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Schiller »Der Handschuh« – Text, Inhaltsangabe, Interpretation

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Versform – Das besondere des Gedichtes

Wenn Schiller selbst den Handschuh „eine Erzählung“ nennt, so hat ihn hierzu nur der Umstand bewegen können, dass „Der Handschuh“ die einzige unter seinen Balladen ist, die er nicht in wiederkehrender Strophenform abgefasst hat. Er fasste sie in fortlaufenden Versen, wie man sie damals bei der poetischen Erzählung anwendete. Hierbei hat er sich mannigfache Freiheiten genommen und die dichterische Ausmalung der Verse und Reime vorgenommen. Hierin  besteht auch das Hauptverdienst der Ballade. Nicht nur Goethe lobte das Gedicht, auch Körner war ganz angetan, der besonders im Versbau eine eigene Kunst angewendet sah. Was Schiller an dem Stoff besonders anzog, war die Schilderung des Löwenkampfes, woraus er einen Kampf zwischen einem Tiger und zwei Leoparden gemachte, den der Löwe beschwichtigt. Um diesen malerisch zu schildern, wählte er auch ein ganz freies Versmaß.

Der Versbau im Detail

Schiller beginnt mit einer Strophe, deren Reimform der im Ring des Polykrates gleich ist. Die jambischen Verse haben einen Fuß (Vers 3 zwei) weniger als dort, und der Anapäst vertritt mehrfach den Jambus.

Die zweite Strophe besteht aus fünf Reimpaaren: Die drei ersten Verse sind den drei letzten der ersten Strophe gleich, dann folgen zwei von zwei, einer von einem Fuß. Die zwei letzteren Reimpaare sind 3 ½ Fuß lang. Ein Anapäst tritt hier außer in Vers 1 – 3 nur in Vers 8 sehr bezeichnend ein.

In der dritten Strophe reimt meist Vers auf Vers. Nur erhält der erste, sich auch auf den Schluss der vorigen Strophe reimende Vers seinen Reim erst am Schluss der Strophe. An ihn schließt sich ein System von vier wechselnden Versen. Aber zwischen den dritten und vierten Vers tritt einer, auf denen sich der Reim erst nach zwei anderen Reimpaaren findet, so dass die stärkste Verschlimmerung der Reime neben der einfachsten Folge steht. Die Länge der Verse ist sehr verschieden. Neben einfache Anapäste (daraus rennt, brüllt er laut) und dem um eine Silbe längeren Verse (grimmig schnurren) finden sich Verse von zwei (schlägt mit dem Schweif, einen furchtbaren Reif), 3 ½ (mit wildem Sprungbrett, und recket die Zunge; darauf streckt er sich murrend) und 3 Füßen (da öffnet sich behend, da der den Löwen erschaut).

Die vierte Strophe beginnt wieder mit einem auf den Schluss der vorigen Strophe reimenden Vers, der aber in der Strophe selbst keinen Reim findet. Darauf folgen vier Reimpaare, doch so, dass nach dem zweiten ein Vers folgt, auf den ein anderer nach dem vierten reimt. Ähnlich wie in der dritten Strophe Vers 11 auf Vers 5 reimt. Die kleinsten Verse sind hier 2-füßig, daneben je einer von 2 ½ , 3, 3 ½, drei von 4, einer von 4 ½ Fuß. Da hier die Schilderung des Kampfes vorüber ist, tritt zunächst eine kleine Strophe (fünfte) von zwei Reimpaaren ein. Die drei ersten sind 4-, der letzte 2-füßig.

Die sechste Strophe besteht aus fünf Versen, von denen die vier ersten abwechselnd Reimen, der fünfte im ersten Vers der folgenden Strophe seinen Reim findet. Die drei ersten sind 4-, die letzteren 3-füßig.

Die siebente Strophe, in der der Ritter in den Zwinger steigt, zeigt wieder eine größere Bewegung. Der erste Vers reimt auf den gleich langen Schlussvers der vorigen Strophe. Daran schließt sich ein vielfältiges System, dessen äußerer und innerer Verse aufeinander reimen. Der erste Vers hat 2 ½ Fuß, der zweite einen weniger, der dritte und vierte einen mehr. Anapäste sind hier nur invers 1, 4 und 5, und zwar sehr glücklich, verwandt.

