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Wallensteins Tod – 5. Aufzug, 3. Auftritt

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Gräfin.
Du wirst ihn wiedersehn.

Wallenstein (ist wieder in eine tiefe Zerstreuung gefallen, er ermuntert sich und wendet sich schnell zur Gräfin).
Ihn wiedersehn? – O niemals wieder!

Gräfin.
Wie?

Wallenstein.
Er ist dahin – ist Staub!

Gräfin.
Wen meinst du denn?

Wallenstein.
Er ist der Glückliche. Er hat vollendet.
Für ihn ist keine Zukunft mehr, ihm spinnt
Das Schicksal keine Tücke mehr – sein Leben
Liegt faltenlos und leuchtend ausgebreitet,
Kein dunkler Flecken blieb darin zurück,
Und unglückbringend pocht ihm keine Stunde.
Weg ist er über Wunsch und Furcht, gehört
Nicht mehr den trüglich wankenden Planeten –
O ihm ist wohl! Wer aber weiß, was uns
Die nächste Stunde schwarz verschleiert bringt!

Gräfin.
Du sprichst von Piccolomini. Wie starb er?
Der Bote ging just von dir, als ich kam.

(Wallenstein bedeutet sie mit der Hand, zu schweigen.)

O wende deine Blicke nicht zurück!
Vorwärts in hellre Tage laß uns schauen.
Freu dich des Siegs, vergiß, was er dir kostet.
Nicht heute erst ward dir der Freund geraubt;
Als er sich von dir schied, da starb er dir.

Wallenstein.
Verschmerzen werd ich diesen Schlag, das weiß ich,
Denn was verschmerzte nicht der Mensch! Vom Höchsten
Wie vom Gemeinsten lernt er sich entwöhnen,
Denn ihn besiegen die gewalt’gen Stunden.
Doch fühl ich’s wohl, was ich in ihm verlor.
Die Blume ist hinweg aus meinem Leben,
Und kalt und farblos seh ich’s vor mir liegen.
Denn er stand neben mir wie meine Jugend,
Er machte mir das Wirkliche zum Traum,
Um die gemeine Deutlichkeit der Dinge
Den goldnen Duft der Morgenröte webend –
Im Feuer seines liebenden Gefühls
Erhoben sich, mir selber zum Erstaunen,
Des Lebens flach alltägliche Gestalten.
– Was ich mir ferner auch erstreben mag,
Das Schöne ist doch weg, das kommt nicht wieder,
Denn über alles Glück geht doch der Freund,
Der’s fühlend erst erschafft, der’s teilend mehrt.

Gräfin.
Verzag nicht an der eignen Kraft. Dein Herz
Ist reich genug, sich selber zu beleben.
Du liebst und preisest Tugenden an ihm,
Die du in ihm gepflanzt, in ihm entfaltet.

Wallenstein (an die Türe gehend).
Wer stört uns noch in später Nacht? – Es ist
Der Kommendant. Er bringt die Festungsschlüssel.
Verlaß uns, Schwester, Mitternacht ist da.

Gräfin.
O mir wird heut so schwer, von dir zu gehn,
Und bange Furcht bewegt mich.

Wallenstein.
Furcht! Wovor?

Gräfin.
Du möchtest schnell wegreisen diese Nacht,
Und beim Erwachen fänden wir dich nimmer.

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