem Umfange einzuschließen schien eine dreymal größere Landmacht als der Herzog beysammen hatte, und noch überdieß eine Flotte zu erfodern, die ihm gänzlich fehlte. Nicht genug daß ihr der Strom, von Gent aus, alle Bedürfnisse im Überfluß zuführte, so öfnete ihr der nehmliche Strom noch einen leichten Zusammenhang mit dem angrenzenden Seeland. Denn da sich die Fluth der Nordsee biß weit hinein in die Schelde erstreckt, und den Lauf derselben periodisch umkehrt, so genießt Antwerpen den ganz eigenthümlichen Vortheil, daß ihr der nehmliche Fluß zu verschiednen Zeiten in zwey entgegengesetzten Richtungen zuströmt. Dazu kam, daß die umliegenden Städte Brüßel, Mecheln, Gent, Dendermonde, und andre dazumal noch alle in den Händen des Bundes waren, und auch von der Landseite die Zufuhr erleichtern konnten. Es bedurfte also zwey verschiedener Heere an beyden Ufern des Stroms, um die Stadt zu Lande zu blokieren, und ihr den Zusammenhang mit Flandern und Brabant abzuschneiden; es bedurfte zugleich einer hinlänglichen Anzahl von Schiffen, um die Schelde sperren, und alle Versuche, die von Seeland aus zum Entsatz derselben unfehlbar gemacht werden würden, vereiteln zu können. Aber die Armee des Herzogs war durch den Krieg, den er noch in andern Distrikten zu führen hatte, und durch die vielen Besatzungen, die er in den Städten und Vestungen hatte zurück laßen müssen, biß auf zehentausend Mann Fußvolk und siebenzehnhundert Pferde geschmolzen, eine viel zu geringe Macht, um zu einer Unternehmung von diesem Umfange hinzureichen. Noch dazu fehlte es diesen Truppen an dem Nothwendigsten, und das Ausbleiben des Soldes hatte sie längst schon zu einem geheimen Murren gereitzt, welches stündlich in eine offenbare Meuterey auszubrechen drohte. Wenn man sich endlich, trotz aller dieser Hindernisse, an die Belagerung wagte, so hatte man alles von den feindlichen Vestungen zu befürchten, die man im Rücken ließ, und denen es ein leichtes seyn mußte, durch lebhafte Ausfälle eine so sehr vertheilte Armee zu beunruhigen, und durch Abschneidung der Zufuhr in Mangel zu versetzen.2

Alle diese Gründe machte der Kriegsrath geltend, dem der Herzog von Parma sein Vorhaben jetzt eröffnete. So groß auch das Vertrauen war, das man in sich selbst und in die erprobte Fähigkeit eines solchen Heerführers setzte, so machten doch die erfahrensten Generale kein Geheimniß daraus, wie sehr sie an einem glücklichen Ausschlag verzweifelten. Nur zwey ausgenommen, welche die Kühnheit ihres Muths über jede Bedenklichkeit hinwegsetzte, Capizucchi und Mondragon, widerriethen alle ein so mißliches Wagestück, wobey man Gefahr lief, die Frucht aller vorigen Siege und allen erworbenen Kriegsruhm zu verscherzen.

Aber Einwürfe, welche er sich selbst schon gemacht und auch schon beantwortet hatte, konnten den Herzog von Parma in seinem Vorsatz nicht wankend machen. Nicht aus Unwissenheit der damit verknüpften Gefahren, noch aus leichtsinniger Überschätzung seiner Kräfte hatte er den kühnen Anschlag gefaßt. Jener genialische Instinkt, der den großen Menschen auf Bahnen, die der kleine entweder nicht betritt, oder nicht endigt, mit glücklicher Sicherheit leitet, erhob ihn über alle Zweifel, die eine kalte aber eingeschränkte Klugheit ihm entgegen stellte, und ohne seine Generale überzeugen zu können, erkannte er die Wahrheit seiner Berechnung in einem dunkeln, aber darum nicht weniger sichern Gefühl. Eine Reyhe glücklicher Erfolge hatte seine Zuversicht erhoben, und der Blick auf seine Armee, die an Mannszucht, Übung und Tapferkeit in dem damaligen Europa nicht ihres gleichen hatte, und von einer Auswahl der treflichsten Offiziere kommandirt wurde, erlaubte ihm keinen Augenblick, der Furcht Raum zu geben. Denen, welche ihm die geringe Anzahl seiner Truppen entgegen setzten, gab er zur Antwort, daß an einer noch so langen Pike doch nur die Spitze töte, und daß es bey militairischen Unternehmungen mehr auf die Kraft ankomme, welche bewege, als auf die Masse, welche zu bewegen sey. Er kannte zwar den Mißmuth seiner Truppen, aber er kannte auch ihren Gehorsam; und dann hoffte er ihren Privatbeschwerden am beßten dadurch zu begegnen, daß er sie durch eine wichtige Unternehmung beschäftigte, durch den Glanz derselben ihre Ruhmbegierde, und durch den hohen Preiß, den die Eroberung einer so begüterten Stadt versprach, ihre Habsucht erregte.3

In dem Plane, den er nun zur Belagerung entwarf, suchte er allen jenen mannichfaltigen Hindernissen mit Nachdruck zu begegnen. Die einzige Macht, durch welche man hoffen konnte, die Stadt zu bezwingen, war der Hunger; und diesen furchtbaren Feind gegen sie aufzuregen, mußten alle Zugänge zu Wasser und zu Lande verschlossen werden. Um ihr fürs erste jeden Zufluß von Seeland aus, wenn auch nicht ganz abzuschneiden, doch zu erschweren, wollte man sich aller der Basteyen bemächtigen, welche die Antwerper an beyden Ufern der Schelde zur Beschützung der Schifffahrt angelegt hatten, und, wo es anging, neue Schanzen aufwerfen, von denen aus die ganze Länge des Stroms beherrscht werden könnte. Damit aber die Stadt nicht unterdessen von dem innern Lande die Bedürfnisse ziehen möchte, die man ihr von der See-Seite abzuschneiden suchte, so sollten alle umliegenden Städte Brabants und Flanderns in den Plan der Belagerung mit verwickelt, und der Fall Antwerpens auf den Fall aller dieser Plätze gegründet werden. Ein kühner, und, wenn man die eingeschränkte Macht des Herzogs bedenkt, beynahe ausschweifender Entwurf, den aber das Genie seines Urhebers rechtfertigte, und das Glück mit einem glänzenden Ausgang krönte.4

Weil aber Zeit erfodert wurde, einen Plan von diesem Umfang in Erfüllung zu bringen, so begnügte man sich einstweilen, an den Kanälen und Flüssen, welche Antwerpen mit Dendermonde, Gent, Mecheln, Brüssel und andern Plätzen in Verbindung setzen, zahlreiche Basteyen anzulegen, und dadurch die Zufuhr zu erschweren. Zugleich wurden in der Nähe dieser Städte, und gleichsam an den Thoren derselben spanische Besatzungen einquartirt, welche das platte Land verwüsteten, und durch ihre Streifereyen die Gegenden umher unsicher machten. So lagen um Gent allein gegen dreitausend Mann herum, und nach Verhältniß um die übrigen. Auf diese Art und vermittelst der geheimen Verständnisse, die er mit den Katholischgesinnten Einwohnern derselben unterhielt, hoffte der Herzog, ohne sich selbst zu schwächen, diese Städte nach und nach zu erschöpfen, und durch die Drangsale eines kleinen, aber unaufhörlichen Kriegs, auch ohne eine förmliche Belagerung, endlich zur Übergabe zu bringen.5

Unterdessen wurde die Hauptmacht gegen Antwerpen selbst gerichtet, welches der Herzog nunmehr mit seinen Truppen gänzlich umzingeln ließ. Er selbst nahm seine Stellung zu Bevern in Flandern, wenige Meilen von Antwerpen, wo er ein verschanztes Lager bezog. Das Flandrische Ufer der Schelde wurde dem Markgrafen von Rysburg, General der Reiterey, das Brabantische dem Grafen Peter Ernst von Mansfeld übergeben, zu welchem noch ein anderer spanischer Anführer, Mondragon, stieß. Die beyden letztern passierten die Schelde glücklich auf Pontons, ohne daß das Antwerpische Admiralschiff, welches ihnen entgegen geschickt wurde, es verhindern konnte, kamen hinter Antwerpen herum, und nahmen bey Stabrök im Lande Bergen ihren Posten. Einzelne detaschierte Corps vertheilten sich längs der ganzen Brabantischen Seite, um theils die Dämme zu besetzen, theils die Pässe zu Lande zu versperren.

Einige Meilen unterhalb Antwerpen wird die Schelde durch zwey starke Forts vertheidigt, wovon das eine zu Liefkenshoek, auf der Insel Doel in Flandern, das andere zu Lillo, gerade gegenüber auf dem Brabantischen Ufer liegt. Das letzte hatte Mondragon selbst ehmals auf Befehl des Herzogs von Alba erbauen müssen, als dieser noch in Antwerpen den Meister spielte, und eben darum wurde ihm jetzt auch der Angriff desselben von dem Herzog von Parma anvertraut. Von dem Besitz dieser beiden Forts schien der ganze Erfolg der Belagerung abzuhängen, weil alle Schiffe, die von Seeland nach Antwerpen segeln, unter den Kanonen derselben vorbey ziehen müssen. Beyde Forts hatten die Antwerper auch kurz vorher bevestigt, und mit dem ersteren waren sie noch nicht ganz zu Stande, als der Markgraf von Rysburg es angriff. Die Geschwindigkeit, mit der man zu Werke ging, überraschte die Feinde, ehe sie zur Gegenwehr hinlänglich bereitet waren, und ein Sturm, den man auf Liefkenshoek wagte, brachte diese Vestung in spanische Hände. Dieser Verlust traf die Verbundenen an demselben unglücklichen Tage, wo der Prinz von Oranien zu Delft durch Mörderhände fiel. Auch die übrigen Schanzen, welche auf der Insel Doel angelegt waren, wurden theils freywillig von ihren Vertheidigern verlassen, theils durch Überfall weggenommen, so daß in kurzem das ganze Flandrische Ufer von Feinden gereinigt war. Aber das Fort zu Lillo auf dem Brabantischen Ufer leistete einen desto lebhaftern Widerstand, weil man den Antwerpern Zeit gelassen hatte, es zu bevestigen, und mit einer tapfern Besatzung zu versehen. Wüthende Ausfälle der Belagerten unter der Anführung Odets von Teligny vernichteten, von den Kanonen der Festung unterstützt, alle Werke der Spanier, und eine Überschwemmung, welche man durch Eröffnung der Schleusen bewirkte, verjagte sie endlich nach einer drey Wochen langen Belagerung, und mit einem Verlust von fast zweytausend Toten von dem Platz. Sie zogen sich nun in ihr festes Lager bey Stabrök und begnügten sich, von den Dämmen Besitz zu nehmen, welche das niedrige Land von Bergen durchschneiden, und der eindringenden Oster-Schelde eine Brustwehr entgegensetzen.6

Der fehlgeschlagene Versuch auf das Fort Lillo veränderte die Maaßregeln des Herzogs von Parma. Da es auf diesem Wege nicht gelingen wollte, die Schifffahrt auf der Schelde zu hindern, wovon doch der ganze Erfolg der Belagerung abhieng, so beschloß er den Strom durch eine Brücke gänzlich zu sperren. Der Gedanke war kühn, und viele waren, die ihn für abentheuerlich hielten. Sowohl die Breite des Stroms, welche in diesen Gegenden über zwölfhundert Schritte beträgt, als die reissende Gewalt desselben, die durch die Fluth des nahen Meeres noch verstärkt wird, schienen jeden Versuch dieser Art unausführbar zu machen; dazu kam der Mangel an Bauholz, an Schiffen, an Werkleuten, und dann die gefährliche Stellung zwischen der Antwerpischen und Seeländischen Flotte, denen es ein Leichtes seyn mußte, in Verbindung mit einem stürmischen Element, eine so langwierige Arbeit zu stören. Aber der Herzog von Parma kannte seine Kräfte, und seinen entschlossenen Muth konnte nur das Unmögliche bezwingen. Nachdem er sowohl die Breite als die Tiefe des Stroms hatte ausmessen lassen und mit zween seiner geschicktesten Ingenieurs, Barocci und Plato darüber zu Rath gegangen war, fiel der Schluß dahin aus, die Brücke zwischen Kalloo in Flandern und Ordam in Brabant zu erbauen. Man erwählte diese Stelle deßwegen, weil der Strom hier die wenigste Breite hat, und sich etwas zur Rechten krümmt, welches die Schiffe aufhält und sie nöthigt, den Wind zu verändern. Zu Bedeckung der Brücke wurden an beyden Enden derselben starke Basteyen aufgeführt, wovon die eine auf dem Flandrischen Ufer das Fort S. Maria, die andre auf dem Brabantischen dem König zu Ehren das Fort S. Philipp genannt wurde.7

Indem man im spanischen Lager zu Ausführung dieses Vorhabens die lebhaftesten Anstalten machte und die ganze Aufmerksamkeit des Feindes dahin gerichtet war, that der Herzog einen unerwarteten Angriff auf Dendermonde, eine sehr feste Stadt zwischen Gent und Antwerpen, wo sich die Dender mit der Schelde vereinigt. Solange dieser bedeutende Platz noch in feindlichen Händen war, konnten die Städte Gent und Antwerpen einander gegenseitig unterstützen und durch ihre leichte Communikation alle Bemühungen der Belagerer vereiteln. Die Eroberung derselben gab dem Herzog freye Hand gegen beyde Städte und konnte für das ganze Glück seiner Unternehmung entscheidend werden. Die Schnelligkeit, mit der er sie überfiel, ließ den Belagerten keine Zeit, ihre Schleusen zu eröffnen und das Land umher unter Wasser zu setzen. Die Haupt-Bastey der Stadt vor dem Brüsseler Thore wurde sogleich heftig beschossen, aber das Feuer der Belagerten richtete unter den Spaniern eine grosse Niederlage an. Anstatt dadurch abgeschreckt zu werden, wurden sie nur desto hitziger, und der Hohn der Besatzung, welche die Bildsäule eines Heiligen vor ihren Augen verstümmelte, und unter den schnödesten Mißhandlungen von der Brustwehr herabstürzte, setzte sie vollends in Wuth. Sie drangen mit Ungestüm darauf, gegen die Bastey geführt zu werden, ehe noch hinlänglich Bresche geschossen war, und der Herzog, um dieses erste Feuer zu benutzen, erlaubte den Sturm. Nach einem zweystündigen, mörderischen Gefecht war die Brustwehr erstiegen, und was der erste Grimm der Spanier nicht aufopferte, warf sich in die Stadt. Diese war nun zwar dem feindlichen Feuer stärker ausgesetzt, welches von dem eroberten Walle auf sie gerichtet wurde; aber ihre starken Mauern und der breite, wasserreiche Graben, der sie rings umgab, ließen wohl einen langen Widerstand befürchten. Der unternehmende Geist des Herzogs von Parma besiegte in kurzem auch diese Schwierigkeit. Indem Tag und Nacht das Bombardement fortgesetzt wurde, mußten die Truppen ohne Unterlaß arbeiten, die Dender abzuleiten, von welcher der Stadt-Graben sein Wasser erhielt; und Verzweiflung ergriff die Belagerten, als sie das Wasser ihres Grabens, diese einzige noch übrige Schutzwehr der Stadt, allmählig verschwinden sahen. Sie eilten sich zu ergeben und empfingen im August 1584 spanische Besatzung. In einem Zeitraum von nicht mehr als eilf Tagen war diese Unternehmung ausgeführt, zu welcher nach dem Urtheil der Sachverständigen eben so viele Wochen erforderlich geschienen.8

Die Stadt Gent, nunmehr von Antwerpen und von der See abgeschnitten, von den Truppen des Königs, die in ihrer Nähe kampierten, immer stärker und stärker bedrängt, und ohne alle Hoffnung eines nahen Entsatzes, gab jetzt ihre Rettung auf, und sah den Hunger nebst seinem ganzen Gefolge mit schrecklichen Schritten sich nähern. Sie schickte daher Abgeordnete in das spanische Lager zu Bevern, um sich dem König auf die nehmlichen Bedingungen zu unterwerfen, die ihr der Herzog einige Zeit vorher vergeblich angeboten hatte. Man erklärte den Abgeordneten, daß die Zeit der Verträge vorbey sey, und daß nur eine unbedingte Unterwerfung den erzürnten Monarchen besänftigen könne. Ja, man ließ sie sogar befürchten, daß man dieselbe Demüthigung von ihnen verlangen würde, zu welcher ihre rebellischen Vorfahren unter Karl dem fünften sich hatten verstehen müssen, nämlich halb nackt und mit einem Strick um den Hals um Gnade zu flehen. Trostlos reisten die Abgeordneten zurück, aber schon am dritten Tag erschien eine neue Gesandtschaft, welche endlich auf die Fürsprache eines Freundes von dem Herzog von Parma der in Gentischer Gefangenschaft war, noch unter erträglichen Bedingungen den Frieden zu Stande brachte. Die Stadt mußte eine Geldbuße von zweymalhunderttausend Gulden erlegen, die verjagten Papisten zurückrufen und ihre protestantischen Bewohner vertreiben; doch wurde den letztern eine Frist von zwey Jahren vergönnt, um ihre Sachen in Ordnung zu bringen. Alle Einwohner, bis auf sechs, die man zur Strafe auszeichnete aber nachher doch noch begnadigte, erhielten Verzeyhung, und der Garnison, die aus zweytausend Mann bestand, wurde ein ehrenvoller Abzug bewilligt. Dieser Vergleich kam im September desselben Jahres im Hauptquartier zu Bevern zu Stande, und unmittelbar darauf rückten dreytausend Mann spanischer Truppen zur Besatzung ein.9

Mehr durch die Furcht seines Nahmens und durch den Schrecken des Hungers als durch seine gewaffnete Macht hatte der Herzog von Parma diese Stadt bezwungen, die größte und festeste in den Niederlanden, die an Umfang der inneren Stadt Paris nichts nachgibt, sieben und dreißigtausend Häuser zählt, und aus zwanzig Inseln besteht, die durch acht und neunzig steinerne Brücken verbunden werden. Glänzende Privilegien, welche diese Stadt im Laufe mehrerer Jahrhunderte von ihren Beherrschern zu erringen gewußt hatte, nährten in ihren Bürgern den Geist der Unabhängigkeit, der nicht selten in Trotz und Frechheit ausartete, und mit den Maximen der österreichisch-spanischen Regierung in einen sehr natürlichen Streit gerieth. Eben dieser muthige Freyheitssinn verschaffte auch der Reformation ein schnelles und ausgebreitetes Glück in dieser Stadt, und beyde Triebfedern verbunden führten alle jene stürmischen Auftritte herbey, durch welche sich dieselbe im Laufe des Niederländischen Krieges zu ihrem Unglück auszeichnete. Außer den Geldsummen, die der Herzog von Parma jetzt von der Stadt erhob, fand er in ihren Mauern noch einen reichen Vorrat von Geschützen, von Wagen, Schiffen und allerley Baugeräthe, nebst der erfoderlichen Menge von Werkleuten und Matrosen, wodurch er in seiner Unternehmung gegen Antwerpen nicht wenig gefördert wurde.10

Noch ehe Gent an den König übergieng waren die Städte Vilvorden und Herentals in die Hände der Spanier gefallen, auch die Blockhäuser ohnweit dem Flecken Willebrock von ihnen besetzt worden, wodurch Antwerpen von Brüssel und Mecheln abgeschnitten wurde. Der Verlust aller dieser Plätze, der in so kurzer Zeit erfolgte, entriß den Antwerpern jede Hoffnung eines Succurses aus Brabant und Flandern, und schränkte alle ihre Aussichten auf den Beystand ein, der aus Seeland erwartet wurde, und welchen zu verhindern der Herzog von Parma nunmehr die ernstlichsten Anstalten machte.11

Die Bürger Antwerpens hatten den ersten Bewegungen des Feindes gegen ihre Stadt mit der stolzen Sicherheit zugesehen, welche der Anblick ihres unbezwingbaren Stroms ihnen einflößte. Diese Zuversicht wurde auch gewissermaßen durch das Urtheil des Prinzen von Oranien gerechtfertigt, der auf die erste Nachricht von dieser Belagerung zu verstehen gab, daß die spanische Macht an den Mauern Antwerpens sich zu Grunde richten werde. Um jedoch nichts zu versäumen, was zu Erhaltung dieser Stadt dienen konnte, berief er, kurze Zeit vor seiner Ermordung, den Bürgermeister von Antwerpen, Philipp Marnix von S. Aldegonde, seinen vertrauten Freund, zu sich nach Delft, wo er mit demselben wegen Vertheidigung Antwerpens Abrede nahm. Sein Rath gieng dahin, den grosen Damm zwischen Sanvliet und Lillo, der Blaauwgarendyk genannt, unverzüglich schleifen zu lassen, um die Wasser der Osterschelde sobald es Noth thäte, über das niedrige Land von Bergen ausgießen, und den Seeländischen Schiffen, wenn etwa die Schelde gesperrt würde, durch die überschwemmten Felder einen Weg zu der Stadt eröffnen zu können. Aldegonde hatte auch wirklich nach seiner Zurückkunft den Magistrat und den größten Theil der Bürger bewogen, in diesen Vorschlag zu willigen, als die Zunft der Fleischer dagegen aufstand, und sich beschwerte, daß ihr dadurch die Nahrung entzogen würde; denn das Feld, welches man unter Wasser setzen wollte, war ein großer Strich Waideland, auf welchem jährlich gegen zwölftausend Ochsen gemästet wurden. Die Zunft der Fleischer behielt die Oberhand und wußte die Ausführung jenes heilsamen Vorschlags solange zu verzögern, bis der Feind die Dämme mit samt dem Waideland in Besitz genommen hatte.12

