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Schillers »Das Lied von der Glocke« – Text, Zusammenfassung, Interpretation

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10. Strophe: Die Unbeständigkeit des Glücks

Das Lied von der Glocke: Das Feuer hat das traute Heim zerstört. Alle sind am Leben, das ist der Trost.

Das Lied von der Glocke: Das Feuer hat das traute Heim zerstört. Alle sind am Leben, das ist der Trost.

Wie unbeständig das Familienglück sein kann, zeigen die Verse 155–226 der 5. Reflexionsstrophe. Auch diese Strophe fügt sich nahtlos an die vorhergehenden Verse an. Eindringlich schildert Schiller die Kraft des Feuers, wenn es durch den Menschen nicht mehr beherrscht werden kann und entfesselt wird. Wenn das Feuer die Häuser erfasst, wächst es in Windeseile fort. Die Not ist groß, alle sind entsetzt und bemühen sich, die Flammen zu löschen, das Feuer wieder zu bezähmen. Sprache und Metrum sind in diesen Versen besonders ausdrucksvoll. Häufig und wirksam ist die Alliteration angewandt.

Die Feuersbrunst hinterlässt Trümmer und Asche. Mit Wehmut sieht der Mensch auf sein niedergebranntes Heim zurück. In den Schlussversen wechselt die Stimmung (auch das Metrum wechselt). Man greift zum Wanderstab und zieht in die Welt, um sein Glück von neuem zu suchen. Ist das Heim zwar zerstört, sind doch alle Familienmitglieder am Leben geblieben. Das ist der Trost, der bleibt. Doch das bange Zählen der Familienhäupter greift auch schon auf das kommende Unglück vor.

11. Strophe: Die Form der Glocke

Der Guss ist beendet. Die Form wurde gefüllt. Die Verse 227–234 der 6. Arbeitsstrophe befassen sich mit dem Bangen abwarten darauf, ob die Arbeit gelungen ist. Die Form ist geschlossen. Niemand weiß, ob der Guss misslungen ist oder ob die Form zersprang.

12. Strophe: Der Tod der Frau

Das Lied von der Glocke: Trauer um den Tod der Mutter.

Das Lied von der Glocke: Trauer um den Tod der Mutter.

Die Verse 235–265 gehören zur 6. Reflexionsstrophe, die sich mit dem Tod auseinandersetzt. Der Tod eines Familienmitgliedes ist auch ein Ereignis, das durch die Glocke verkündet wird. Höchst bedeutsam ist gerade der Tod der Gattin, der Mutter gewählt. Nicht einmal der Tod des Vaters, des Hauptes der Familie, löst in solchem Grade „des Hauses zarte Bande“ auf. Übrigens musste auch schon deswegen der Mann überleben, dass der Staat geschildert werden kann, denn der Mann repräsentiert zur damaligen Zeit sein ganzes Geschlecht. Die drei wechselnden Vokale o, e und a in den Versen „Von dem Dome / Schwer und bang / Tönt die Glocke / Grabgesang“ bilden die verschiedenen Klänge einer Glocken nach. Hierdurch wird eine Stimmung von Ernst und Trauer hervorrufen. Mit dem Tod der Frau endet auch der erste Teil des Gedichtes, der sich mit dem Zyklus des Lebens zwischen Geburt und Tod befasst.

13. Strophe: Abkühlen des Metalls

Die Verse 266–273 gehören zur 7. Arbeitsstrophe. Alle Arbeit ist getan, das Metall muss abkühlen. Es bleibt das Abwarten und es ist Zeit, sich von der schweren Arbeit auszuruhen. Nun kann sich jeder ganz frei wie ein Vogel seinen Interessen widmen und sich entspannen, ehe der Meister wieder zur Arbeit ruft.

14. Strophe: Friedlicher Feierabend

Das Lied von der Glocke: Feierabend, das ist der Beginn des geselligen Lebens.

Das Lied von der Glocke: Feierabend, das ist der Beginn des geselligen Lebens, das im Frieden herrscht.

Der Feierabend, dem sich die Verse 274–333 widmen (7. Reflexionsstrophe), ist der Beginn des geselligen, des gesellschaftlichen Lebens. Den Inhalt der vorliegenden Betrachtung, die den zweiten Teil des Gedichtes einläuten, können wir im Allgemeinen als eine Schilderung der Wohltaten und Segnungen eines wohlgeordneten gesellschaftlichen Lebens bezeichnen. Schiller schildert hier eine friedvollen Herbstabend in einer ländlichen Umgebung. Durch den Wald kommt ein Wanderer zurück in seine Behausung. Schafe und Rinder werden in die Ställe getrieben. Die Ernte wird auf einem hoch beladenen Wagen eingebracht. Ist das Werk vollbracht, begeben sich die Knechte und Mägde zum Erntetanz. Es dunkelt und schließlich wird das Tor zur Stadt verschlossen. Im Schutz der Stadtmauern kann der Bürger seinen gerechten Schlaf erhalten. Nachtwächter als „das Auge des Gesetzes“ gehen wachsam durch die Straßen. Solange „Frieden“ herrscht, hat diese „heilige Ordnung“ bestand.

15. Strophe: Zerschlagen des Mantels

Die Verse 334–341 gehören zur 8. Arbeitsstrophe und befassen sich mit dem Zerschlagen des Mantels. Mit einem Hammer wird der aus Lehm gebrannte Mantel abgeschlagen, um die Glocke zu befreien. Begleitet wird die von der Zuversicht auf die gelungene Arbeit. Der Meister spricht dies mit kraftvollen Versen.

