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Kabale und Liebe – 5. Akt, 5. Szene

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MILLER grob. Donner und Wetter! Da schauen Sie nur hin! – Gold!

FERDINAND. Und was nun weiter?

MILLER. Ins Henkers Namen – ich sage – ich bitte Sie um Gottes Christi willen – Gold!

FERDINAND. Das ist nun freilich etwas Merkwürdiges.

MILLER nach einigem Stillschweigen zu ihm gehend, mit Empfindung. Gnädiger Herr, ich bin ein schlichter, gerader Mann, wenn Sie mich etwa zu einem Bubenstück anspannen wollen – denn so viel Geld läßt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem verdienen.

FERDINAND bewegt. Sei Er ganz getrost, lieber Miller. Das Geld hat Er längst verdient, und Gott bewahre mich, daß ich mich mit Seinem guten Gewissen dafür bezahlt machen sollte.

MILLER wie ein Halbnarr in die Höhe springend. Mein also! Mein! Mit des guten Gottes Wissen und Willen, mein! Nach der Türe laufend, schreiend. Weib! Tochter! Viktoria! Herbei! Zurückkommend. Aber du lieber Himmel! wie komm ich denn so auf einmal zu dem ganzen grausamen Reichtum? Wie verdien ich ihn? Lohn ich ihn? Heh?

FERDINAND. Nicht mit Seinen Musikstunden, Miller – Mit dem Geld hier bezahl ich Ihm Von Schauern ergriffen, hält er inne. bezahl ich Ihm Nach einer Pause mit Wehmut. den drei Monat langen glücklichen Traum von Seiner Tochter.

MILLER faßt seine Hand, die er stark drückt. Gnädiger Herr! Wären Sie ein schlechter, geringer Bürgersmann – Rasch. und mein Mädel liebte Sie nicht – Erstechen wollt ichs, das Mädel. Wieder beim Geld, darauf niedergeschlagen. Aber da hab ich ja nun alles und Sie nichts, und da werd ich nun das ganze Gaudium wieder herausblechen müssen? Heh?

FERDINAND. Laß Er sich das nicht anfechten, Freund – Ich reise ab, und in dem Land, wo ich mich zu setzen gedenke, gelten die Stempel nicht.

MILLER unterdessen mit unverwandten Augen auf das Gold hingeheftet, voll Entzückung. Bleibts also mein? Bleibts? – Aber das tut mir nur leid, daß Sie verreisen – Und wart, was ich jetzt auftreten will! Wie ich die Backen jetzt vollnehmen will! Er setzt den Hut auf und schießt durch das Zimmer. Und auf dem Markt will ich meine Musikstunden geben, und Numero fünfe Dreikönig rauchen, und wenn ich wieder auf den Dreibatzenplatz sitze, soll mich der Teufel holen. Will fort.

FERDINAND. Bleib Er! Schweig Er! und streich Er sein Geld ein. Nachdrücklich. Nur diesen Abend noch schweig Er, und geb Er, mir zu Gefallen, von nun an keine Musikstunden mehr.

MILLER noch hitziger und ihn hart an der Weste fassend, voll inniger Freude. Und Herr! meine Tochter! Ihn wieder loslassend. Geld macht den Mann nicht – Geld nicht – Ich habe Kartoffeln gegessen oder ein wildes Huhn; satt ist satt, und dieser Rock da ist ewig gut, wenn Gottes liebe Sonne nicht durch den Ärmel scheint – Für mich ist das Plunder – Aber dem Mädel soll der Segen bekommen, was ich ihr nur an den Augen absehen kann, soll sie haben –

FERDINAND fällt rasch ein. Stille, o stille –

MILLER immer feuriger. Und soll mir Französisch lernen aus dem Fundament, und Menuettanzen und Singen, daß mans in den Zeitungen lesen soll; und eine Haube soll sie tragen wie die Hofratstöchter und einen Kidebarri, wie sies heißen, und von der Geigerstochter soll man reden auf vier Meilen weit –

FERDINAND ergreift seine Hand mit der schrecklichsten Bewegung. Nichts mehr! Nichts mehr! Um Gottes willen, schweig Er still! Nur noch heute schweig Er still, das sei der einzige Dank, den ich von Ihm fordre!

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