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68. An Goethe, 18. Mai 1795

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Jena den 18. Mai 1795.

Nur zwei Worte, um Ihnen den Empfang der Elegien zu melden, und für den zweiten Theil Meisters meinen und meiner Frau herzlichen Dank zu sagen. Was ich in der Geschwindigkeit (denn ich wollte ihn gleich binden lassen) von Serlos Geschichte las, ist äußerst unterhaltend, und ich freue mich nun schon auf den Eindruck, den dieser Theil im Zusammenhang auf mich machen wird.

Zu den Elegien wollten Sie Anmerkungen geben, welches gewiß nicht überflüssig wäre. Da solche am Ende derselben, wie man es jetzt gewöhnlich zu halten pflegt, folgen könnten, so wäre dazu noch bis Montag Zeit. Das Publicum läßt sich gern alles erklären.

Daß Sie wieder besser sind, hat mir Herr v. Humboldt zu meiner herzlichen Freude versichert. Ich habe ihm auf Ihre Erlaubniß die Terpsichore gegeben, die mir Herder unterdessen geschickt hat. So weit ich darin las, ist es eine sehr glückliche Arbeit, und ein solcher Dichter war es in jedem Betrachte werth, in einer so schönen Form aus der Vergessenheit aufzustehen.

Wenn wir zu den Überschriften der einzelnen Elegien recht viel Raum übrig lassen, so können wir jede auf einer eigenen Seite anfangen, ohne daß sie zu hoch oben aufhört. Ich werde denselben Druck wie bei den Episteln dazu nehmen lassen. Und so wandre denn der Centaur in einer guten Stunde in die Welt!

Mich erfreut sehr, Sie in einigen Wochen zu sehen. Wenn ich darauf rechnen kann, daß Sie am letzten des Monats gewiß hier sind, so hoffe ich Ihnen meine Briefe noch vorher lesen zu können, ehe sie abgehen, welches mir sehr lieb sein sollte.

Daß Sie für das siebente Stück so freundlich sorgen, dafür sei Ihnen tausend Dank gesagt. Unterdessen haben sich wieder drei Mitarbeiter gemeldet, deren Arbeiten ich alle nicht brauchen kann.

Leben Sie recht wohl.

Sch.