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Schiller Ode »An die Freude« – Interpretation, Inhaltsangabe, Text, Videos

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Entstehung der Ode »An die Freude«

Dieser begeisterte Hymnus ist ohne Zweifel ein Ausfluss des Glücksgefühls, dass der Dichter dem mit Körner geschlossenen Geistes- und Freundesbund verdankte. Schiller siedelte am 17. April 1785 auf Einladung von Körner nach Leipzig über. Davor war Schiller ein finanziell angeschlagener Flüchtling. In Leipzig fand er Anregung und Belebung im Umgang mit vielen gebildeten und geistreichen Männern wie Oeser, Weiße, Hiller (dem Musikdirektor und Komponisten), Huber, Jünger (dem Theaterdichter), dem Schauspieler Reineke und anderen. Aber was Schiller wohl den stärksten Schwung gab, war die innige Freundschaft mit Körner.

Schiller verlebte einige Monate des Sommers 1785 in Gohlis, damals ein Dorf und heute Stadtteil von Leipzig. In einigen der von dort an Körner geschriebenen Briefe atmet dieselbe Stimmung, die Schiller in seinem enthusiastischen Gesang „An die Freude“ eingegeben hatte. Die Konzeption der Ode ist gerade dieser Zeit zuweisen, wenn auch ihre völlige Ausführung dem Herbst angehört. „Eine dunkle Ahnung“, heißt es in diesem Brief vom 3. Juli, „ließ mich so viel, so viel von Euch erwarten, als ich meine Reise nach Leipzig beschloß; aber die Vorsehung hat mir mehr erfüllt, als sie mir zusagte, hat mir in Euren Armen eine Glückseligkeit bereitet, von der ich mir damals auch nicht einmal ein Bild machen konnte.“ Übrigens sagt auch Körner selbst in seinen „Nachrichten über Schillers Leben“, dass das Lied „An die Freude“ in Gohlis entstanden sei.

Am 13. September 1785 siedelt Schiller nach Dresden-Loschwitz über und wohnte dort im Weinberghaus Körners. Im November vollendete er die Ode „An die Freude“ und am 29. November desselben Jahres sendet er sie zum Druck für die Thalia an Göschen nach Leipzig. Da sich Schiller aber unzufrieden mit seinem Lied zeigte, arbeitete er es noch mehrere Male um. Sogar aus seinem Werke-Kanon hatte er das Werk für einige Zeit ausgeschlossen.

Die letzte Bearbeitung Schillers wurde erst nach seinem Tod 1808 veröffentlicht. Hierin hatte der die erste Strophe in der Wortwahl verändert und die  letzte Strophe (9.) ganz gestrichen.

Eine volkstümliche Erzählung über die Entstehung der Ode »An die Freude«

Ganz unverbürgt ist die folgende Erzählung von der Entstehung des Gedichtes. Sie zeigt aber, wie mächtig der Eindruck desselben gewesen sein muss, da der sagenbildende Trieb im Volk sich in der Regel am Großen und Wirkungsreichen betätigt:

Auf einem Morgenspaziergang durch das Rosenthal an der Pleiße, so wird erzählt, sah Schiller einen halb entkleideten Jüngling in bildender Stellung am Flussufer stehen, der eben im Begriff stand, sich zu ertränken. Schiller redete ihn an und vernahm, dass es ein armer Studierender der Theologie war, der lange mit dem schrecklichsten Mangel gekämpft hatte und zuletzt in Verzweiflung geraten war. Der Dichter schenkte ihm seinen geringen Geldvorrat und ließ sich von ihm das Versprechen geben, wenigstens acht Tage lang die Ausführung des frevelhaften Entschlusses auszusetzen. Innerhalb dieser Zeit wohnte Schiller einer Hochzeitsfeier in einer wohlhabenden Leipziger Familie bei. Bei der Festfreude stand er auf, erbat sich für einen Augenblick Gehör, erzählte, was ihm auf dem Spaziergang zugestoßen sei, forderte mit herzlichen Worten die Anwesenden zu Beiträgen für den Unglücklichen auf und sammelte diese selbst im Kreis umhergehend in einen Teller. Sie fielen so reichlich aus, dass der arme Studierende damit sein Leben bis zu einer Anstellung fristen konnte. Im frischen Bewusstsein dieser Tat nun, heißt es, sang Schiller seinen Hymnus „An die Freude“.