Auf den Antrieb des Bürgermeisters, S. Aldegonde, der, selbst ein Mitglied der Staaten Brabants, bey denselben in großem Ansehen stand, hatte man noch vor Ankunft der Spanier die Vestungswerke an beyden Ufern der Schelde in bessern Stand gesetzt und um die Stadt herum viele neue Schanzen errichtet. Man hatte bey Saftingen die Dämme durchstochen, und die Wasser der Westerschelde beynahe über das ganze Land Waes ausgegossen. In der angrenzenden Markgrafschaft Bergen wurden von dem Grafen von Hohenlohe Truppen geworben, und ein Regiment Schottländer unter der Anführung des Obersten Morgan stand bereits im Solde der Republik, während daß man neue Subsidien aus Engelland und Frankreich erwartete. Vor allem aber wurden die Staaten von Holland und Seeland zu der schleunigsten Hülfsleistung aufgefodert. Nachdem aber die Feinde an beyden Ufern des Stroms festen Fuß gefaßt hatten und durch das Feuer aus ihren Schanzen die Schiffahrt gefährlich machten, nachdem im Brabantischen ein Platz nach dem andern in ihre Hände fiel, und ihre Reiterey alle Zugänge von der Land-Seite sperrte, so stiegen endlich bey den Einwohnern Antwerpens ernstliche Besorgnisse wegen der Zukunft auf. Die Stadt zählte damals fünf und achtzig tausend Seelen, und nach den angestellten Berechnungen wurden zum Unterhalt derselben jährlich dreymal hunderttausend Viertel oder Zentner Getraide erfodert. Einen solchen Vorrath aufzuschütten fehlte es am Anfang der Belagerung keineswegs weder an Lieferungen noch an Geld; denn trotz des feindlichen Geschützes wußten sich die Seeländischen Proviantschiffe mit eintretender Meersfluth Bahn zu der Stadt zu machen. Es kam also bloß darauf an, zu verhindern, daß nicht einzelne von den reicheren Bürgern diese Vorräthe aufkauften, und dann bey eintretendem Mangel sich zu Meistern des Preises machten. Ein gewisser Gianibelli aus Mantua, der sich in der Stadt niedergelassen und ihr in der Folge dieser Belagerung sehr erhebliche Dienste leistete, that zu diesem Ende den Vorschlag, eine Auflage auf den hundertsten Pfennig zu machen, und eine Gesellschaft rechtlicher Männer zu errichten, welche für dieses Geld Getraide einkaufen, und wöchentlich liefern sollte. Die Reichen sollten einstweilen dieses Geld vorschiessen, und dafür die eingekauften Vorräthe gleichsam als zu einem Pfand in ihren Magazinen aufbewahren, auch an dem Gewinn ihren Antheil erhalten. Aber dieser Vorschlag wollte den reichern Einwohnern nicht gefallen, welche einmal beschlossen hatten, von der allgemeinen Bedrängniß Vortheil zu ziehen. Vielmehr hielten sie dafür, daß man einem jeden befehlen solle, sich für sich selbst auf zwey Jahre lang mit dem nöthigen Proviant zu versehen; ein Vorschlag, wobey sie sehr gut für sich aber sehr schlecht für die ärmeren Einwohner sorgten; die sich nicht einmal auf soviele Monate vorsehen konnten. Sie erreichten dadurch zwar die Absicht, diese letzteren entweder ganz aus der Stadt zu jagen, oder von sich abhängig zu machen; als sie sich aber nachher besannen, daß in der Zeit der Noth ihr Eigenthum nicht respektiert werden dürfte, so fanden sie rathsam, sich mit dem Einkauf nicht zu beeilen.13

Der Magistrat der Stadt, um ein Übel zu verhüten, das nur einzelne gedrückt haben würde, erwählte dafür ein anderes, welches dem Ganzen gefährlich wurde. Seeländische Unternehmer hatten eine ansehnliche Flotte mit Proviant befrachtet, welche sich glücklich durch die Kanonen der Feinde schlug und in Antwerpen landete. Die Hoffnung eines höhern Gewinns hatte die Kaufleute zu dieser gewagten Spekulation ermuntert; in dieser Erwartung aber fanden sie sich getäuscht, als sie ankamen, indem der Magistrat von Antwerpen um eben diese Zeit ein Edikt ergehen ließ, wodurch der Preiß aller Lebensmittel beträchtlich herabgesetzt wurde. Um zugleich zu verhindern, daß einzelne nicht die ganze Ladung aufkaufen, und, um sie nachher desto theurer loszuschlagen, in ihren Magazinen aufschütten möchten, so verordnete er, daß alles aus freyer Hand von den Schiffen verkauft werden sollte. Die Unternehmer, durch diese Vorkehrungen um den ganzen Gewinn ihrer Farth betrogen, spannten hurtig die Segel auf und verliessen Antwerpen mit dem größten Theil ihrer Ladung, welche hingereicht haben würde, die Stadt mehrere Monate lang zu ernähren.14

Diese Vernachlässigung der nächsten und natürlichsten Rettungsmittel wird nur dadurch begreiflich, daß man eine völlige Sperrung der Schelde damals noch für völlig unmöglich hielt und also den äußersten Fall im Ernst gar nicht fürchtete. Als daher die Nachricht einlief, daß der Herzog die Absicht habe, eine Brücke über die Schelde zu schlagen, so verspottete man in Antwerpen allgemein diesen schimärischen Einfall. Man stellte zwischen der Republik und dem Strome eine stolze Vergleichung an, und meynte, daß der eine so wenig als die andere das spanische Joch auf sich leiden würde. „Ein Strom, der zweytausend vier hundert Fuß breit und wenn er auch nur sein eigenes Wasser hat, über sechzig Fuß tief ist, der aber, wenn ihn die Meeresfluth hebt, noch um zwölf Fuß zu steigen pflegt – ein solcher Strom, hieß es, sollte sich durch ein elendes Pfahlwerk beherrschen lassen? Wo würde man Baumstämme hernehmen, hoch genug, um biß auf den Grund zu reichen und über die Fläche emporzuragen? Und ein Werk dieser Art sollte im Winter zustande kommen, wo die Fluth ganze Inseln und Gebirge von Eis, gegen welche kaum steinerne Mauren halten, an das schwache Gebälke treiben, und es wie Glas zersplittern wird? Oder gedächte der Herzog, eine Brücke von Schiffen zu erbauen, woher wollte er diese nehmen und auf welchem Wege sie in seine Verschanzungen bringen? Nothwendig müßten sie Antwerpen vorbey paßieren, wo eine Flotte bereit stehe, sie entweder aufzufangen oder in Grund zu bohren.“15

Aber indem man ihm in der Stadt die Ungereimtheit seiner Unternehmung bewies, hatte der Herzog von Parma sie vollendet. Sobald die Basteyen St. Maria und St. Philipp errichtet waren, welche die Arbeiter und den Bau durch ihr Geschütz decken konnten, so wurde von beyden entgegenstehenden Ufern aus ein Gerüste in den Strom hinein gebaut, wozu man die Maste von den größten Schiffen gebrauchte. Durch die kunstreiche Anordnung des Gebälkes wußte man dem Ganzen eine solche Haltung zu geben, daß es, wie nachher der Erfolg bewies, dem gewaltsamen Andrange des Eises zu widerstehen vermochte. Dieses Gebälke, welches fest und sicher auf dem Grunde des Wassers ruhte, und noch in ziemlicher Höhe daraus hervorragte, war mit Planken bedeckt, welche eine bequeme Strasse formierten. Sie war so breit, daß acht Mann nebeneinander darauf Platz hatten, und ein Geländer, das zu beyden Seiten hinweglief, schützte vor dem Musketenfeuer der feindlichen Schiffe. Diese Estacade, wie man sie nannte, lief von beyden entgegenstehenden Ufern soweit in den Strom hinein, als es die zunehmende Tiefe und Gewalt des Wassers verstattete. Sie verengte den Strom um eilfhundert Fuß; weil aber der mittlere und eigentliche Strom sie durchaus nicht dultete, so blieb noch immer zwischen beyden Estacaden ein Raum von mehr als sechshundert Schritten offen, durch welchen eine ganze Proviantflotte bequem hindurchsegeln konnte. Diesen Zwischenraum gedachte der Herzog vermittelst einer Schiffbrücke auszufüllen, wozu die Fahrzeuge von Dünkirchen sollten hergeschaft werden. Aber außerdem, daß dort Mangel daran war, so hielt es schwer, solche ohne großen Verlust an Antwerpen vorbey zu bringen. Er mußte sich also einstweilen damit begnügen, den Fluß um die Hälfte verengt, und den Durchzug der feindlichen Schiffe um soviel schwieriger gemacht zu haben. Denn da, wo sich die Estacaden in der Mitte des Stromes endigten, erweiterten sie sich beyde in ein länglichtes Viereck, welches stark mit Kanonen besetzt war, und mitten im Wasser zu einer Art Vestung diente. Von da aus wurde auf alle Fahrzeuge, die durch diesen Paß sich hindurch wagten, ein fürchterliches Feuer unterhalten, welches jedoch nicht verhinderte, daß nicht ganze Flotten und einzelne Schiffe diese gefährliche Strasse glücklich vorüber zogen.16

Unterdessen ergab sich Gent, und diese unerwartet schnelle Eroberung riß den Herzog auf einmal aus seiner Verlegenheit. Er fand in dieser Stadt alles Nöthige bereit, um seine Schiffbrücke zu vollenden, und die Schwierigkeit war bloß, es sicher herbeyzuschaffen. Dazu eröfneten ihm die Feinde selbst den natürlichsten Weg. Durch Eröfnung der Dämme bey Saftingen war ein grosser Theil von dem Lande Waes biß zu dem Flecken Borcht unter Wasser gesetzt worden, so daß es gar nicht schwer hielt, die Felder mit flachen Fahrzeugen zu befahren. Der Herzog ließ also seine Schiffe von Gent auslaufen, und beorderte sie, nachdem sie Dendermonde und Rupelmonde passiert, den linken Damm der Schelde zu durchstechen, Antwerpen zur Rechten liegen zu lassen, und gegen Borcht zu in das überschwemmte Feld hinein zu segeln. Zur Versicherung dieser Fahrt wurde bey dem Flecken Borcht eine Bastey errichtet, welche die Feinde im Zaum halten könnte. Alles gelang nach Wunsch, obgleich nicht ohne einen lebhaften Kampf mit der feindlichen Flottille, welche ausgeschickt worden war, diesen Zug zu stören. Nachdem man noch einige Dämme unterwegs durchstochen, erreichte man die spanischen Quartiere bey Kalloo, und lief glücklich wieder in die Schelde. Das Frohlocken der Armee war um so grösser, nachdem man erst die grosse Gefahr vernommen, der die Schiffe nur eben entgangen waren. Denn kaum hatten sie sich der feindlichen Schiffe entlediget, so war schon eine Verstärkung der letztern von Antwerpen unterwegs, welche der tapfre Vertheidiger von Lillo, Odet von Teligny, anführte. Als dieser die Arbeit gethan und die Feinde entwischt sah, so bemächtigte er sich des Dammes, an dem jene durchgebrochen waren, und warf eine Bastey an der Stelle auf, um den Gentischen Schiffen, die etwa noch nachkommen möchten, den Paß zu verlegen.17

Dadurch gerieth der Herzog von Parma aufs neu ins Gedränge. Noch hatte er bey weitem nicht Schiffe genug, weder für seine Brücke noch zur Vertheidigung derselben, und der Weg, auf welchem die vorigen herbeygeschafft worden, war durch das Fort des Teligny gesperrt. Indem er nun die Gegend in der Absicht recognoscierte, einen neuen Weg für seine Flotten ausfündig zu machen, stellte sich ihm ein Gedanke dar, der nicht bloß seine gegenwärtige Verlegenheit endigte, sondern der ganzen Unternehmung auf einmal einen lebhaften Schwung gab. Nicht weit von dem Dorfe Stecken im Lande Waes, von welchem Ort man noch etwa fünftausend Schritte bis zum Anfang der Überschwemmungen hatte, fließt die Moer ein kleines Wasser vorbey, das bey Gent in die Schelde fällt. Von diesem Flusse nun ließ er einen Kanal biß an die Gegend führen, wo die Überschwemmung den Anfang nahm, und weil die Wasser nicht überall hoch genug standen, so wurde der Kanal zwischen Bevern und Verrebroek biß nach Kalloo fortgeführt, wo die Schelde ihn aufnahm. Fünfhundert Schanzgräber arbeiteten ohne Unterlaß an diesem Werke, und um die Verdroßenheit der Soldaten zu ermuntern, legte der Herzog selbst mit Hand an. Er erneuerte auf diese Art das Beyspiel zweyer berühmten Römer Drusus und Korbulo, welche durch ähnliche Werke den Rhein mit der Südersee und die Maas mit dem Rhein verbanden.

