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Schiller »Die Bürgschaft« – Text, Inhaltsangabe, Interpretation

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Grundidee der Ballade

Schiller legt fast allen seinen Balladen ein klassisches Ideal zu Grunde, das den inneren Kern seines Gedichtes ausmacht und Schiller diesen mit allen Handlungen verwebt. Es geht um die Liebe und die ungebrochene Treue einem Freund gegenüber. Sein gegebenes Wort zu halten und den Freund zu retten, dessen Glauben an seine freundschaftliche Liebe und Treue kein Hohn des Tyrannen zum Wanken bringt, oder mit dem Freund zu sterben, das ist der Gedanke der Ballade „Die Bürgschaft“, der das ganze Gedicht ausfüllt. Dieser Gedanke gibt dem Gedicht eine innere Energie und Spannung. Und alles was aus seinem Stoff hiermit nicht in Verbindung zu setzen war, ließ er weg. In der 18. Strophe spricht Möros die Idee selbst aus:

 „Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht
 Ein Retter willkommen erscheinen,
 So soll mich der Tod ihm vereinen.
 Des  rühme der blutge Tyrann sich nicht,
 Dass der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
 Er schlachte der Opfer zweie
 Und glaube an Liebe und Treue.“

Diese Idee der Freundestreue tritt in der Ballade sehr bestimmt und rührend hervor. „Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn!“ bekennt schließlich der Tyrann. Seine Grausamkeit gab die Veranlassung für Möros, über sich hinauszuwachsen und die Größe der Freundschaft dem Tyrannen zu offenbaren. Von dieser sittlichen Macht der Freunde ergriffen, lernt der finstere Tyrann am Ende, an Liebe und Treue zu glauben.

Aufbau und Struktur der Ballade

Wie wir bei der Darstellung der Idee zu dieser Ballade bereits erfahren haben, lässt Schiller aus seiner Quelle alle Bestandteile weg, die nichts mit seiner Grundidee zu tun haben. Dabei fällt die Exposition relativ kurz aus. Auch die Verheiratung der Schwester wird nur kurz erwähnt und die Vorbereitung der Hinrichtung wurde ebenfalls nicht berücksichtigt. Der Hauptteil des Gedichtes befasst sich mit dem Rückweg des Helden nach Syrakus.

„Die Bürgschaft“ umfasst 20 Strophen und gliedert er in drei Teile, wobei die Ballade vom Kern des Gedichtes bestimmt ist:

  1. Exposition (Strophen 1–5): Möros wird bei seiner Absicht, den Tyrannen zu ermorden, aufgegriffen. Dionysios verurteilt ihn zu Tode und gewährt Möros drei Tage Aufschub. Als Bürge für ihn hinterlässt Möros seinen Freund Selinuntius.
  2. Kern des Gedichtes (Strophe 6–17): Möros verheiratet seine Schwester. Auf der Rückreise nach Syrakus hat er verschiedene Hindernisse zu überwinden, so dass er zu scheitern droht.
  3. Katastrophe und Rettung (Strophen 18–20): Selinuntius soll gehenkt werden. Möros trifft im letzten Augenblick ein und verhindert den Tod seines Freundes. Der Tyrann lässt beide frei und beginnt, an die Kraft der Freundschaft zu glauben.
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Kommentare

  1. Die Bürgschaft – ein Lieblingsthema von mir 🙂

    Meine Frage –

    Da spricht derjenige der der versuchten Tat überführt wurde, sei es, dass man ihn Mörus oder Damon nennt, wie folgt:

    „…Ich flehe dich um drei Tage Zeit, 
    Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit….“

    Nun, was ist so wichtig, dass der Genannte bei der Verheiratung seiner Schwester zugegen sein muss? Das dürfte ja so wichtig gewesen sein, dass sogar der König, zwar mit List, ihm dies dann auch gewährte!

    1. Möros war offenbar das Familienoberhaupt seiner Sippe und damit auch für das Wohlergehen ihrer weiblichen Mitglieder (Schwestern) verantwortlich. Im Zuge dessen hatte er sie „freiend“ „unter die Haube“ zu bringen um ihr Leben zu sichern. Das schien offenbar auch dem Tyrannen Gesetz zu sein…. sagt mir mein gesunder Menschenverstand.

    1. Der Name taucht gleich im 2. Vers auf. Man beachte aber verschiedene Versionen der Ballade. In der ersten Version geht es um Möros und Freund, in der späteren Fassung Schillers spricht er von Damon und Freund. An und für sich geht es um die gleichen Quellen. Man beachte bitte hierzu die Angaben zu Schillers Quellen und zur Entstehungsgeschichte der Ballade.

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