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Schiller »Die Bürgschaft« – Text, Inhaltsangabe, Interpretation

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Quelle der Ballade »Die Bürgschaft«

Den Stoff für „Die Bürgschaft“ fand Friedrich Schiller im Fabelbuch des Hyginus. Schon im Dezember 1797 erbat sich Schiller, während er am Drama Wallenstein arbeitete, von Goethe dieses Buch. Er wollte sich mit tragischen Stoffen näher beschäftigen, die darin zu finden waren. Goethe sandte ihm das verlangte Buch und Schiller fand darin nicht nur, was er vermutet hatte, nämlich taugliche Fabeln für den tragischen Dichter, sondern auch den Stoff zu dieser Ballade. „Die Bürgschaft“ war für den Musenalmanach für das Jahr 1799 bestimmt. Sie gehört aber nicht in das Balladenjahr 1797, in dem Schiller und Goethe quasi im Wettstreit unter anderem Balladen wie „Der Taucher“, „Der Handschuh“ oder „Der Zauberlehrling“ (Goethe) entstanden.

In dem Fabelbuch des Hygenius erzählt dieser eine Geschichte von Männern, die durch die innigste Freundschaft miteinander verbunden waren:

Als in Sizilien der grausame Tyrann Dionys (der Ältere) herrschte und seine Untertanen qualvoll hinrichten ließ, entschloss sich Möros, den Tyrannen zu töten. Die Anhänger des Herrschers aber überraschten ihn und führten ihn bewaffnet, wie er war zum König. Im Verhör gestand er, er habe den König töten wollen. Dieser befahl, Möros ans Kreuz zu schlagen. Da erbat sich Möros von ihm einen Aufschub von drei Tagen, um seine Schwester zu verheiraten. Möros versprach dem Tyrannen, seinen Freund und Genossen Selinuntius als Bürgen zu lassen. Am dritten Tage wollte er zurück sein. Der König gewährte ihm den Aufschub zur Vermählung der Schwester. Er sagte aber dem Selinuntius: Wenn Möros nicht rechtzeitig zurück sei, müsse er die Strafe für seinen Freund büßen. Möros aber sei dann frei.

Als dieser nach Verheiratung seiner Schwester zurückkehrte, wuchs der Fluss durch ein plötzliches Ungewitter und den strömenden Regen so an, dass er weder durchgehen, noch durchschwimmen konnte. Möros setzte sich ans Ufer und fing an zu weinen. Er dachte, dass nun sein Freund für ihn sterben müsse.

Der Tyrann befahl, den Selinuntius zu gekreuzigten, da schon 6 Stunden des dritten Tages vorüber waren. Selinuntius entgegnete, der Tag sei noch nicht abgelaufen. Als aber 9 Stunden verflossen waren, ließ der König den Selinuntius zum Kreuz führen. Während er hingeführt wurde, holte Möros, der mit Mühe den Strom überwältigt hatte, den Henker ein und rief schon von weitem: „Halt ein, Henker! Da bin ich, für den er gebürgt hat.“ Der Vorfall wurde den König angezeigt. Dieser ließ beide zu sich führen und er bat sie, dass sie ihn in ihre Freundschaft aufnehmen möchten. Er schenkte dem Möros das Leben.

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Kommentare

  1. Die Bürgschaft – ein Lieblingsthema von mir 🙂

    Meine Frage –

    Da spricht derjenige der der versuchten Tat überführt wurde, sei es, dass man ihn Mörus oder Damon nennt, wie folgt:

    „…Ich flehe dich um drei Tage Zeit, 
    Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit….“

    Nun, was ist so wichtig, dass der Genannte bei der Verheiratung seiner Schwester zugegen sein muss? Das dürfte ja so wichtig gewesen sein, dass sogar der König, zwar mit List, ihm dies dann auch gewährte!

    1. Möros war offenbar das Familienoberhaupt seiner Sippe und damit auch für das Wohlergehen ihrer weiblichen Mitglieder (Schwestern) verantwortlich. Im Zuge dessen hatte er sie „freiend“ „unter die Haube“ zu bringen um ihr Leben zu sichern. Das schien offenbar auch dem Tyrannen Gesetz zu sein…. sagt mir mein gesunder Menschenverstand.

    1. Der Name taucht gleich im 2. Vers auf. Man beachte aber verschiedene Versionen der Ballade. In der ersten Version geht es um Möros und Freund, in der späteren Fassung Schillers spricht er von Damon und Freund. An und für sich geht es um die gleichen Quellen. Man beachte bitte hierzu die Angaben zu Schillers Quellen und zur Entstehungsgeschichte der Ballade.

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