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Kommentare

  1. Ja – wer auch nur eine Seele
    Sein nennt auf dem Erdenrund!
    Und wers nie gekonnt, der stehle
    Weinend sich aus diesem Bund!

    Dieser Vers hat mich damals als Schüler vor 50 Jahren sehr gestört und tut es noch heute.
    Jean Paul dagegen im HESPERUS (sinngemäß): „Auch du arme einsame Seele, der du niemand hast, der dich tröstet, komm an meine Brust…“
    Deshalb mag ich bis heute nicht die Ode an die Freude in der Vertonung von Beethoven, zumal wenn sie stampfend quasi rausgebrüllt wird..

    Kann das jemand nachempfinden oder mich zu Gunsten Schillers und Beethoven aufklären?

  2. Hier eine Zeitzeugin, die Schauspielerin und Schriftstellerin Sophie Albrecht: Sie war dabei, als Schiller in Leipzig Gohlis zum allerersten Mal seine Ode vor Publikum höchstpersönlich zu Gehör brachte!

    „Abends, wenn sich die Freunde versammelten, wurde ein Tisch unter die große Linde vor dem Haus gestellt und einige Studenten, die ihre „Buden“ auch nach Gohlis verlegt hatten, machten im Freien Musik. An einem solchen Abend tönte zum erstenmal gegen den Sternenhimmel der gewaltige Ruf des Dichters: „Freude, schöner Götterfunken!“
    Sophie Albrecht schrieb über Schillers Deklamation “ in welche wir bald mit einer Art Sprechgesang einfielen. Tränen glänzten in unseren Augen, als wir gerührt, nachdem Schiller das Lied fertig vorgelesen, einender in die Arme fielen.“

    (Der große Garten mit der Linde und einer Holunderlaube, in der Schiller tagsüber arbeitete, gehörte übrigens dem Ortsrichter Moebius.
    Sophie Albrecht war iherzeit Deutschlands berühmteste Schiller-Darstellerin.)

  3. Dieses Gedicht schrieb Schiller im Auftrag von Körner für eine Tempelarbeit (oder wahrscheinlich sogar Johannisfest) für die Freimaurerloge
    „Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute“ in Dresden, welche heute wieder existiert.
    Die Voraussetzung Freimaurer zu werden ist es „ein freier Mann von gutem Ruf“ zu sein.
    Deshalb konnte Körner die Zeile „Bettler werden Fürstenbrüder“ in dieser Art für den beabsichtigten Zweck nicht akzeptieren. (nichts gegen Bettler, aber sie hatten keinen guten Ruf)
    Deshalb die Änderung in „alle Menschen werden Brüder“.
    Ob Schiller selbst Freimaurer wurde (diffuse Hinweise gehen Richtung Rudolstadt) kann heute leider nicht mehr belegt werden.
    Ich vermute eher, dass er sich, umgeben von vielen Freimaurern, vielleicht auch wegen einzelner Exzesse (Anthroposophen, Illuminaten) mit seiner „Freimaurerarbeit“ nicht sehr wohl gefühlt hat und sie deshalb oftmals geändert oder verdrängt hat.

