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Friedrich Schiller »Der Graf von Habsburg« – Text, Inhaltsangabe, Interpretation

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Idee, Inhaltsangabe und Aufbau

Schillers Ballade liegt dem christlichen Volkssinn deutlich näher, als irgendeine andere seiner Balladen. Dies entsprach gar nicht seiner eigenen Denkart, weil hier Weltgeschichte mit dem Gang der Vorsehung nachgespürt wird: Die fromme Demut des Grafen wird in der Ballade mit hohem irdischem Glück belohnt. Gute Tat und Belohnung von der Vorsehung sichtbar vor uns verknüpft – das ist ganz aus der Tiefe christlicher Weltanschauung geschöpft.

Inhaltsangabe

In Aachen haben sich die Mächtigen der Welt versammelt, um der Krönung von Rudolf von Habsburg zum neuen Kaiser beizuwohnen. Beim Krönungsmahl haben sie sich alle zum Fest versammelt (Strophe 1). Der neue Kaiser zeigt sich dem Volk, der auf dem Balkon von seinem Gefolge umringt wird. Das Volk huldigt Rudolf und feiert das Ende einer schrecklichen Zeit (Strophe 2). Beim Festmahl ergreift der Kaiser einen Pokal und wünscht, weil er dies stets so gehandhabt hatte, einen Sänger, der als Lustbringer die Stimmung heben soll (Strophe 3). Sogleich tritt ein betagter, grauhaariger Mann in den Saal, stellt sich als Minnesänger vor und fragt, wonach Rudolf begehrt (Strophe 3). Rudolf weigert sich, dem Sänger zu gebieten, weil der Sänger einer höheren Macht denn seiner weltlichen untersteht. So lässt Rudolf dem Sänger freie Wahl (Strophe 4). Der Sänger schlägt in die Saiten und beginnt seinen Sang:

Er erzählt von einem edlen Helden, der einem flüchtigen Gemsbock nachjagte. Auf einer Wiese hörte er ein Glöckchen und findet an einem Bach einen Priester mit seinem Messdiener (Strophe 5). Rudolf erweist sich als frommer Christ und würdigt voller Ehrfurcht das heilige Sakrament. Der Priester zieht seine Schuhe aus, weil er den angeschwollenen Bach durchqueren will (Strophe 6). Der Graf ist erstaunt und will wissen, was er da tut? Der Priester erzählt, dass er zu einem Sterbenden eilt, um seinem Amt zu walten und die Krankensalbung zu vollziehen. Der Steg war unüberwindbar geworden, dass er nun durch den Bach waten will (Strophe 7). Rudolf gibt dem Priester sein Pferd, damit er seinen Dienst verrichten kann. Am nächsten Morgen bringt der Priester das Pferd des Grafen dankbar zurück (Strophe 8). Der Graf weist dem Priester das Pferd demütig zurück und überlässt es dem Priester. Das Pferd hätte seinen Herrn getragen. So soll es auch künftig dem göttlichen Dienst gewidmet sein (Strophe 9). Da weissagt der Priester dem Grafen, dass Gott ihn ehren will, so wie er seinen Schöpfer geehrt hat. Sechs Töchter soll Rudolf haben, die sechs Kronen mit ihm vereinen sollen (Strophe 10).

Der Kaiser besinnt sich und sieht – erst jetzt – dem Sänger ins Auge. Er begreift, dass er als jener edle Held besungen wurde. Voller Rührung erkennt er nun den Priester. Und alle Gäste des Krönungsmahls erkennen in dem Grafen ihren neuen Kaiser, den sie verehren (Strophe 11).

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