Die letzte ruhigere, etwas neckische Strophe zeigt künstlerische Verschlingung der Reime. Auf ein Reimpaar folgt ein 8-flüssiges System, in welchem sich folgende Reimform findet a b a a b c c b (nur b endet weiblich). Bloß einer dieser Verse hat 3, einer 3 ½ Fuß, die meisten 4 oder 4 ½.

Die Reimworte sind fast in allen Fällen höchst bezeichnend und mit Ausnahme von zurück Blick, Gebrüll still, Leu’n hinein, stumm um, behend rennt, ganz rein.

Dieser Beitrag besteht aus 4 Seiten:

Kommentare

  1. Ich bemerke dass sehr viele, Inhaltsangaben und andere Sachen die in der Schule verlangt sind, verlangen. Ich finde es einbisschen komisch dass deutsche Schüler nicht eine Inhaltsangabe einer Ballade, schreiben können, obwohl sie die Wörter mühelos verstehen. Ich lerne in einer deutschen Schule in Rumänien und als Hausaufgabe für morgen muss ich auch die Inhaltsangabe der Ballade schreiben, und ich hab die Ballade gelesen und dann die Inhaltsangabe geschrieben, ohne von den anderen Hilfe zu verlangen, ohne den anderen zu sagen, dass wenn ich nicht Hilfe bekomme, werde ich eine fünf bekommen…

    ( Entschuldigung für die Ausdrücksfehler. Ich glaube dass ihr was ich meine kapiert.)

    1. Pascal. Wir machen keine Hausaufgaben für Schüler hier, wenn du aber schon im Internet unterwegs bist, dann schaue einfach einmal, was denn Spannungswörter sind, und dann findest du die auch ganz leicht in diesem Text.

  2. Kann jemand von euch mir. Helfenund eine inhaltsangabe von der Hand Schuh
    Bitte sonst bekommen ich eine fünf in deutsch und das will ich nicht

    1. Vielleicht wäre es angebracht, mal zu lesen, denn auf dieser Seite ist ja eine Inhaltsangabe vorhanden. Und selbst bis in den Kommentaren ist so einiges Wertvolles enthalten!

  3. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand helfen könnte, ein Plädoyer für Kunigunde zu erstellen. Fällt mir, bzw. meiner Tochter ziemlich schwer. Lieben Dank für die Hilfe! Cornelia

    1. Das sollte nicht schwer fallen, wenn man von ihrer Kultur ausgeht. Dazu müssen wir unsere moralischen Maßstäbe, unsere bürgerlichen Maßstäbe beiseite schieben (wenn man sie noch hat). Als Fräulein, als Fürstentochter, kommt sie aus einem Umfeld, in dem kaum anderes vorgelebt wird. Man spottet miteinander, man spottet übereinander, man spottet voreinander. Das gehört zum Gerangel um seinen Rang dazu, auch, dass man nach unten tritt und nach oben Speichel leckt. Wer aus dem Hofstaat, denkt wohl daran, Delorges würde sein Ehre, seine Würde, so viel höher stellen als die Beziehung zu Kunigunde? Hätte auch nur einer daran geglaubt? Sind sie nicht alle da, um ihre Sinneslust zu befriedigen? Wollten sie sich nicht an einem Tierkampf erlaben? Wie enttäuscht mussten sie alle wohl gewesen sein, als der Löwe das blutrünstige Spiel unterband? Hätte auch nur einer ein Stückchen Ehre im Leib, so wie wir das verstehen, hätte er nicht Einhalt geboten? Und Kunigunde, vielleicht hatte sie mit ihrer spöttischen Bitte eher eine spitzzüngige Erwiderung, ein Wortgefecht, erwartet, als dass er tatsächlich in die Arena steigt? Warum empfängt sie ihn nicht mit großer Scham, sondern mit verlockendem Liebesblick, als er aus der Arena heimkehrt? Delorges straft alle Lügen, als er den Liebeslohn zurückweist. Wer hätte das gedacht? Auf diese Weise, denke ich, nähert man sich, wenn man für Kunigunde sprechen will.

