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Die Piccolomini – 4. Aufzug, 1. Auftritt

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Szene: Ein großer, festlicher erleuchteter Saal, in der Mitte desselben und nach der Tiefe des Theaters eine reich ausgeschmückte Tafel, an welcher acht Generale, worunter Octavio Piccolomini, Terzky und Maradas, sitzen. Rechts und links davon, mehr nach hinten zu, noch zwei andere Tafeln, welche jede mit sechs Gästen besetzt sind. Vorwärts steht der Kredenztisch, die ganze vordere Bühne bleibt für aufwartende Pagen und Bedienstete frei. Alles ist in Bewegung, Spielleute von Terzkys Regiment ziehen über den Schauplatz um die Tafel herum. Noch ehe sie sich ganz entfernt haben, erscheint Max Piccolomini; ihm kommt Terzky mit einer Schrift, Isolani mit einem Pokal entgegen.

Terzky. Isolani. Max Piccolomini.

Isolani.
Herr Bruder, was wir lieben! Nun, wo steckt Er?
Geschwind an Seinen Platz! Der Terzky hat
Der Mutter Ehrenweine preisgegeben,
Es geht hier zu, wie auf dem Heidelberger Schloß.
Das Beste hat Er schon versäumt. Sie teilen
Dort an der Tafel Fürstenhüte aus,
Des Eggenberg, Slawata, Lichtenstein,
Des Sternbergs Güter werden ausgeboten
Samt allen großen böhm’schen Lehen; wenn
Er hurtig macht, fällt auch für Ihn was ab.
Marsch! Setz‘ Er sich!

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Colalto und Götz (rufen an der zweiten Tafel).
Graf Piccolomini!

Terzky.
Ihr sollt ihn haben! Gleich! – Lies diese Eidesformel,
Ob dir’s gefällt, so wie wir’s aufgesetzt.
Es haben’s alle nach der Reih‘ gelesen,
Und jeder wird den Namen drunter setzen.

Max (liest).
„Ingratis servire nefas.“

Isolani.
Das klingt wie ein latein’scher Spruch – Herr Bruder,
Wie heißt’s auf deutsch?

Terzky.
Dem Undankbaren dient kein rechter Mann!

Max.
„Nachdem unser hochgebietender Feldherr, der
Durchlauchtige Fürst von Friedland, wegen vielfältig
empfangener Kränkungen, des Kaisers Dienst zu verlassen
gemeint gewesen, auf unser einstimmiges Bitten aber
sich bewegen lassen, noch länger bei der Armee zu verbleiben,
und ohne unser Genehmhalten sich nicht von uns
zu trennen; als verpflichten wir uns wieder insgesamt,
und jeder für sich insbesondere, anstatt eines körperlichen
Eides – auch bei ihm ehrlich und getreu zu halten, uns
auf keinerlei Weise von ihm zu trennen, und für denselben
alles das Unsrige, bis auf den letzten Blutstropfen,
aufzusetzen, so weit nämlich unser dem Kaiser geleisteter
Eid es erlauben wird.

(Die letzten Worte werden von Isolani nachgesprochen.)

Wie wir denn auch, wenn einer
oder der andre von uns, diesem Verbündnis zuwider, sich
von der gemeinen Sache absondern sollte, denselben als
einen bundesflüchtigen Verräter erklären, und an seinem
Hab und Gut, Leib und Leben Rache dafür zu nehmen
verbunden sein wollen. Solches bezeugen wir mit Unterschrift
unsers Namens.“

Terzky.
Bist du gewillt, dies Blatt zu unterschreiben?

Isolani.
Was sollt‘ er nicht! Jedweder Offizier
Von Ehre kann das – muß das – Dint‘ und Feder!

Terzky.
Laß gut sein, bis nach Tafel.

Isolani (Max fortziehend).
Komm‘ Er, komm‘ Er!

(Beide gehen an die Tafel.)