HomeText: Die Jungfrau von Orleans1. AktDie Jungfrau von Orleans – 1. Aufzug, 11. Auftritt

Die Jungfrau von Orleans – 1. Aufzug, 11. Auftritt

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Der Herold zu den Vorigen

Karl.
Was bringst du, Herold? Sage deinen Auftrag.

Herold.
Wer ist es, der für Karin von Valois,
Den Grafen von Ponthieu das Wort hier führt?

Dunois.
Nichtswürdger Herold! Niederträchtger Bube!
Erfrechst du dich, den König der Franzosen
Auf seinem eignen Boden zu verleugnen.
Dich schützt dein Wappenrock, sonst solltest du –

Herold.
Frankreich erkennt nur einen einzgen König,
Und dieser lebt im engelländischen Lager.

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Karl.
Seid ruhig, Vetter! Deinen Auftrag, Herold!

Herold.
Mein edler Feldherr, den des Blutes jammert,
Das schon genossen und noch Lieben soll,
Hält seiner Krieger Schwert noch in der Scheide,
Und ehe Orleans im Sturme fällt,
Läßt er noch gütlichen Vergleich dir bieten.

Karl.
Laß hören!

Johanna (tritt hervor). Sire! Laß mich an deiner Statt
Mit diesem Herold reden.

Karl.
Tu das, Mädchen!
Entscheide du, ob Krieg sei oder Friede.

Johanna (zum Herold).
Wer sendet dich und spricht durch deinen Mund?

Herold.
Der Briten Feldherr, Graf von Salisbury.

Johanna.
Herold, du lügst! Der Lord spricht nicht durch dich.
Nur die Lebendgen sprechen, nicht die Toten.

Herold.
Mein Feldherr lebt in Fülle der Gesundheit
Und Kraft, und lebt euch allen zum Verderben.

Johanna.
Er lebte, da du abgingst. Diesen Morgen
Streckt‘ ihn ein Schuß aus Orleans zu Boden,
Als er von Turm La Tournelle niedersaß.
– Du lachst, weil ich Entferntes dir verkünde?
Nicht meiner Rede, deinen Augen glaube!
Begegnen wird dir seiner Leiche Zug,
Wenn deine Füße dich zurücketragen!
Jetzt Herold, sprich und sage deinen Auftrag.

Herold.
Wenn du Verborgnes zu enthüllen weißt,
So kennst du ihn, noch eh ich dir ihn sage.

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