    1. Körner war Mitglied einer Leipziger Loge; in Dresden wurde er erst 1813 Mitglied der Loge »Zu den drei Schwertern«, als unser großartiger König von Napoleons Gnaden noch unter preußischen Fittichen war und die Brüder ihn in Dresden zum Meister vom Stuhl haben wollten. Für eine freimaurerische Tafelloge kann es auf keinen Fall geschrieben sein (1785!), da sowohl Schiller als auch Körner in dieser Zeit Abstand zu den Logen gehalten haben (Strikte Observanz/Tempelherrenlogen); Schiller war nie Freimaurer und wollte auch nicht. Die »Ode« ist übrigens keine Ode, sondern als Gesellschaftslied, auch Trinklied, geschrieben, als er endlich in Dresden bei Körners war.
      Hört bitte auf mit diesem Unsinn. Man sollte sich zunächst informieren über die Fakten … Dr. Otto Werner Förster, Literaturhistoriker und Freimaurer

    2. … Die Legende mit dem »Logenauftrag« geht von einem Heimatforscher zum anderen. Man sollte nur mal in die Logenmatrikel sehen: Körner war erst seit 1813 Mitglied der Dresdner Loge – und Schiller hat das Gedicht (keine Ode) 1785 geschrieben und ist schon 1805 gestorben …

    1. Liebes Schwesterchen. Damals hat man einen beträchtlichen Teil der Menschheit nicht richtig ernst genommen. Oder anderes herum, die andere Hälfte hat sich einfach zu wichtig gemacht. Diese aufgeblasenen Frechlinge!

    2. Die gehören zu den „Brüdern“ und „Königen“, liebe „Menschin“!
      Wie schön, daß eine „gebildete“ (Schiller!!) Sprache sich dazuhin noch Sammelbegriffe gestatten kann, wie: Menschen, Dichter, Denker, die man keineswegs „sexistisch“ zerpflücken und sortieren muß! Und wie tröstlich für emanzipatorisches Denken, daß sogar für maskuline Wesen und Gegenstände der Plural-Artikel dann doch immer noch d i e lautet!!

  4. Wer schickt das mal an Donald Trump? Könnte sein, dass er sogar bereit und in der Lage wäre, die Weihen Zeilen zu lesen. Aber bitte nicht in der englischen Fassung, die klingt so fürchterlich. Auch Horst Seehofer wäre ein durstiger Adressat.

    1. Götter sind für den Menschen unerreichbar. Mit diesem Vers der 6. Strophe beginnt Schiller, die Wirkungen der Freude zu beschreiben. Er beschreibt, dass man in der Freude den Göttern gleich wird und dass die Sorgen des Lebens in der Freude von den Menschen abfallen.

      1. das auch die Bösen ihrer Rosenspur folgen ist für mich fast die gleiche Metapher wie die Wollust für den Wurm.
        Darwinisten würden sagen: Freude als Ursache der Evolution.

        Und wenn der Cherub VOR Gott steht,
        dann wohl kaum wie gewohnt als Schutz mit dem Rücken zu ihm,
        auch nicht als sein Vorgesetzter
        und auch nicht als sein Angeklagter…
        Die Situation ähnelt mehr dem „Männerstolz VOR Königsthronen“
        zwar nicht bedrohlich für Gott, aber doch (schon fast Blasphemie) auf Augenhöhe –
        weil Freude das Beste ist was selbst ein Gott zu bieten hat und dabei werden Chef und Bodyguard zu vertrauten Freunden

    1. Die Zeit, in der Schiller „An die Freude“ schrieb, ist für Schiller eine Zeit des Übergangs. Er schrieb an seinem Don Carlos, der sich inhaltlich und – besonders – in der Form schon deutlich von den Sturm und Drang Dramen unterschied. Ebenso bearbeitete er seine „Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen“, einer philosophischen Schrift, mit der Schiller quasi auch in Richtung Klassik umschwenkte. So richtig begann seine klassische Schaffensperiode aber erst mit der Zusammenarbeit mit Goethe, und das war 1787.
      Eine Ode ist ja auch immer mit einem Gefühl von Überschwang verbunden und dazu gehört auch die Sprache dieser Ode. Doch deswegen das Gedicht gleich dem Sturm und Drang zuzuordnen, das wäre sicher verkehrt. Inhaltlich befasst sich das Gedicht mit dem (klassischen) Ideal eine Gesellschaft freier Menschen, in der die Freude das Bindeglied ist. So ist die Ode schon eher Schillers klassischer Schaffensperiode zuzuordnen.

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