Dieser Kanal, den die Armee seinem Urheber zu Ehren den Kanal von Parma nannte, erstreckte sich vierzehntausend Schritte lang, und hatte eine verhältnißmäßige Tiefe und Breite, um sehr beträchtliche Schiffe zu tragen. Er verschaffte den Schiffen aus Gent nicht nur einen sichern, sondern auch einen merklich kürzern Weg zu den spanischen Quartieren, weil sie nun nicht mehr nöthig hatten, den weitläufigen Krümmungen der Schelde zu folgen, sondern bey Gent unmittelbar in die Moer traten, und von da aus bey Stecken durch den Kanal und durch das überschwemmte Land bis nach Kalloo gelangten. Da in der Stadt Gent die Erzeugniße von ganz Flandern zusammenflossen, so setzte dieser Kanal das spanische Lager mit der ganzen Provinz in Zusammenhang, von allen Orten und Enden strömte der Überfluß herbey, daß man im ganzen Laufe der Belagerung keinen Mangel mehr kannte. Aber der wichtigste Vortheil, den der Herzog aus diesem Werke zog, war ein hinreichender Vorrath an flachen Schiffen, wodurch er in den Stand gesetzt wurde, den Bau seiner Brücke zu vollenden.18

Unter diesen Anstalten war der Winter herbeygekommen, der, weil die Schelde mit Eis ging, in dem Bau der Brücke einen ziemlich langen Stillstand verursachte. Mit Unruhe hatte der Herzog dieser Jahrszeit entgegen gesehen, die seinem angefangenen Werk höchst verderblich werden, den Feinden aber bey einem ernsthaften Angriff auf dasselbe desto günstiger sein konnte. Aber die Kunst seiner Baumeister entriß ihn der einen Gefahr, und die Inconsequenz der Feinde befreyte ihn von der andern. Zwar geschah es mehrmals, daß mit eintretender Meeresfluth starke Eisschollen sich in den Staketen verfiengen, und mit heftiger Gewalt das Gebälke erschütterten, aber es stand und der Anlauf des wilden Elements machte bloß seine Festigkeit sichtbar.

Unterdeßen wurde in Antwerpen mit fruchtlosen Deliberationen kostbare Zeit verschwendet, und über dem Kampf der Partheyen das allgemeine Beste vernachläßigt. Die Regierung dieser Stadt war in allzuviele Hände vertheilt, und der stürmischen Menge ein viel zu grosser Antheil daran gegeben, als daß man mit Ruhe überlegen, mit Einsicht wählen und mit Festigkeit ausführen konnte. Außer dem eigentlichen Magistrat, in welchem der Bürgermeister bloß eine einzelne Stimme hatte, waren in der Stadt noch eine Menge Korporationen vorhanden, denen die äußere und innere Sicherheit, die Proviantierung, die Bevestigung der Stadt, das Schiffswesen, der Kommerz u. dgl. oblag, und welche bey keiner wichtigen Verhandlung übergangen sein wollten. Durch diese Menge von Sprechern, die so oft es ihnen beliebte in die Raths-Versammlung stürmten, und was sie durch Gründe nicht vermochten, durch ihr Geschrey und ihre starke Anzahl durchzusetzen wußten, bekam das Volk einen gefährlichen Einfluß in die öffentlichen Berathschlagungen, und der natürliche Widerstreit so entgegengesetzter Interessen hielt die Ausführung jeder heilsamen Maaßregel zurück. Ein so schwankendes und kraftloses Regiment konnte sich bey einem trotzigen Schiffsvolk und einer sich wichtig dünkenden Soldateska nicht in Achtung setzen; daher die Befehle des Staats auch nur schlechte Befolgung fanden, und durch die Nachläßigkeit, wo nicht gar offenbare Meuterey der Truppen und des Schiffsvolks mehr als einmal der entscheidende Augenblick verloren ging.19

Die wenige Übereinstimmung in der Wahl der Mittel, durch welche man dem Feind widerstehen wollte, würde indessen bey weitem nicht soviel geschadet haben, wenn man nur in dem Zwecke selbst vollkommen einig gewesen wäre. Aber eben darüber waren die begüterten Bürger und der große Haufe in zwey entgegengesetzte Partheyen getheilt, indem die ersteren nicht ohne Ursachen von der Extremität alles fürchteten, und daher sehr geneigt waren mit dem Herzog von Parma in Unterhandlungen zu treten. Diese Gesinnungen verbargen sie nicht länger, als das Fort Liefkenshoek in feindliche Hände gefallen war, und man nun im Ernste anfieng, für die Schiffarth auf der Schelde zu fürchten. Einige derselben zogen ganz und gar fort, und überließen die Stadt, mit der sie das Gute genoßen aber das Schlimme nicht theilen mochten, ihrem Schicksal. Sechszig bis siebenzig der zurückbleibenden aus dieser Klasse übergaben dem Rath eine Bittschrift, worinn sie den Wunsch äuserten, daß man mit dem König traktieren möchte. Sobald aber das Volk davon Nachricht erhielt, so gerieth es in eine wüthende Bewegung, daß man es kaum durch Einsperrung der Supplikanten und eine denselben aufgelegte Geldstrafe besänftigen konnte. Es ruhte auch nicht eher, als biß ein Edikt zu Stande kam, welches auf jeden, heimlichen oder öffentlichen, Versuch zum Frieden die Todesstrafe setzte.20

Dem Herzog von Parma, der in Antwerpen nicht weniger als in den übrigen Städten Brabants und Flanderns geheime Verständniße unterhielt, und durch seine Kundschafter gut bedient wurde, entgieng keine dieser Bewegungen, und er versäumte nicht, Vortheil davon zu ziehen. Obgleich er in seinen Anstalten weit genug vorwärts gerückt war, um die Stadt zu beängstigen, so waren doch noch sehr viele Schritte zu thun, um sich wirklich von derselben Meister zu machen, und ein einziger unglücklicher Augenblick konnte das Werk vieler Monate vernichten. Ohne also in seinen kriegerischen Vorkehrungen etwas nachzulassen, machte er noch einen ernstlichen Versuch, ob er sich der Stadt nicht durch Güte bemächtigen könnte. Er erließ zu dem Ende im November dieses Jahrs an den großen Rath von Antwerpen ein Schreiben, worin alle Kunstgriffe aufgeboten waren, die Bürger entweder zur Übergabe der Stadt zu vermögen, oder doch die Trennung unter denselben zu vermehren. Er betrachtete sie in diesem Brief als Verführte, und wälzte die ganze Schuld ihres Abfalls und ihrer bisherigen Widersetzlichkeit auf den ränkevollen Geist des Prinzen von Oranien, von welchem die Strafgerechtigkeit des Himmels sie seit kurzem befreyet habe. Jetzt, meynte er, stehe es in ihrer Macht, aus ihrer langen Verblendung zu erwachen, und zu einem König, der zur Versöhnung geneigt sey, zurück zu kehren. Dazu, fuhr er fort, biete er selbst sich mit Freuden als Mittler an, da er nie aufgehört habe, ein Land zu lieben, worinn er gebohren sey, und den fröhlichsten Theil seiner Jugend zugebracht habe. Er munterte sie daher auf, ihm Gevollmächtigte zu senden, mit denen er über den Frieden traktieren könne, ließ sie die billigsten Bedingungen hoffen, wenn sie sich bey Zeiten unterwärfen, aber auch die härtesten fürchten, wenn sie es aufs äußerste kommen liessen.

Dieses Schreiben, in welchem man mit Vergnügen die Sprache nicht wieder findet, welche ein Herzog von Alba zehn Jahre vorher in ähnlichen Fällen zu führen pflegte, beantwortete die Stadt in einem anständigen und bescheidenen Ton, und indem sie dem persönlichen Charakter des Herzogs volle Gerechtigkeit wiederfahren ließ, und seiner wohlwollenden Gesinnungen gegen sie mit Dankbarkeit erwähnte, beklagte sie die Härte der Zeitumstände, welche ihm nicht erlaubten, seinem Charakter und seiner Neigung gemäß gegen sie zu verfahren. In seine Hände, erklärte sie, würde sie mit Freuden ihr Schicksal legen, wenn er unumschränkter Herr seiner Handlungen wäre, und nicht einem fremden Willen dienen müßte, den seine eigene Billigkeit unmöglich gut heissen könne. Nur zu bekannt sey der unveränderliche Rathschluß des Königs von Spanien, und das Gelübde, das derselbe dem Pabst gethan habe; von dieser Seite sey alle ihre Hoffnung verloren. Sie vertheidigte dabey mit edler Wärme das Gedächtniß des Prinzen von Oranien, ihres Wohlthäters und Retters, indem sie die wahren Ursachen aufzählte, welche diesen traurigen Krieg herbey geführt, und die Provinzen von der spanischen Krone abtrünnig gemacht hätten. Zugleich verhehlte sie nicht, daß sie eben jetzt Hoffnung habe, an dem Könige von Frankreich einen neuen und einen gütigeren Herrn zu finden, und auch schon dieser Ursache wegen keinen Vergleich mit dem spanischen Monarchen eingehen könne, ohne sich des strafbarsten Leichtsinns und der Undankbarkeit schuldig zu machen.21