    1. Fragen stellen ist niemals doof! Aber man muss auch nicht gleich alles in Frage stellen! Die Überschrift dieses Beitrages ist jedenfalls nicht gelogen 😉

  4. Guten Abend
    Wer schrieb diese Interpretation zu „Der Handschuh“ und müssen Schulen dieser Interpretation folgen? Unsere Bezirkschule im Aargau sieht die Handlung als Mutprobe und das Kunigunde den Ritter lächerlich machen wollte. Muss eine solche Deutung akzeptiert werden? Dies würde auch eine schlechte Note für unsere Kinder bedeuten.
    Für eine schnelle Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar. Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

    Mit freundlichen Grüssen
    Ines haziraj

    1. Schule soll Schüler doch im Deutschunterricht bei der Auseinandersetzung mit der eigenen bzw. fremden Sprachkultur begleiten. Sie soll Schüler an alte und neue Texte heranführen, dass sie ein Bewusstsein dafür entwickeln. Wenn man aber die Diskussionsspielräume – wie bei diesem Beispiel – scheinbar auf die Schlagwörter „Mutprobe“ und „lächerlich machen wollen“ überaus oberflächlich verengt und nichts anderes – und erst recht nichts Komplexeres – als Antwort zulässt, dafür aber mit schlechten Noten droht, dann hat Schule hier wohl eine überaus altertümliche Bedeutung als Zuchtanstalt. Da fehlen dann nur noch die Stockhiebe auf die Finger. Was „zieht“ man da heran? Auswendiglerner und Nachbeter. Muss man die Deutung dieser Lehrer dann akzepieren? Ja, weil hier der Lehrer, kein Lehrer ist, sondern Gott. Und Gott sollte man tunlichst keinen Widerspruch leisten! Oder?

      Was die inhaltliche Frage angeht: Ich verweise auf die vertiefende Diskussion.

      1. Hallo Karl A.
        Vielen Dank für deinen Kommentar. Trotz deines spürbaren Aergers enthielt er gute Gedanken und sprach mir in vielen Punkten aus der Seele.
        Eigentlich war die Testsituation noch schlimmer als von mir beschrieben. Test Hörverstehen, d.h. die 14 Jährigen erhalten ein DINA 4 Blatt mit Fragen und können diese kurz lesen. Anschliessend hören sie 2x „Der Handschuh“ und müssen dann aus dem Gedächtnis die Ballade verstehen, interpretieren und die Fragen beantworten. Ein Unding, wenn man die Ballade vorher noch nie gehört hat. Entsprechend schlecht war der Klassendurchschnitt. Der Test zeigte, dass nicht einmal der Lehrer die einfachsten Teile der Ballade richtig kannte, so lies er die Antwort, es war ein Löwe und ein Tiger nicht als richtig gelten, sondern sprach von den Tigern und den Löwen. Für ihn war also nur der Plural richtig…Da fehlen mir einfach die Worte.
        Dennoch, diese Seiten inspirierten mich, mal wieder unsere alten Dichter zu lesen und wieder neu zu entdecken- meinen Schulzeit ist 35 Jahre her. Ich werde diesen Seiten sicher einige Zeit „treu“ bleiben.
        Vielen Dank für deine Wort.
        Ines

        1. Vielleicht reagierst du ein wenig empfindlich. Der Handschuh ist ja nun die Ausnahme unter den Balladen Schillers, sowohl im freien Rhythmus als auch in der Länge. Ich denke, von 14-Jährigen muss man heute verlangen können – und man verlangte das auch früher –, dass sie sich eine gewisse Anzahl von Eckpunkten einer Handlung merken und mit eigenen Worten wiedergeben. In diesem Punkt kann man einen Lehrer nun wirklich nicht „verteufeln“, nein, im Gegenteil. Ein durchschnittlicher Schüler, der behauptet, er könne sich nach mehrmaligem, konzentrierem Hören nicht an – ja nicht einmal – zwei Hände voll Fakten einer Abhandlung erinnern (und der Text hat nur rund 300 Wörter!), der also dies als „unmenschlich“ erachtet, erklärt sich selbst für Balla-balla. Entschuldigung! Wenn man etwas diskutieren muss, dann ist es die Kultur des Zuhörens, die durch unsere Massenmediennutzung arg hin zur Passivität beeinflusst wird. Du als Mutter weißt doch, was du meinst, wenn du sagst „Hör‘ mir doch mal zu“: Du beanspruchst ein Quantum ungeteilte Aufmerksamkeit für dich, Konzentration, und du wünschst, dass du verstanden wirst. Schillers Ballade ist eine dankbare Aufgabe für eine solche Einübung in der Schule: Sie bietet eine Geschichte, der Sprachrhythmus erhöht die Merkfähigkeit und sie bietet Charaktere, die anziehen oder abstoßen. Mache die gleiche Übung mit einem Text aus dem Bioogiebuch und du wirst verstehen, was ich meine.

Sag was oder frag was!