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Wallensteins Tod – 4. Aufzug, 2. Auftritt

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Buttler.
Laßt Euch das enggebundene Vermögen
Nicht leid tun. Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum,
Doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.

Gordon.
So hat ihn alles denn verlassen, sagt Ihr?
Er hat das Glück von Tausenden gegründet,
Denn königlich war sein Gemüt, und stets
Zum Geben war die volle Hand geöffnet –

(Mit einem Seitenblick auf Buttlern.)

Vom Staube hat er manchen aufgelesen,
Zu hoher Ehr‘ und Würden ihn erhöht
Und hat sich keinen Freund damit, nicht einen
Erkauft, der in der Not ihm Farbe hielt!

Buttler.
Hier lebt ihm einer, den er kaum gehofft.

Gordon.
Ich hab mich keiner Gunst von ihm erfreut.
Fast zweifl‘ ich, ob er je in seiner Größe
Sich eines Jugendfreunds erinnert hat –
Denn fern von ihm hielt mich der Dienst, sein Auge
Verlor mich in den Mauern dieser Burg,
Wo ich, von seiner Gnade nicht erreicht,
Das freie Herz im stillen mir bewahrte.
Denn als er mich in dieses Schloß gesetzt,
War’s ihm noch Ernst um seine Pflicht; nicht sein
Vertrauen täusch ich, wenn ich treu bewahre,
Was meiner Treue übergeben ward.

Buttler.
So sagt, wollt Ihr die Acht an ihm vollziehn,
Mir Eure Hilfe leihn, ihn zu verhaften?

Gordon (nach einem nachdenklichen Stillschweigen kummervoll).
Ist es an dem – verhält sich’s, wie Ihr sprecht –
Hat er den Kaiser, seinen Herrn, verraten,

Das Heer verkauft, die Festungen des Landes
Dem Reichsfeind öffnen wollen – Ja, dann ist
Nicht Rettung mehr für ihn – Doch es ist hart,
Daß unter allen eben mich das Los
Zum Werkzeug seines Sturzes muß erwählen.
Denn Pagen waren wir am Hof zu Burgau
Zu gleicher Zeit, ich aber war der ältre.

Buttler.
Ich weiß davon.

Gordon.
Wohl dreißig Jahre sind’s. Da strebte schon
Der kühne Mut im zwanzigjähr’gen Jüngling.
Ernst über seine Jahre war sein Sinn,
Auf große Dinge männlich nur gerichtet.
Durch unsre Mitte ging er stillen Geists,
Sich selber die Gesellschaft; nicht die Lust,
Die kindische, der Knaben zog ihn an;
Doch oft ergriff’s ihn plötzlich wundersam,
Und der geheimnisvollen Brust entfuhr,
Sinnvoll und leuchtend, ein Gedankenstrahl,
Daß wir uns staunend ansahn, nicht recht wissend,
Ob Wahnsinn, ob ein Gott aus ihm gesprochen.

Buttler.
Dort war’s, wo er zwei Stock hoch niederstürzte,
Als er im Fensterbogen eingeschlummert,
Und unbeschädigt stand er wieder auf.
Von diesem Tag an, sagt man, ließen sich
Anwandlungen des Wahnsinns bei ihm spüren.

Gordon.
Tiefsinn’ger wurd‘ er, das ist wahr, er wurde
Katholisch. Wunderbar hatt‘ ihn das Wunder
Der Rettung umgekehrt. Er hielt sich nun
Für ein begünstigt und befreites Wesen,
Und keck wie einer, der nicht straucheln kann,
Lief er auf schwankem Seil des Lebens hin.
Nachher führt‘ uns das Schicksal auseinander
Weit, weit! Er ging der Größe kühnen Weg,
Mit schnellem Schritt, ich sah ihn schwindelnd gehn,
Ward Graf und Fürst und Herzog und Diktator,
Und jetzt ist alles ihm zu klein, er streckt
Die Hände nach der Königskrone aus
Und stürzt in unermeßliches Verderben!

Buttler.
Brecht ab. Er kommt.

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