HomeText: Don Carlos5. AktDon Carlos – 5. Akt, 11. Auftritt

Don Carlos – 5. Akt, 11. Auftritt

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Zimmer der Königin.

Letzter Auftritt.

Carlos. Die Königin. Zuletzt der König mit Gefolge.

Carlos (in einem Mönchsgewand, eine Maske vor dem Gesichte, die er eben jetzt abnimmt, unter dem Arm ein bloßes Schwert. Es ist ganz finster. Er nähert sich einer Thüre, welche geöffnet wird. Die Königin tritt heraus im Nachtkleide, mit einem brennenden Licht. Carlos läßt sich vor ihr auf ein Knie nieder).
Elisabeth!

Königin (mit stiller Wehmuth auf seinem Anblick verweilend).
So sehen wir uns wieder?

Carlos.
So sehen wir uns wieder!

(Stillschweigen.)

Königin (sucht sich zu fassen).
Stehn Sie auf. Wir wollen
Einander nicht erweichen, Carl. Nicht durch
Ohnmächt’ge Thränen will der große Todte
Gefeiert werden. Thränen mögen fließen
Für kleinre Leiden! – Er hat sich geopfert
Für Sie! Mit seinem theuern Leben
Hat er das Ihrige erkauft – Und diese Blut
Wär‘ einem Hirngespinst geflossen? – Carlos!
Ich selber habe gut gesagt für Sie.
Auf meine Bürgschaft schied er freudiger
Von hinnen. Werden Sie zur Lügnerin
Mich machen?

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Carlos (mit Begeisterung).
Einen Leichenstein will ich
Ihm setzen, wie noch keinem Könige
Geworden – Ueber seiner Asche blühe
Ein Paradies!

Königin.
So hab‘ ich Sie gewollt!
Das war die große Meinung seines Todes!
Mich wählte er zu seines letzten Willens
Vollstreckerin. Ich mahne Sie. Ich werde
Auf die Erfüllung dieses Eides halten.
– Und noch ein anderes Vermächtnis legte
Der Sterbende in meine Hand – Ich gab ihm
Mein Wort – und – warum soll ich es verschweigen?
Er übergab mir seinen Carl – Ich trotze
Dem Schein – ich will vor Menschen nicht mehr zittern,
Will einmal kühn sein, wie ein Freund. Mein Herz
Soll reden. Tugend nannt‘ er unsre Liebe?
Ich glaub‘ es ihm und will mein Herz nicht mehr –

Carlos.
Vollenden Sie nicht, Königin – Ich habe
In einem langen, schweren Traum gelegen.
Ich liebte – Jetzt bin ich erwacht. Vergessen
Sei das Vergangne! Hier sind Ihre Briefe
Zurück. Vernichten Sie die meinen. Fürchten
Sie keine Wallung mehr von mir. Es ist
Vorbei. Ein reiner Feuer hat mein Wesen
Geläutert. Meine Leidenschaft wohnt in den Gräbern
Der Todten. Keine sterbliche Begierde
Theilt diesen Busen mehr.
(Nach einem Stillschweigen ihre Hand fassend.)
Ich kam, um Abschied
Zu nehmen – Mutter, endlich seh‘ ich ein,
Es gibt ein höher, wünschenswerther Gut,
Als dich besitzen – Eine kurze Nacht
Hat meiner Jahre trägen Lauf beflügelt,
Frühzeitig mich zum Mann gereift. Ich habe
Für dieses Leben keine Arbeit mehr,
Als die Erinnerung an ihn! Vorbei
Sind alle meine Ernten –
(Er nähert sich der Königin, welche das Gesicht verhüllt.)
Sagen Sie
Mir gar nichts, Mutter?

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