Die vereinigten Provinzen nehmlich, durch eine Reyhe von Unglücksfällen kleinmüthig gemacht, hatten endlich den Entschluß gefaßt, unter die Oberhoheit Frankreichs zu treten, und durch Aufopferung ihrer Unabhängigkeit ihre Existenz und ihre alten Privilegien zu retten. Mit diesem Auftrage war vor nicht langer Zeit eine Gesandtschaft nach Paris abgegangen, und die Aussicht auf diesen mächtigen Beystand war es vorzüglich, was den Muth der Antwerpener stärkte. Heinrich der Dritte, König von Frankreich war für seine Person auch nicht ungeneigt, dieses Anerbieten sich zu Nutz zu machen, aber die Unruhen, welche ihm die Intriguen der Spanier in seinem eigenen Königreich zu erregen wußten, nöthigten ihn wider seinen Willen davon abzustehen. Die Niederländer wandten sich nunmehr mit ihrem Gesuch an die Königinn Elisabeth von England, die ihnen auch wirklich, aber nur zu spät für Antwerpens Rettung, einen thätigen Beistand leistete. Während daß man in dieser Stadt den Erfolg dieser Unterhandlungen abwartete, und nach einer fremden Hülfe in die Ferne blickte, hatte man die natürlichsten und nächsten Mittel zu seiner Rettung versäumt, und den ganzen Winter verloren, den der Feind desto besser zu benutzen verstand.22

Zwar hatte es der Bürgermeister von Antwerpen, S. Aldegonde, nicht an wiederholten Aufforderungen fehlen lassen, die Seeländische Flotte zu einem Angriff auf die feindlichen Werke zu vermögen, während daß man von Antwerpen aus diese Expedition unterstützen würde. Die langen und öfters stürmischen Nächte konnten diese Versuche begünstigen, und wenn zugleich die Besatzung zu Lillo einen Ausfall wagte, so würde es dem Feinde kaum möglich gewesen seyn, diesem dreyfachen Anfall zu widerstehen. Aber unglücklicherweise waren zwischen dem Anführer jener Flotte, Wilhelm von Blois von Treslong, und der Admiralität von Seeland Irrungen entstanden, welche Ursache waren, daß die Ausrüstung der Flotte auf eine ganz unbegreifliche Weise verzögert wurde. Um solche zu beschleunigen entschloß sich endlich Teligny, selbst nach Middelburg zu gehen, wo die Staaten von Seeland versammelt waren; aber weil der Feind alle Pässe besetzt hatte, so kostete ihn dieser Versuch seine Freyheit, und mit ihm verlor die Republik ihren tapfersten Vertheidiger. Indessen fehlte es nicht an unternehmenden Schiffern, welche unter Vergünstigung der Nacht, und mit eintretender Fluth, trotz des feindlichen Feuers durch die damals noch offene Brücke sich schlugen, Proviant in die Stadt warfen und mit der Ebbe wieder zurückkehrten. Weil aber doch mehrere solcher Fahrzeuge dem Feind in die Hände fielen, so verordnete der Rath, daß inskünftige die Schiffe nie unter einer bestimmten Anzahl sich hinaus wagen sollten; welches die Folge hatte, daß alles unterblieb, weil die erforderte Anzahl niemals voll werden wollte. Auch geschahen von Antwerpen aus einige nicht ganz unglückliche Versuche auf die Schiffe der Spanier; einige der letztern wurden erobert, andere versenkt, und es kam bloß darauf an, dergleichen Versuche im Großen fortzusetzen. Aber so eifrig auch S. Aldegonde dieses betrieb, so fand sich doch kein Schiffer, der ein Fahrzeug besteigen wollte.23

Unter diesen Zögerungen verstrich der Winter, und kaum bemerkte man, daß das Eis sich verlor, so wurde von den Belagerern der Bau der Schiffbrücke nun mit allem Ernst vorgenommen. Zwischen beyden Staketen blieb noch ein Raum von mehr als sechshundert Schritten auszufüllen, welches auf folgende Art bewerkstelligt wurde. Man nahm zwey und dreißig Playten (platte Fahrzeuge), jede sechs und sechzig Fuß lang und zwanzig breit, und diese fügte man am Vorder- und Hintertheile mit starken Cabelthauen und eisernen Ketten aneinander, doch so, daß sie noch gegen zwanzig Fuß von einander abstanden, und dem Strom einen freyen Durchzug verstatteten. Jede Playte hieng noch außerdem an zwey Ankerthauen, sowohl aufwärts als unterwärts des Stroms, welche aber, je nachdem das Wasser mit der Fluth stieg, oder mit der Ebbe sank, nachgelassen und angezogen werden konnten. Über die Schiffe hinweg wurden große Mastbäume gelegt, welche von einem zum andern reichten, und, mit Planken überdeckt, eine ordentliche Straße bildeten, auch, wie die Staketen, mit einem Geländer eingefaßt waren. Diese Schiffbrücke, davon beyde Staketen nur eine Fortsetzung ausmachten, hatte, mit diesen zusammen genommen, eine Länge von zweytausend vierhundert Schritten. Dabey war diese furchtbare Maschine so künstlich organisiert und so reichlich mit Werkzeugen des Todes ausgerüstet, daß sie gleich einem lebendigen Wesen sich selbst vertheidigen, auf das Kommandowort Flammen speyen, und auf alles, was ihr nahe kam, Verderben ausschütten konnte. Außer den beyden Forts, S. Maria und S. Philipp, welche die Brücke an beyden Ufern begrenzten, und außer den zwey hölzernen Basteyen auf der Brücke selbst, welche mit Soldaten angefüllt und in allen vier Ecken mit Kanonen besetzt waren, enthielt jedes der zwey und dreißig Schiffe noch dreyßig Bewaffnete nebst vier Matrosen zu seiner Bedeckung, und zeigte dem Feind, er mochte nun von Seeland herauf oder von Antwerpen herunter schiffen, die Mündung einer Kanone. Man zählte in allem sieben und neunzig Kanonen, die sowohl über der Brücke als unter derselben vertheilt waren, und mehr als fünfzehn hundert Mann, die theils die Basteyen theils die Schiffe besetzten, und wenn es Noth that, ein furchtbares Mousquetenfeuer auf den Feind unterhalten konnten.

Aber dadurch allein glaubte der Herzog sein Werk noch nicht gegen alle Zufälle sicher gestellt zu haben. Es war zu erwarten, daß der Feind nichts unversucht lassen würde, den mittlern und schwächsten Theil der Brücke durch die Gewalt seiner Maschinen zu sprengen; diesem vorzubeugen, warf er längs der Schiffbrücke und in einiger Entfernung von derselben noch eine besondere Schutzwehre auf, welche die Gewalt brechen sollte, die auf die Brücke selbst möchte ausgeübt werden. Dieses Werk bestand aus drey und dreißig Barken von beträchtlicher Größe, welche in Einer Reihe queer über den Strom hin gelagert, und je drey und drey mit Mastbäumen aneinander bevestigt waren, so daß sie eilf verschiedene Gruppen bildeten. Jede derselben streckte, gleich einem Glied Pikenierer, in horizontaler Richtung vierzehen lange hölzerne Stangen aus, die dem herannahenden Feind eine eiserne Spitze entgegen kehrten. Diese Barken waren bloß mit Ballast angefüllt und hiengen jede an einem doppelten, aber schlaffen Ankerthau, um dem anschwellenden Strom nachgeben zu können; daher sie auch in beständiger Bewegung waren, und davon die Nahmen Schwimmer bekamen. Die ganze Schiffbrücke und noch ein Theil der Staketen wurden von diesen Schwimmern gedeckt, welche sowohl oberhalb als unterhalb der Brücke angebracht waren. Zu allen diesen Vertheidigungsanstalten kam noch eine Anzahl von vierzig Kriegsschiffen, welche an beyden Ufern hielten und dem ganzen Werk zur Bedeckung dienten.24

Dieses bewundernswürdige Werk war im März des Jahres 1585 als dem siebenten Monat der Belagerung fertig, und der Tag, an dem es vollendet wurde, war ein Jubelfest für die Truppen. Durch ein wildes Freudenschiessen wurde der große Vorfall der belagerten Stadt verkündigt, und die Armee, als wollte sie sich ihres Triumphs recht sinnlich versichern, breitete sich längs dem ganzen Gerüste aus, um den stolzen Strom, dem man das Joch aufgelegt hatte, friedfertig und gehorsam unter sich hinweg fliessen zu sehen. Alle ausgestandenen unendlichen Mühseligkeiten waren bey diesem Anblick vergessen, und keiner, dessen Hand nur irgend dabey geschäftig gewesen, war so verächtlich und so klein, daß er sich nicht einen Theil der Ehre zueignete, die dem großen Urheber lohnte. Nichts aber gleicht der Bestürzung, welche die Bürger von Antwerpen ergriff, als ihnen die Nachricht gebracht wurde, daß die Schelde nun wirklich geschlossen, und alle Zufuhr aus Seeland abgeschnitten sey. Und zu Vermehrung ihres Schreckens mußten sie zu derselben Zeit noch den Verlust der Stadt Brüssel erfahren, welche endlich durch Hunger genöthigt worden, sich zu ergeben. Ein Versuch, den der Graf von Hohenlohe in eben diesen Tagen auf Herzogenbusch gewagt, um entweder diese Stadt wegzunehmen, oder doch dem Feind eine Diversion zu machen, war gleichfalls verunglückt, und so verlor das bedrängte Antwerpen zu gleicher Zeit alle Hofnung einer Zufuhr von der See und zu Lande.25

Durch einige Flüchtlinge, welche sich durch die spanischen Vorposten hindurch in die Stadt geworfen, wurden diese unglücklichen Zeitungen darinn ausgebreitet, und ein Kundschafter, den der Bürgermeister ausgeschickt hatte, um die feindlichen Werke zu recognoscieren, vergrößerte durch seine Aussagen noch die allgemeine Bestürzung. Er war ertappt und vor den Herzog von Parma gebracht worden, welcher Befehl gab, ihn überall herumzuführen, und besonders die Einrichtung der Brücke aufs genaueste besichtigen zu lassen. Nachdem dieß geschehen war und er wieder vor den Feldherrn gebracht wurde, schickte ihn dieser mit den Worten zurück: „Gehe,“ rief er, „und hinterbringe denen, die dich herschickten, was du gesehen hast. Melde ihnen aber dabey, daß es mein fester Entschluß sey, mich entweder unter den Trümmern dieser Brücke zu begraben, oder durch diese Brücke in eure Stadt einzuziehen“26

