HomeText: Die Jungfrau von OrleansJungfrau von Orleans – Geschichtlicher Hintergrund

Jungfrau von Orleans – Geschichtlicher Hintergrund

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Im Jahre 1328 war mit Karl IV. die gerade Linie der Capetinger ausgestorben war. Als hierauf Philipp VI. und mit ihm das Haus Valois den Thron bestieg, machte Eduard III. von England, als Enkel Philipps IV., Ansprüche auf Frankreich. Hierdurch wurden Kämpfe hervorgerufen, die die beiden durch den Kanal getrennten Völker länger als ein Jahrhundert miteinander ausfochten. Das Kriegsglück schwankte lange hin und her. Wurden die Franzosen durch Eduard Stone, den schwarzen Prinzen, bei Crecy (1346) und Poitiers (1356) geschlagen, gelang es dagegen dem tapferen Karl V. (1364– 1380), die Engländer aus dem größten Teil Frankreichs zu vertreiben. Als aber sein Nachfolger Karl VI. (1380 – 1422) dem Wahnsinn verfiel, brach das Unglück von neuem aus. Der Bruder des Königs, Ludwig von Orleans, und Johann der Unerschrockene von Burgund stritten sich um die Vormundschaft. Bald war nicht nur der Hof, sondern auch ganz Frankreich in eine orleanistische und eine burgundische Partei gespalten.

Unter solchen Umständen lag es nahe, dass Heinrich V. von England den Krieg erneuerte. Nachdem er in der Schlacht bei Azincourt gegen stark überlegene Heerscharen gekämpft und einen Sieg errungen hatte, kehrte er zwar nach England zurück, aber nur, um mit noch größerer Truppenmacht wiederzukommen. Jetzt erinnerte sich Johann von Burgund, der sich bei Azincourt vom Kampf zurückgehalten hatte, der Pflichten für sein Vaterland. Er wollte mit dem Dauphin zusammenkommen, um den Zwist der Parteien beizulegen, damit dieselben mit vereinter Kraft dem Feind des Landes entgegentreten könnten. Auf der Brücke von Montereau erschienen die beiden Fürsten, jeder von zehn Rittern begleitet. Aber kaum hatte die Unterredung begonnen, wurde der Herzog Johann, sei es mit vorbedachter Absicht oder um den an dem Herzog Ludwig von Orleans auf Veranlassung der Burgunder verübten Mord zu rächen, von Begleitern des Dauphin niedergestoßen.

Nun war es nicht nur mit der Versöhnung vorbei, sondern die Spaltung zwischen beiden Parteien brach jetzt auch in offene Feindseligkeit aus. Philipp der Gute, der Sohn und Nachfolger des ermordeten, sah den Dauphin als den Anstifter des schändlichen Verrats an. Da der Letztere zugleich seine Mutter Isabella von Bayern vom Hof verwiesen hatte, ging er mit dieser zu dem Feind über.

Am 21. Mai 1420 schlossen Heinrichs V., Isabella im Namen ihres kranken Gemahls und Philipp von Burgund in Troyes einen Vertrag. Zufolge dessen sollte Heinrich die Tochter Karls VI., Katharina heiraten und anstatt des Dauphins den Thron Frankreichs besteigen und bis dahin die Verwaltung der Staatsgeschäfte übernehmen sollte. Heinrich hielt in Paris einen glänzenden Einzug. Der Dauphin wurde vom Parlament als Mörder bezeichnet, aller Rechte auf den Thron anerkannt und zur Verbannung aus dem Reich verurteilt.

Bald darauf brach der Krieg von neuem aus. Nun galt es, dem Dauphin die Provinzen zu entreißen, die er noch innehatte. Dies dauerte nicht lange. So war fast das ganze Land im Norden der Loire in den Händen des Feindes. Aber am 31. August 1422 starb König Heinrichs V. Hierdurch wurde der Dauphin von seinem furchtbarsten Feind befreit. Am 22. Oktober desselben Jahres starb auch Karl VI. Von der orleanistischen Partei ausreichend unterstützt und von einem großen Teil des französischen Volkes anerkannt, konnt e er so ohne weiteres den Thron seiner Väter besteigen. Hierzu ließen es die Engländer jedoch nicht kommen, denn dem verstorbenen König Heinrich war von seiner Gemahlin Katharina bereits ein Sohn geboren worden. Dieser, ein Kind von neun Monaten, wurde unter dem Namen Heinrich VI. zum rechtmäßigen König von England und Frankreich erhoben und in der Wiege gekrönt. Seine Oheime, die Herzöge von Bedford und Glocester verwalteten in seinem Namen, der eine das französische, der andere das englische Reich. Da Bedford sich zugleich auf eine energische Kriegsführung verstand, trug er über Karl VII. mehrere Siege davon. Die Anhänger des Königs wurden hierdurch immer verzweifelter. Er wäre wohl ohne weiteres in die Provence geflohen, wenn seine Gemahlin ihn nicht daran gehindert hätte.

Glücklicherweise konnte Bedford die errungenen Siege nicht benutzen, wie er es gehofft hatte. Hieran war sein Bruder, der Herzog von Glocester, schuld. Dieser hatte nämlich durch die Entführung der Gemahlin eines Vetters Philipps des Guten den Zorn des Letzteren auf sich geladen, der, um der seiner Familie angetanen Schande zu rächen und um die Festsetzung der Engländer im Hennegau zu verhindern, mit Glocester in Kampf geriet. Auf diese Weise konnte der Krieg nur matt fortgesetzt werden. Indessen führte der Graf von Salisbury im Jahre 1428 frische Truppen aus England herbei und begann die Belagerung von Orleans. Ging Orleans verloren, musste er sein Reich verlassen.

In Orleans kommandierte Graf Dunois, ein natürlicher Sohn des ermordeten Herzogs Ludwig von Orleans, und leistete dem Feinde kräftigen Widerstand. Selbst Salisbury verlor. Die Stadt aber schien schwer gerettet werden zu können, da Karl alle seine Hilfsmittel erschöpft waren. Nur ein Wunder konnte jetzt noch Rettung bringen.

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