HomeText: WallensteinWallensteins Tod2. AufzugWallensteins Tod – 2. Aufzug, 2. Auftritt

Wallensteins Tod – 2. Aufzug, 2. Auftritt

Bewertung:
(Stimmen: 2 Durchschnitt: 4)

Wallenstein.
Max Piccolomini.

Max (nähert sich ihm).
Mein General –

Wallenstein.
Der bin ich nicht mehr,
Wenn du des Kaisers Offizier dich nennst.

Max.
So bleibt’s dabei, du willst das Heer verlassen?

Wallenstein.
Ich hab des Kaisers Dienst entsagt.

Max.
Und willst das Heer verlassen?

Empfehlungen Lektüreschlüssel und Biografien

Wallenstein.
Vielmehr hoff ich,
Mir’s enger noch und fester zu verbinden. (Er setzt sich.)
Ja, Max. Nicht eher wollt‘ ich dir’s eröffnen,
Als bis des Handelns Stunde würde schlagen.
Der Jugend glückliches Gefühl ergreift
Das Rechte leicht, und eine Freude ist’s,
Das eigne Urteil prüfend auszuüben,
Wo das Exempel rein zu lösen ist.
Doch, wo von zwei gewissen Übeln eins
Ergriffen werden muß, wo sich das Herz
Nicht ganz zurückbringt aus dem Streit der Pflichten,
Da ist es Wohltat, keine Wahl zu haben,
Und eine Gunst ist die Notwendigkeit.
– Die ist vorhanden. Blicke nicht zurück.
Es kann dir nichts mehr helfen. Blicke vorwärts!
Urteile nicht! Bereite dich, zu handeln.
– Der Hof hat meinen Untergang beschlossen,
Drum bin ich willens, ihm zuvorzukommen.
– Wir werden mit den Schweden uns verbinden.
Sehr wackre Leute sind’s und gute Freunde.

(Hält ein, Piccolominis Antwort erwartend.)

– Ich hab dich überrascht. Antwort mir nicht.
Ich will dir Zeit vergönnen, dich zu fassen.

(Er steht auf und geht nach hinten. Max steht lange unbeweglich, in den heftigsten Schmerz versetzt; wie er eine Bewegung macht, kömmt Wallenstein zurück und stellt sich vor ihn.)

Max.
Mein General! – Du machst mich heute mündig.
Denn bis auf diesen Tag war mir’s erspart,
Den Weg mir selbst zu finden und die Richtung.
Dir folgt‘ ich unbedingt. Auf dich nur braucht‘ ich
Zu sehn und war des rechten Pfads gewiß.
Zum ersten Male heut verweisest du
Mich an mich selbst und zwingst mich, eine Wahl
Zu treffen zwischen dir und meinem Herzen.

Wallenstein.
Sanft wiegte dich bis heute dein Geschick,
Du konntest spielend deine Pflichten üben,
Jedwedem schönen Trieb Genüge tun,
Mit ungeteiltem Herzen immer handeln.
So kann’s nicht ferner bleiben. Feindlich scheiden
Die Wege sich. Mit Pflichten streiten Pflichten.
Du mußt Partei ergreifen in dem Krieg,
Der zwischen deinem Freund und deinem Kaiser
Sich jetzt entzündet.

Dieser Beitrag besteht aus 3 Seiten: