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Macbeth (Shakespeare) – Vierter Aufzug. Siebenter Auftritt.

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Vorige. Rosse.

Macduff.
Ein Landsmann, ob ich gleich ihn noch nicht kenne.

Malcolm.
Willkommen, werther Vetter!

Macduff.
Jetzt erkenn‘ ich ihn.
Entferne bald ein guter Engel, was
Uns fremd macht für einander!

Rosse.
Amen, Sir!

Macduff.
Steht es um Schottland noch wie vor?

Rosse.
Ach, armes Land!
Es schaudert vor sich selbst zurück. Nicht unser
Geburtsland, unser Grab nur kann man’s nennen,
Wo Niemand lächelt, als das Wiegenkind,
So Seufzer, Klagen und Geschrei die Luft
Zerreißt, und ohne daß man darauf achtet,
Wo Niemand bei der Sterbeglocke Klang
Mehr fragen mag: Wem gilt es? Wo das Leben
Rechtschaffner Leute schneller hin ist, als
Der Strauß auf ihren Hüten; wo man stirbt,
Eh man erkrankt –

Macduff.
O schreckliche Beschreibung,
Und doch nur allzuwahr!

Malcolm.
Was ist denn jetzt
Die neueste Beschwerde?

Rosse.
Wer das Unglück
Der vor’gen Stunde meldet, sagt was Altes;
Jedweder Augenblick gebiert ein neues.

Macduff.
Wie steht es um mein Weib?

Rosse.
Wie? O ganz wohl!

Macduff.
Und meine Kinder –

Rosse.
Auch wohl.

Macduff.
Der Tyrann
Hat ihre Ruh nicht angefochten?

Rosse.
Nein!
In Ruhe waren alle, da ich ging.

Macduff.
Seid nicht so wortkarg. Sagt mir, wie es geht.

Rosse.
Als ich mich eben auf den Weg gemacht,
Um Euch die Zeitungen zu überbringen,
Womit ich schwer beladen bin, ging ein Gerücht,
Verschiedne brave Leute seien kürzlich
Ermordet – Was mir desto glaublicher
Erschien, da ich die Völker des Tyrannen
Ausrücken sah. Nun ist’s die höchste Zeit!
Schon Euer bloßer Anblick würde Krieger
Erschaffen, Weiber selbst zum Fechten treiben;
So müd‘ ist Schottland seiner langen Noth.

Malcolm.
Laß es sein Trost sein, daß wir schleunig nahn.
Großmüthig leiht uns England zehentausend
Streitfert’ge Männer, die der tapfre Seiward
Anführt, der bravste Held der Christenheit.

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