Aber die Gewißheit der Gefahr belebte nun auch auf einmal den Eifer der Verbundenen, und es lag nicht an ihren Anstalten, wenn die erste Hälfte jenes Gelübdes nicht in Erfüllung gieng. Längst schon hatte der Herzog mit Unruhe den Bewegungen zugesehen, welche zum Entsatze der Stadt in Seeland gemacht wurden. Es war ihm nicht verborgen, daß er den gefährlichsten Schlag von dorther zu fürchten habe, und daß gegen die vereinigte Macht der Seeländischen und Antwerpischen Flotten, wenn sie zu gleicher Zeit und im rechten Moment auf ihn losdringen sollten, mit allen seinen Werken nicht viel würde auszurichten seyn. Eine Zeit lang hatten ihm die Zögerungen des Seeländischen Admirals, die er auf alle Art zu unterhalten bemüht war, Sicherheit verschafft; jetzt aber beschleunigte die dringende Noth auf einmal die Rüstung, und ohne länger auf den Admiral zu warten, schickten die Staaten zu Middelburg den Grafen Justin von Nassau mit soviel Schiffen als sie aufbringen konnten, den Belagerten zu Hülfe. Diese Flotte legte sich vor das Fort Liefkenshoek, welches der Feind in Besitz hatte, und beschoß dasselbe, von einigen Schiffen aus dem gegenüber liegenden Fort Lillo unterstützt, mit so glücklichem Erfolge, daß die Wälle in kurzem zu Grund gerichtet und mit stürmender Hand erstiegen wurden. Die darinn zur Besatzung liegenden Wallonen zeigten die Festigkeit nicht, welche man von Soldaten des Herzogs von Parma erwartete; sie überliessen dem Feind schimpflich die Vestung, der sich in kurzem der ganzen Insel Doel mit allen darauf liegenden Schanzen bemeisterte. Der Verlust dieser Plätze, die jedoch bald wieder gewonnen waren, gieng dem Herzog von Parma so nahe, daß er die Befehlshaber vor das Kriegsgericht zog, und den schuldigsten darunter enthaupten ließ. Indessen eröfnete diese wichtige Eroberung den Seeländern einen freyen Paß bis zur Brücke, und nunmehr war der Zeitpunkt vorhanden, nach genommener Abrede mit den Antwerpenern, gegen jenes Werk einen entscheidenden Streich auszuführen. Man kam überein, daß während man von Antwerpen aus, durch schon bereit gehaltene Maschinen, die Schiffbrücke sprengte, die Seeländische Flotte mit einem hinlänglichen Vorrath von Proviant in der Nähe seyn sollte, um sogleich durch die gemachte Öfnung hindurch nach der Stadt zu segeln.27

Denn ehe noch der Herzog von Parma mit seiner Brücke zu Stande war, arbeitete schon in den Mauren Antwerpens ein Ingenieur an ihrer Zerstörung. Friderich Gianibelli hieß dieser Mann, den das Schicksal bestimmt hatte, der Archimed dieser Stadt zu werden, und eine gleiche Geschicklichkeit mit gleich verlorenem Erfolg zu deren Vertheidigung zu verschwenden. Er war aus Mantua gebürtig, und hatte sich ehedem in Madrid gezeigt, um, wie einige wollen, dem König Philipp seine Dienste in dem niederländischen Krieg anzubiethen. Aber vom langen Warten ermüdet, verließ der beleidigte Künstler den Hof, des Vorsatzes, den Monarchen Spaniens auf eine empfindliche Art mit einem Verdienste bekannt zu machen, das er so wenig zu schätzen gewußt hatte. Er suchte die Dienste der Königinn Elisabeth von England, der erklärten Feindinn von Spanien, welche ihn, nachdem sie einige Proben von seiner Kunst gesehen, nach Antwerpen schickte. In dieser Stadt ließ er sich wohnhaft nieder, und widmete derselben in der gegenwärtigen Extremität seine ganze Wissenschaft und den feurigsten Eifer.28

Sobald dieser Künstler in Erfahrung gebracht hatte, daß es mit der Brücke ernstlich gemeynt sey und das Werk der Vollendung sich nähere, so bat er sich von dem Magistrat drey grosse Schiffe von hundert und fünfzig bis fünfhundert Tonnen aus, in welchen er Minen anzulegen gedachte. Außer diesen verlangte er noch sechzig Playten, welche, mit Kabeln und Ketten aneinander gebunden und mit hervorragenden Haken versehen, mit eintretender Ebbe in Bewegung gesetzt werden, und um die Wirkung der Minenschiffe zu vollenden, in keilförmiger Richtung gegen die Brücke Sturm laufen sollten. Aber er hatte sich mit seinem Gesuch an Leute gewendet, die gänzlich unfähig waren, einen außerordentlichen Gedanken zu faßen, und selbst da, wo es die Rettung des Vaterlandes galt, ihren Krämersinn nicht zu verläugnen wußten. Man fand seinen Vorschlag allzukostbar, und nur mit Mühe erhielt er endlich, daß ihm zwey kleinere Schiffe von siebenzig bis achtzig Tonnen, nebst einer Anzahl Playten bewilligt wurden.

Mit diesen zwey Schiffen, davon er das eine das Glück, das andre die Hofnung nannte, verfuhr er auf folgende Art. Er ließ auf dem Boden derselben einen hohlen Kasten von Quadersteinen mauren, der fünf Schuh breit, vierthalb hoch, und vierzig lang war. Diesen Kasten füllte er mit sechzig Zentnern des feinsten Schießpulvers von seiner eigenen Erfindung, und bedeckte denselben mit grossen Grab- und Mühlsteinen, so schwer das Fahrzeug sie tragen konnte. Darüber führte er noch ein Dach von ähnlichen Steinen auf, welches spitz zulief und sechs Schuhe hoch über den Schiffsrand empor ragte. Das Dach selbst wurde mit eisernen Ketten und Haken, mit metallenen und marmornen Kugeln, mit Nägeln, Messern und andern verderblichen Werkzeugen vollgestopft; auch der übrige Raum des Schiffs, den der Kasten nicht einnahm, wurde mit Steinen ausgefüllt und das Ganze mit Brettern überzogen. In dem Kasten selbst waren mehrere kleine Öffnungen für die Lunten gelassen, welche die Mine anzünden sollten. Zum Überfluß war noch ein Uhrwerk darinn angebracht, welches nach Ablauf der bestimmten Zeit Funken schlagen, und, wenn auch die Lunten verunglückten, das Schiff in Brand stecken konnte. Um dem Feinde die Meynung beyzubringen, als ob es mit diesen Maschinen bloß darauf abgesehen sey, die Brücke anzuzünden, wurde auf dem Gipfel derselben ein Feuerwerk von Schwefel und Pech unterhalten, welches eine ganze Stunde lang fortbrennen konnte. Ja, um die Aufmerksamkeit desselben noch mehr von dem eigentlichen Sitz der Gefahr abzulenken, rüstete er noch zwey und dreyßig Schuyten (kleine platte Fahrzeuge) aus, auf denen bloß Feuerwerke brannten, und welche keine andere Bestimmung hatten, als dem Feind ein Gaukelwerk vorzumachen. Diese Brander sollten in vier verschiedenen Transporten, von einer halben Stunde zur andern, nach der Brücke hinunter laufen und die Feinde zwey ganze Stunden lang unaufhörlich in Athem erhalten, so daß sie endlich vom Schießen erschöpft und durch vergebliches Warten ermüdet, in ihrer Aufmerksamkeit nachließen, wenn die rechten Vulkane kämen. Voran ließ er zum Überfluß noch einige Schiffe laufen, in welchen Pulver verborgen war, um das fließende Werk vor der Brücke zu sprengen, und den Hauptschiffen Bahn zu machen. Zugleich hoffte er durch dieses Vorpostengefecht den Feinden zu thun zu geben, sie heran zu locken und der ganzen tödtenden Wirkung des Vulkans auszusetzen.29

Die Nacht zwischen dem vierten und fünften April war zur Ausführung dieses großen Unternehmens bestimmt. Ein dunkles Gerücht davon hatte sich auch schon in dem spanischen Lager verbreitet, besonders da man von Antwerpen aus mehrere Taucher entdeckt hatte, welche die Ankerthaue an den Schiffen hatten zerhauen wollen. Man war sich daher auf einen ernstlichen Angriff gefaßt; nur irrte man sich in der eigentlichen Beschaffenheit desselben, und rechnete mehr darauf, mit Menschen als mit Elementen zu kämpfen. Der Herzog ließ zu diesem Ende die Wachen längs dem ganzen Ufer verdoppeln, und zog den besten Theil seiner Truppen in die Nähe der Brücke, wo er selbst gegenwärtig war; um so näher der Gefahr, je sorgfältiger er derselben zu entfliehen suchte. Kaum war es dunkel geworden, so sah man von der Stadt her drey brennende Fahrzeuge daher schwimmen, dann noch drey andre, und gleich darauf eben soviele. Man ruft durch das spanische Lager ins Gewehr, und die ganze Länge der Brücke füllt sich mit Bewaffneten an. Indeßen vermehrten sich die Feuerschiffe und zogen, theils Paarweise theils zu Dreyen, in einer gewissen Ordnung den Strom herab, weil sie am Anfang noch durch Schiffer gelenkt wurden. Der Admiral der Antwerpischen Flotte Jacob Jacobsohn hatte es, man wußte nicht ob aus Nachläßigkeit oder Vorsatz darinn versehen, daß er die vier Schiffhaufen allzugeschwind hintereinander ablaufen, und ihnen auch die zwey großen Minenschiffe viel zu schnell folgen ließ, wodurch die ganze Ordnung gestört wurde.

Unterdessen rückte der Zug immer näher, und die Dunkelheit der Nacht erhöhte noch den ausserordentlichen Anblick. So weit das Auge dem Strom folgen konnte war alles Feuer, und die Brander warfen so starke Flammen aus, als ob sie selbst in Feuer aufgingen. Weit hin leuchtete die Wasserfläche; die Dämme und Basteyen längs dem Ufer, die Fahnen, Waffen und Rüstungen der Soldaten, welche sowohl hier als auf der Brücke in Parade standen, glänzten im Widerschein. Mit einem gemischten Gefühl von Grauen und Vergnügen betrachtete der Soldat das seltsame Schauspiel, das eher einer Fete als einem feindlichen Apparate glich, aber gerade wegen dieses sonderbaren Kontrastes der äusern Erscheinung mit der innern Bestimmung die Gemüther mit einem wunderbaren Schauer erfüllte. Als diese brennende Flotte der Brücke bis auf zweytausend Schritte nahe gekommen, zündeten ihre Führer die Lunten an, trieben die zwey Minenschiffe in die eigentliche Mitte des Stroms und überließen die übrigen dem Spiele der Wellen, indem sie selbst sich auf schon bereit gehaltenen Kähnen hurtig davon machten.30

Jetzt verwirrte sich der Zug, und die führerlosen Schiffe langten einzeln und zerstreut bey den schwimmenden Werken an, wo sie entweder hängen blieben, oder seitwärts an das Ufer prallten. Die vordern Pulverschiffe, welche bestimmt gewesen waren, das schwimmende Werk zu entzünden, warf die Gewalt eines Sturmwindes, der sich in diesem Augenblick erhob, an das Flandrische Ufer; selbst der eine von den beyden Brandern, welcher das Glück hieß, gerieth unterwegs auf den Grund, ehe er noch die Brücke erreichte, und tötete, indem er zersprang, etliche spanische Soldaten, die in einer nahgelegenen Schanze arbeiteten. Wenig fehlte, daß der andre und größere Brander, die Hofnung genannt, nicht ein ähnliches Schicksal gehabt hätte. Der Strom warf ihn an das schwimmende Werk auf der Flandrischen Seite, wo er hängen blieb; und hätte er in diesem Augenblick sich entzündet, so war der beßte Theil seiner Würkung verloren. Von den Flammen getäuscht, welche diese Maschine, gleich den übrigen Fahrzeugen, von sich warf, hielt man sie bloß für einen gewöhnlichen Brander, der die Schiffbrücke anzuzünden bestimmt sey. Und wie man nun gar eins der Feuerschiffe nach dem andern ohne alle weitere Wirkung erlöschen sah, so verlor sich endlich die Furcht, und man fing an, über die Anstalten des Feindes zu spotten, die sich so prahlerisch angekündigt hatten, und nun ein so lächerliches Ende nahmen. Einige der verwegensten warfen sich sogar in den Strom, um den Brander in der Nähe zu besehen, und ihn auszulöschen, als derselbe vermittelst seiner Schwere sich durchriß, das schwimmende Werk, das ihn aufgehalten, zersprengte, und mit einer Gewalt, welche alles fürchten ließ, auf die Schiffbrücke losdrang. Auf einmal kommt alles in Bewegung, und der Herzog ruft den Matrosen zu, die Maschine mit Stangen aufzuhalten, und die Flammen zu löschen, ehe sie das Gebälke ergriffen.

Er befand sich in diesem bedenklichen Augenblick an dem äusersten Ende des linken Gerüstes, wo dasselbe eine Bastey im Wasser formirte und in die Schiffbrücke übergieng. Ihm zur Seite standen der Markgraf von Rysburg, General der Reiterey und Gouverneur der Provinz Artois, der sonst den Staaten gedient hatte, aber aus einem Vertheidiger der Republik ihr schlimmster Feind geworden war; der Freyherr von Billy, Gouverneur von Friesland und Chef der deutschen Regimenter, die Generale Cajetan und Guasto, nebst mehreren der vornehmsten Offiziere; alle ihrer besondern Gefahr vergessen, und bloß mit Abwendung des allgemeinen Unglücks beschäftigt. Da nahte sich dem Herzog von Parma ein spanischer Fähndrich, und beschwor ihn, sich von einem Ort hinwegzubegeben, wo seinem Leben augenscheinlich Gefahr drohe. Er wiederhohlte diese Bitte noch dringender, als der Herzog nicht darauf merken wollte, und flehte ihn zuletzt fußfällig, in diesem einzigen Stücke von seinem Diener Rath anzunehmen. Indem er dieß sagte, hatte er den Herzog am Rock ergriffen, als wollte er ihn mit Gewalt von der Stelle ziehen, und dieser, mehr von der Kühnheit dieses Mannes überrascht als durch seine Gründe überredet, zog sich endlich, von Cajetan und Guasto begleitet, nach dem Ufer zurück. Kaum hatte er Zeit gehabt, das Fort S. Maria am äußersten Ende der Brücke zu erreichen, so geschah hinter ihm ein Knall, nicht anders, als börste die Erde, und stürzte das Gewölbe des Himmels ein. Wie todt fiel der Herzog nieder, die ganze Armee mit ihm, und es dauerte mehrere Minuten, bis man wieder zur Besinnung erwachte.

Aber welch ein Anblick, als man jetzt wieder zu sich selber kam! Von dem Schlage des entzündeten Vulkans war die Schelde bis in ihre untersten Tiefen gespalten und mit Mauerhoher Fluth über den Damm, der sie umgab, hinaus getrieben worden, so daß alle Vestungswerke am Ufer mehrere Schuh hoch im Wasser standen. Drey Meilen im Umkreis schütterte die Erde. Beynahe das ganze linke Gerüste, an welchem das Brandschiff sich angehängt hatte, war nebst einem Theil der Schiffbrücke auseinander gesprengt, zerschmettert, und mit allem, was sich darauf befand, mit allen Mastbäumen, Kanonen und Menschen in die Luft geführt worden. Selbst die ungeheuren Steinmassen, welche die Mine bedeckten, hatte die Gewalt des Vulkans in die benachbarten Felder geschleudert, so daß man nachher mehrere davon, tausend Schritte weit von der Brücke, aus dem Boden herausgrub. Sechs Schiffe waren verbrannt, mehrere in Stücken gegangen. Aber schrecklicher als alles dieß war die Niederlage, welche das mörderische Werkzeug unter den Menschen anrichtete. Fünfhundert, nach andern Berichten sogar achthundert Menschen wurden das Opfer seiner Wuth, diejenigen nicht einmal gerechnet, welche mit verstümmelten oder sonst beschädigten Gliedern davon kamen; und die entgegengesetztesten Todesarten vereinigten sich in diesem entsetzlichen Augenblick. Einige wurden durch den Blitz des Vulkans, andre durch das kochende Gewässer des Stroms verbrannt; noch andre erstickte der giftige Schwefeldampf; jene wurden in den Fluthen, diese unter dem Hagel der geschleuderten Steine begraben, viele von den Messern und Haken zerfleischt, oder von den Kugeln zermalmt, welche aus dem Bauch der Maschine sprangen. Einige, die man ohne alle sichtbare Verletzung entseelt fand, mußte schon die bloße Lufterschütterung getödtet haben. Der Anblick, der sich unmittelbar nach Entzündung der Mine darbot, war fürchterlich. Einige staken zwischen dem Pfahlwerk der Brücke, andere arbeiteten sich unter Steinmassen hervor, noch andere waren in den Schiffseilen hängen geblieben; von allen Orten und Enden her erhub sich ein herzzerschneidendes Geschrey nach Hülfe, welches aber, weil jeder genug mit sich selbst zu thun hatte, nur durch ein ohnmächtiges Wimmern beantwortet wurde.

Von den Überlebenden sahen sich viele durch ein wunderähnliches Schicksal gerettet. Einen Offizier, mit Nahmen Tucci, hob der Windwirbel wie eine Feder in die Luft, hielt ihn eine Zeitlang schwebend in der Höhe, und ließ ihn dann gemach in den Strom herabsinken, wo er sich durch Schwimmen rettete. Einen andern ergriff die Gewalt des Schusses auf dem Flandrischen Ufer und setzte ihn auf dem Brabantischen ab, wo er mit einer leichten Quetschung an der Schulter wieder aufstand, und es war ihm, wie er nachher aussagte, auf dieser schnellen Luftreise nicht anders zu Muth, als ob er aus einer Kanone geschossen würde. Der Herzog von Parma selbst war dem Tode nie so nahe gewesen als in diesem Augenblick, denn nur der Unterschied einer halben Minute entschied über sein Leben. Kaum hatte er den Fuß in das Fort S. Maria gesetzt, so hob es ihn auf wie ein Sturmwind, und ein Balken, der ihn am Haupt und an der Schulter traf, riß ihn sinnlos zur Erde. Eine Zeitlang glaubte man ihn auch wirklich todt, weil sich viele erinnerten, ihn wenige Minuten vor dem tödtlichen Schlag noch auf der Brücke gesehen zu haben. Endlich fand man ihn, die Hand an dem Degen, zwischen seinen Begleitern Cajetan und Guasto sich aufrichtend; eine Zeitung, die dem ganzen Heere das Leben wieder gab. Aber umsonst würde man versuchen, seinen Gemüthszustand zu beschreiben, als er nun die Verwüstung übersah, die ein einziger Augenblick in dem Werk so vieler Monate angerichtet hatte. Zerrissen war die Brücke, auf der seine ganze Hoffnung beruhte, aufgerieben ein großer Theil seines Heeres, ein anderer verstümmelt und für viele Tage unbrauchbar gemacht; mehrere seiner beßten Offiziere getödtet; und als ob es zu diesem öffentlichen Unglück noch nicht genug wäre, so mußte er noch die schmerzliche Nachricht hören, daß der Markgraf von Ryßburg, den er unter allen seinen Offizieren vorzüglich werth hielt, nirgends auszufinden sey. Und doch stand das allerschlimmste noch bevor; denn jeden Augenblick mußte man von Antwerpen und Lillo aus die feindlichen Flotten erwarten, welche bey dieser schrecklichen Verfassung des Heers durchaus keinen Widerstand würden gefunden haben. Die Brücke war auseinander gesprengt, und nichts hinderte die Seeländischen Schiffe, mit vollen Segeln hindurch zu ziehen; dabey war die Verwirrung der Truppen in diesen ersten Augenblicken so groß und allgemein, daß es unmöglich gewesen wäre, Befehle auszutheilen und zu befolgen, da viele Corps ihre Befehlshaber, viele Befehlshaber ihre Corps vermissten, und selbst der Posten, wo man gestanden, in dem allgemeinen Ruin kaum mehr zu erkennen war. Dazu kam, daß alle Schanzen am Ufer im Wasser standen, daß mehrere Kanonen versenkt, daß die Lunten feucht, daß die Pulvervorräthe vom Wasser zu Grund gerichtet waren. Welch ein Moment für die Feinde, wenn sie es verstanden hätten, ihn zu benutzen!31

Kaum wird man es dem Geschichtsschreiber glauben, daß dieser über alle Erwartung gelungene Erfolg bloß darum für Antwerpen verloren gieng, weil – man nichts davon wußte. Zwar schickte S. Aldegonde, sobald man den Knall des Vulkans in der Stadt vernommen hatte, mehrere Galeeren gegen die Brücke aus, mit dem Befehl, Feuerkugeln und brennende Pfeile steigen zu lassen, sobald sie glücklich hindurch passiert seyn würden, und dann mit dieser Nachricht geradenwegs nach Lillo weiter zu segeln, um die Seeländische Hilfsflotte unverzüglich in Bewegung zu bringen. Zugleich wurde der Admiral von Antwerpen beordert, auf jenes gegebene Zeichen sogleich mit den Schiffen aufzubrechen, und in der ersten Verwirrung den Feind anzugreifen. Aber obgleich den auf Kundschaft ausgesandten Schiffern eine ansehnliche Belohnung versprochen worden, so wagten sie sich doch nicht in die Nähe des Feindes, sondern kehrten unverrichteter Sache zurück, mit der Botschaft, daß die Schiffbrücke unversehrt und das Feuerschiff ohne Wirkung geblieben sey. Auch noch am folgenden Tage wurden keine bessern Anstalten gemacht, den wahren Zustand der Brücke in Erfahrung zu bringen; und da man die Flotte bey Lillo, des günstigsten Windes ungeachtet, gar keine Bewegung machen sah, so bestärkte man sich in der Vermuthung, daß die Brander nichts ausgerichtet hätten. Niemand fiel es ein, daß eben diese Unthätigkeit der Bundsgenossen, welche die Antwerpener irre führte, auch die Seeländer bey Lillo zurückhalten könnte, wie es sich auch in der That verhielt. Einer so ungeheuren Inconsequenz konnte sich nur eine Regierung schuldig machen, die ohne alles Ansehen und alle Selbstständigkeit Rath bey der Menge hohlt, über welche sie herrschen sollte. Je unthätiger man sich indessen gegen den Feind verhielt, desto heftiger ließ man seine Wuth gegen Gianibelli aus, den der rasende Pöbel in Stücken reissen wollte. Zwey Tage schwebte dieser Künstler in der augenscheinlichsten Lebensgefahr, bis endlich am dritten Morgen ein Bote von Lillo, der unter der Brücke hindurchgeschwommen, von der wirklichen Zerstörung der Brücke, zugleich aber auch von der völligen Wiederherstellung derselben bestimmten Bericht abstattete.32