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Kommentare

  1. In Meiner Gymnasialzeit 1954-1960 haben wir die Glocke gesungen. Ich hatte die Ehre, als Bass-Solist die Meistersprüche zu singen. Wird das Musikwerk mit den Texten von _Friedrich von Schiller auch heute noch aufgeführt?

  2. Als Ingenieur ärgere ich mich oft genug über Innumerik und Menschen, denen jedes Verständnis für die Welt und die Dinge, mit denen sie täglich umgehen fehlt. Dem Teil kann ich also halb zustimmen. Aber Kultur und Kunst (echte Kunst, nicht was selbsternannte und aus Sozial- und anderen öffentlichen Kassen alimentierte „Künstler“ dafür halten) gehören zum Menschsein und zur Bildung zwingend dazu. Ich kenne zwar viele ungebildete „Geistes-“ aber nicht einen erfolgreichen Naturwissenschaftler ohne umfassende Kenntnis der Weltliteratur. Eine solche Verachtung der Bildung ist in technischen Berufen eher typisch für den angelernten Hilfsarbeiter.

    1. Was für eine stupide und pamphletische Antwort die selber nur die Mittelmäßigkeit der Bildung zeigt. Die Grenzen setzten nicht die gebildeten Ingenieure, sondern die Ingenieure die glauben sie wären gebildet und nur sie wissen was „Kunst“ ist. Dadurch ist es verifiziert, diese Inginieure haben die Weimarer Klassik nicht verstanden.

  3. Friedrich von Schiller hat die Verse in »Das Lied von der Glocke« durchgängig gereimt.

    In den mir vorliegenden Fassungen des Gedichtes heißt es, wie auch in Ihrer Fassung in den Zeilen 327 und 328:
    »wo des rauhen Krieges Horden
    dieses stille Tal durchtoben« .

    Ich kann mir vorstellen, daß sich ursprünglich auch diese beiden Zeilen reimten, nämlich:

    a) »wo des rauhen Krieges Horden
    dieses stille Tal durchmorden«

    oder

    b) »wo des rauhen Krieges Roben
    dieses stille Tal durchtoben«

    Gibt es noch originale Handschriften von Friedrich von Schiller ?
    Wo befinden sich solche originale Handschriften ? Möglicherweise bei Ihnen im Schiller-Archiv in Weimar .
    Wie könnte ich diese einsehen ? In einer Kopie ? Oder sind sie nur in Marbach in Augenschein zu nehmen ?

    Mit freundlichen Grüßen

    1. Bitte wenden Sie sich mit Ihrer Anfrage an das Goethe Schiller Archiv, Jenaer Str. 1, 99423 Weimar, Telefon 03643 545400.
      Diese Website ist Privat und nicht zu verwechseln mit dem Literaturarchiv.

  4. Deutsche Literatur ist das unnötigste was Schüler in ihrer Schullaufbahn lernen! Was soll jemand mit diesem Gedicht anfangen. Reine Zeitverschwendung im Gegensatz zu den Dingen mit denen sich die heutige Welt wirklich beschäftigt wie z.B. Naturwissenschaften oder Computer-Technologien!

    1. Die Kenntnis (und (Übung?) der Deutschen Literatur könnte z.B. helfen, moderne Texte lesbar zu gestalten, z.B. auch solche von IT-Experten und Naturwissenschaftlern.
      Und ausserdem macht gut formulierte Sprache mehr Spaß als Twitter- und Facebook-Gestotter!

    2. Schiller gibt hier einen genauen Vorgang vom Bau einer Glocke wieder. Soweit ich das lesen kann. Es ist damit perfekter Umgang mit genau Ihren angewandten Technologien gemeint. Furcht vor gOtT, Jan Maybach

    3. Es ist nicht das „unnötigste“ ok der schullaufbahn . Ich setze mich in meinem Job mit alten Liturgien auseinander und wenn so etwas nicht in der Schule gezeigt worden wäre , würde es solche interessanten und lernreichen jobs nicht mehr geben , da es dann als unnötig Gehalten werden würde

    4. Es macht mich wütend, solche ignoranten Aussagen zu lesen. Die Naturwissenschaftler die ich kenne aus vielen verschiedenen Fakultäten haben eins gemeinsam eine umfassende humanistische Bildung. Die Grundlage für Ihre herausragenden Leistungen in den jeweiligen Fächern.
      Und selbstverständlich können Sie einen Computer bedienen aber eben noch viel mehr.

    5. Schon alleine der Kommentar von Frederii zeigt auf wie dringend die Literatur und Philosophie auf diese stumpfsinnigen Argumentationen einwirken müssen. Der Anti-Bildung keinen Meter Erde.

    1. Die Glocke ist ein langes und metrisch komplexes Gedicht. Es gibt kein einheitliches Versmaß. Der sprachliche Rhythmus ist insbesondere in den Betrachtungsstrophen der inhaltlichen Darstellung angepasst. Lediglich die Meistersprüche folgen einem einheitlichen Schema, wobei der Rhythmus bzw. die Verslänge variiert. Bitte einfach einmal die Silben zählen.

    1. Das ist schonmal die Zeit, in der das Gedicht entstand. Es wurde in Schillers klassischer Schaffensperiode vollendet. Dann der Inhalt der Gedichtes, der sich mit bürgerlichen Werten, einer Distanzierung von der Franz. Revolution, gesellschaftlichen Vorstellungen und letztlich auch mit Schillers Ideal eines Bildungsbürgers befasst, der durch die Harmonie von Geist und Gefühl seiner Vollendung entgegen geht.

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