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Schillers »Wallenstein« – Interpretation

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Die Liebesgeschichte von Thekla und Max Piccolomini

Die Liebe zwischen Max und Thekla, die der Dichter erst nachträglich der Haupt- und Staatsaktion hinzugefügt hat, ist von mehreren Seiten als ein ruhig für sich bestehendes Ganzes, als eine zu der eigentlichen Handlung im Gegensatz stehende Episode bezeichnet und sogar in allem Ernst getadelt worden. Schiller selbst war in diesem Punkt nicht ohne Sorgen. Er fand die Liebe, wie sie hier erscheint, nicht theatralisch und war deshalb geneigt, um sich die poetische Freiheit zu wahren, jeden Gedanken an eine Aufführung des Stückes aufzugeben. Indessen durfte das Drama, sollte es allgemein fesseln, eines Elements, das ein rein menschliches Interesse gewährte, nicht entbehren. Er versuchte daher der lyrischen Stimmung seines Inneren einen dramatischen Ausdruck zu geben. Und wenn es auch den Szenen zwischen Max und Thekla an rednerischem Prunk nicht fehlt, möchten wir sie doch keineswegs bloß als ein „idealisch-romantisches Liebesgeflüster“ bezeichnen, das die Haupthandlung stört, sondern finden sie besonders durch die planvollen Bestrebungen der Gräfin Terzky glücklich in die Haupthandlung verwebt. Der tragische Verlauf der letzteren wird dadurch wesentlich gesteigert.

Schon die Worte: „doch keinen Spott“, die Max (P. III, 3) an die Gräfin richtet, hätten den Dichter vor einer geringschätzigen Beurteilung dieser Seite seines Werkes sicherstellen sollen. Ihm ist die Liebe dieser beiden edlen Naturen etwas so Heiliges, dass er ohne alles Bedenken Liebe und Andacht (P. III, 3; vergl. auch P. III, 4) völlig ineinander aufgehen lässt. Schwerlich hat je ein Dichter ein Liebesgeständnis mit so ungemeiner Zartheit behandelt, wie es hier (P. III, 3) geschieht. Durch die Lauterkeit der Gesinnung, mit der sich die gegenseitige Neigung in den beiden jugendlichen Seelen entfaltet. Durch den sittlichen Adel des Herzens, mit dem sie als Repräsentanten der Treue und des Vertrauens gewissermaßen die Säulen der gesellschaftlichen Ordnung uns vor das Auge führen, bilden sie einen ergreifenden und höchst wirksamen Gegensatz zu den Charakteren ihrer Väter, zu dem traurigen Gewebe von List und Argwohn, das der Verwirklichung ihrer Herzenswünsche hindernd in den Weg tritt. Es handelt sich hier in der Tat um etwas ganz anderes als um die so häufig vorkommende Benutzung eines Bühnenkunstgriffes, dem die Liebe zwischen den Kindern zweier feindlichen Häuser ein willkommenes Mittel ist, um bei den Zuschauern eine rasch verfliegenden Rührung hervorzurufen. Die Väter der beiden Liebenden treten hier nicht als Feinde auf. Sondern ein feindliches Schicksal ist es, das über beiden waltet, von dem das unschuldige jugendliche Paar mit ergriffen wird. Es wird im Sturm der Konflikte an seiner ganzen Umgebung verzweifeln und lieber untergehen, als dem hohen Ideal entsagen, das es in seinem Leben wie in seiner Liebe zu verkörpern strebt.

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