Diese schleunige Ausbesserung der Brücke war ein wahres Wunderwerk des Herzogs von Parma. Kaum hatte sich dieser von dem Schlage erholt, der alle seine Entwürfe darnieder zu stürzen schien, so wußte er mit einer bewundernswürdigen Gegenwart des Geistes allen schlimmen Folgen desselben zuvor zu kommen. Das Ausbleiben der feindlichen Flotte in diesem entscheidenden Augenblick belebte aufs neue seine Hofnung. Noch schien der schlimme Zustand seiner Brücke den Feinden ein Geheimniß zu seyn, und war es gleich nicht möglich, das Werk vieler Monate in wenigen Stunden wieder herzustellen, so war schon vieles gewonnen, wenn mau auch nur den Schein davon zu erhalten wußte. Alles mußte daher Hand ans Werk legen, die Trümmer wegzuschaffen, die umgestürzten Balken wieder aufzurichten, die zerbrochenen zu ersetzen, die Lücken mit Schiffen auszufüllen. Der Herzog selbst entzog sich der Arbeit nicht, und seinem Beyspiel folgten alle Offiziere. Der gemeine Mann, durch diese Popularität angefeuert, that sein Äußerstes, die ganze Nacht durch wurde die Arbeit fortgesezt, unter dem beständigen Lerm der Trompeten und Trommeln, welche längs der ganzen Brücke vertheilt waren, um das Geräusch der Werkleute zu übertönen. Mit Anbruch des Tages waren von der Verwüstung der Nacht wenige Spuren mehr zu sehen, und obgleich die Brücke nur dem Schein nach wieder hergestellt war, so täuschte doch dieser Anblick die Kundschafter, und der Angriff unterblieb. Mittlerweile gewann der Herzog Frist, die Ausbesserung gründlich zu machen, ja sogar in der Struktur der Brücke einige wesentliche Veränderungen anzubringen. Um sie vor künftigen Unfällen ähnlicher Art zu verwahren, wurde ein Theil der Schiffbrücke beweglich gemacht, so daß derselbe im Nothfall weggenommen und den Brandern der Durchzug geöffnet werden konnte. Den Verlust, welchen er an Mannschaft erlitten, ersetzte der Herzog durch Garnisonen aus den benachbarten Plätzen und durch ein deutsches Regiment, das ihm gerade zu rechter Zeit aus Geldern zugeführt wurde. Er besetzte die Stellen der gebliebenen Offiziere, wobey der spanische Fähndrich, der ihm das Leben gerettet, nicht vergessen wurde.33

Die Antwerper, nachdem sie den glücklichen Erfolg ihres Minenschiffs in Erfahrung gebracht, huldigten nun dem Erfinder desselben eben so leidenschaftlich als sie ihn kurz vorher gemißhandelt hatten, und foderten sein Genie zu neuen Versuchen auf. Gianibelli erhielt nun wirklich eine Anzahl von Playten, wie er sie anfangs, aber vergeblich verlangt hatte, und diese rüstete er auf eine solche Art aus, daß sie mit unwiderstehlicher Gewalt an die Brücke schlugen, und solche auch wirklich zum zweytenmal auseinander sprengten. Dießmal aber war der Wind der Seeländischen Flotte entgegen, daß sie nicht auslaufen konnte, und so erhielt der Herzog zum zweytenmal die nöthige Frist, den Schaden auszubeßern. Der Archimed von Antwerpen ließ sich durch alle diese Fehlschläge keineswegs irre machen. Er rüstete aufs neue zwey große Fahrzeuge aus, welche mit eisernen Haken und ähnlichen Instrumenten bewaffnet waren, um die Brücke mit Gewalt zu durchrennen. Aber wie es nunmehr dazu kam, solche auslaufen zu laßen, fand sich niemand, der sie besteigen wollte. Der Künstler mußte also darauf denken, seinen Maschinen von selbst eine solche Richtung zu geben, daß sie auch ohne Steuermann die Mitte des Wassers hielten und nicht wie die vorigen, von dem Winde dem Ufer zugetrieben würden. Einer von seinen Arbeitern, ein Deutscher, verfiel hier auf eine sonderbare Erfindung, wenn man sie anders dem Strada34 nacherzählen darf. Er brachte ein Segel unter dem Schiffe an, welches eben so von dem Wasser, wie die gewöhnlichen Segel von dem Winde angeschwellt werden und auf diese Art das Schiff mit der ganzen Gewalt des Stroms forttreiben könnte. Der Erfolg lehrte auch, daß er richtig gerechnet hatte, denn dieses Schiff mit verkehrten Segeln folgte nicht nur in strenger Richtung der eigentlichen Mitte des Stroms, sondern rannte auch mit solcher Heftigkeit gegen die Brücke, daß es dem Feinde nicht Zeit ließ, diese zu eröffnen, und sie wirklich auseinander sprengte. Aber alle diese Erfolge halfen der Stadt zu nichts, weil sie auf Gerathewohl unternommen und durch keine hinlängliche Macht unterstützt wurden. Von einem neuen Minen-Schiff, welches Gianibelli nach Art des ersten, das so gut operiert hatte, zubereitete und mit viertausend Pfund Schießpulver anfüllte, wurde gar kein Gebrauch gemacht, weil es den Antwerpern nunmehr einfiel, auf einem andern Weg ihre Rettung zu suchen.35

Abgeschreckt durch so viele mißlungene Versuche, die Schiffahrt auf dem Strom mit Gewalt wieder frey zu machen, dachte man endlich darauf, den Strom ganz und gar zu entbehren. Man erinnerte sich an das Beyspiel der Stadt Leiden, welche zehen Jahre vorher von den Spaniern belagert in einer zur rechten Zeit bewürkten Überschwemmung der Felder ihre Rettung gefunden hatte, und dieses Beispiel beschloß man nachzuahmen. Zwischen Lillo und Stabroek im Land Bergen, streckt sich eine große etwas abhängige Ebene bis nach Antwerpen hin, welche nur durch zahlreiche Dämme und Gegendämme gegen die eindringenden Wasser der Osterschelde geschützt wird. Es kostete weiter nichts, als diese Dämme zu schleifen, so war die ganze Ebene Meer und konnte mit flachen Schiffen bis fast unter die Mauern von Antwerpen befahren werden. Glückte dieser Versuch, so mochte der Herzog von Parma immerhin die Schelde vermittelst seiner Schiffbrücke hüten; man hatte sich einen neuen Strom aus dem Stegreif geschaffen, der im Nothfall die nehmlichen Dienste leistete. Eben dieß war es auch, was der Prinz von Oranien gleich beim Anfange der Belagerung angerathen und S. Aldegonde ernstlich zu befördern gesucht hatte, aber ohne Erfolg, weil einige Bürger nicht zu bewegen gewesen waren, ihr Feld aufzuopfern. Zu diesem letzten Rettungsmittel kam man in der jetzigen Bedrängnis zurück, aber die Umstände hatten sich unterdessen gar sehr geändert.

Jene Ebene nehmlich durchschneidet ein breiter und hoher Damm, der von dem anliegenden Schlosse Cowenstein den Nahmen führt und sich von dem Dorfe Stabroek in Bergen, drey Meilen lang, bis an die Schelde erstreckt, mit deren großem Damm er sich ohnweit Ordam vereinigt. Über diesen Damm hinweg konnten auch bey noch so hoher Fluth keine Schiffe fahren, und vergebens leitete man das Meer in die Felder, solange ein solcher Damm im Wege stand, der die Seeländischen Fahrzeuge hinderte, in die Ebene vor Antwerpen herabzusteigen. Das Schicksal der Stadt beruhte also darauf, daß dieser Cowensteinische Damm geschleift oder durchstochen wurde; aber eben weil der Herzog von Parma dieses voraussah, so hatte er gleich bey Eröffnung der Blokade von demselben Besitz genommen, und keine Anstalten gespart, ihn bis aufs äußerste zu behaupten. Bey dem Dorfe Stabroek stand der Graf von Mansfeld mit dem größeren Theil der Armee gelagert, und unterhielt durch eben diesen Cowensteinischen Damm die Communikation mit der Brücke, dem Hauptquartier und den spanischen Magazinen zu Kalloo. So bildete die Armee von Stabroek in Brabant bis nach Bevern in Flandern eine zusammenhängende Linie, welche von der Schelde zwar durchschnitten, aber nicht unterbrochen wurde, und ohne eine blutige Schlacht nicht zerrissen werden konnte. Auf dem Damm selbst waren in gehöriger Entfernung voneinander fünf verschiedene Batterien errichtet, und die tapfersten Offiziere der Armee führten darüber das Commando. Ja, weil der Herzog von Parma nicht zweifeln konnte, daß nunmehr die ganze Wuth des Kriegs sich hierher ziehen würde, so überließ er dem Grafen von Mansfeld die Bewachung der Brücke, und entschloß sich in eigener Person diesen wichtigen Posten zu vertheidigen. Jetzt also erblickte man einen ganz neuen Krieg und auf einem ganz andern Schauplatz.36

Der Beschluß folgt.

1 Thuan. Hist. Tom. II. 527. Grot. Hist. de rebus Belgicis 84.

2 Strada de Bello Belgico. Dec. II. Lib. VI.

3 Strad. loc. cit. 553.

4 Strad. Dec. II. Lib. VI.

5 Meteren Niederländ. Historien XII. Buch. 467 folg.

6 Meteren. Niederl. Historien XII. Buch 477. 478. Strad. loc. cit. Thuan. Hist. Tom. II. 527.

7 Strad. Dec. II. Lib. VI. 557.

8 Strad. loc. cit. Meteren XII Buch. 479. Thuan. II. 529.

9 Meteren. XII Buch. 479. 480. Strada. loc. cit. 562. 63. Allgem. Geschichte. der vereinigten Niederlande. XXI. Buch. 470.

10 Meteren. am angef. Ort.

11 Allgem. Geschichte der vereinigten Niederlande 470. Meteren 470. Thuan. II. 529.

12 Allgemeine Geschichte der vereinigten Niederlande. III. 469. Grotius 88.

13 Allg. Gesch. d. v. N. III. 472.

14 Grotius 92. Reidan. Belg. Annal. 69.

15 Strad. 560.

16 Strad. 560 sq. Thuan. 530. Meteren XII. Buch.

17 Meteren. 481. Strad. 564.

18 Strad. 565.

19 Meteren 484. Thuan II. 529. Grotius 88.

20 Meteren 485.

21 Thuan. II. 530. 531. Meteren 485. 486.

22 Meteren. 488 u. folg. Allgem. Geschichte der v. Niederlande III. 476 bis 491. Grotius 89.

23 Strad. 564. Meteren 484. Reidan. Annal. 69.

24 Strad. Dec. II. Lib. VI. 566. 567. Meteren 482. Thuan. III. Lib. LXXXIII. 45. Allgem. Geschichte der vereinigten Niederlande. III. Band. 497.

25 Strad. 567-571. Meteren 492. 494. Thuan. III. 44. 45.

26 Strad. 568.

27 Strad. 573. 574. Meteren 495.

28 Meteren 495. Strad. 574.

29 Thuan. III. 46. Strad. 574. 575. Meteren 596.

30 Strad. 576.

31 Strada 577 seq. Meteren 497. Thuan. III. 47. Allgem. Gesch. d. v. N. III. 497.

32 Meteren 496.

33 Strad. 581 seq.

34 Dec. II. Libr. VI. 586.

35 Meteren 497.

36 Strad. 582. Thuan. III. 48.

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