HomeText: WallensteinWallensteins Tod3. AufzugWallensteins Tod – 3. Aufzug, 4. Auftritt

Wallensteins Tod – 3. Aufzug, 4. Auftritt

Bewertung:
(Stimmen: 1 Durchschnitt: 5)

Wallenstein. Illo. Vorige.

Wallenstein.
Es ist noch still im Lager?

Illo.
Alles still.

Wallenstein.
In wenig Stunden kann die Nachricht da sein
Aus Prag, daß diese Hauptstadt unser ist.
Dann können wir die Maske von uns werfen,
Den hiesigen Truppen den getanen Schritt
Zugleich mit dem Erfolg zu wissen tun.
In solchen Fällen tut das Beispiel alles.
Der Mensch ist ein nachahmendes Geschöpf,
Und wer der Vorderste ist, führt die Herde.
Die Prager Truppen wissen es nicht anders,
Als daß die Pilsner Völker uns gehuldigt,
Und hier in Pilsen sollen sie uns schwören,
Weil man zu Prag das Beispiel hat gegeben.
– Der Buttler, sagst du, hat sich nun erklärt?

Illo.
Aus freiem Trieb, unaufgefordert kam er,
Sich selbst, sein Regiment dir anzubieten.

Empfehlungen Lektüreschlüssel und Biografien

Wallenstein.
Nicht jeder Stimme, find ich, ist zu glauben,
Die warnend sich im Herzen läßt vernehmen.
Uns zu berücken, borgt der Lügengeist
Nachahmend oft die Stimme von der Wahrheit
Und streut betrügliche Orakel aus.
So hab ich diesem würdig braven Mann,
Dem Buttler, stilles Unrecht abzubitten;
Denn ein Gefühl, des ich nicht Meister bin,
Furcht möcht‘ ich’s nicht gern nennen, überschleicht
In seiner Nähe schaudernd mir die Sinne
Und hemmt der Liebe freudige Bewegung.
Und dieser Redliche, vor dem der Geist
Mich warnt, reicht mir das erste Pfand des Glücks.

Illo.
Und sein geachtet Beispiel, zweifle nicht,
Wird dir die Besten in dem Heer gewinnen.

Wallenstein.
Jetzt geh und schick mir gleich den Isolan
Hieher, ich hab ihn mir noch jüngst verpflichtet.

Mit ihm will ich den Anfang machen. Geh!

(Illo geht hinaus, unterdessen sind die übrigen wieder vorwärts gekommen.)

Wallenstein.
Sieh da, die Mutter mit der lieben Tochter!
Wir wollen einmal von Geschäften ruhn –
Kommt! Mich verlangte, eine heitre Stunde
Im lieben Kreis der Meinen zu verleben.

Gräfin.
Wir waren lang nicht so beisammen, Bruder.

Wallenstein (beiseite, zur Gräfin).
Kann sie’s vernehmen? Ist sie vorbereitet?

Gräfin.
Noch nicht.

Wallenstein.
Komm her, mein Mädchen. Setz dich zu mir.
Es ist ein guter Geist auf deinen Lippen,
Die Mutter hat mir deine Fertigkeit
Gepriesen, es soll eine zarte Stimme
Des Wohllauts in dir wohnen, die die Seele
Bezaubert. Eine solche Stimme brauch
Ich jetzt, den bösen Dämon zu vertreiben,
Der um mein Haupt die schwarzen Flügel schlägt.

Herzogin.
Wo hast du deine Zither, Thekla? Komm.
Laß deinem Vater eine Probe hören
Von deiner Kunst.

Dieser Beitrag besteht aus 4 Seiten: