HomeCharakterisierungWilhelm TellCharakterisierung von Fürst, Stauffacher und Melchtal aus Schillers „Wilhelm Tell“

Charakterisierung von Fürst, Stauffacher und Melchtal aus Schillers „Wilhelm Tell“

Bewertung:
(Stimmen: 13 Durchschnitt: 3.5)

Walter Fürst, Werner Stauffacher und Arnold von Melchtal sind die Vertreter der drei Schweizer Urkantone und Vertreter dreier Generationen. Gemeinsam lehnen Sie sich gegen die brutale Fremdherrschaft auf.

Walther Fürst

Walther Fürst aus Uri ist ein bedächtiger und vorsichtiger Greis. Er fühlt sich als Freund der Freiheit selbst unterdrückt und möchte daher auch anderen bedrängten Schutz gewähren. Den flüchtigen Melchtal nimmt er deshalb bei sich auf. Als es zu der geheimen Verabredung auf dem Rütli kommt, will er aber den Adel in die Beratung einbezogen sehen. Walther Fürst steht für Mäßigung und Besonnenheit. Nur notgedrungen erklärt er sich zum Aufstand gegen die Vögte bereit. Von jedem revolutionären Charakter möchte er den Aufstand befreit sehen. Selbst als die Feuerzeichen von den Bergen rauchen zum Zeichen der siegreichen Mission, will er erst auf die Meldungen aus Unterwalden abwarten, eher er den Aufstand in Uri beginnt. Nachdem er den Sieg errungen hat, ermahnt er gleich wieder seine Landsleute zur Vorsicht. Dabei weist er darauf hin, dass der Kaiser gewiss die vertriebenen Vögte wieder einzusetzen beabsichtigen wird. Durch seine ruhige Würde steht er in der Gemeinde hoch im Ansehen. Ihm erkennt die Gemeinde einstimmig das Recht zu, das durch den Reichsboten überbrachte Schreiben zu brechen und vorzulesen.

Werner Stauffacher

Werner Stauffacher wohnt in Steinen im Kanton Schwyz. Er ist ein Wohltäter der Armen und gleichfalls Beschützer der Bedrängten. Als Wilhelm Tell den geretteten Baumgarten – der den Wolfenschießen erschlug, weil er seine Frau zu schänden beabsichtigte – über den See schifft und zu ihm bringt, versteckt er den Flüchtigen.

Stauffacher ist ein besonnener, aber zugleich entschiedener Charakter. Obwohl Walther Fürst seinem Herrn gegenüber schuldbewusst ist und seine Ehrfurcht erweist, will er doch nicht, dass die Schweizer sich dem neuen Fürstenhaus unterwerfen. Das Schicksal seines Landes hat er aber mehr für sich im Stillen erwogen. Offener Widerstand, dieser Gedanke kam ihm dabei nicht in den Sinn. Er fürchtet sich vor Krieg. Erst als ihn seine Frau Gertrud zum Handeln ermutigt, geht er mit Entschlusskraft ans Werk. Er wird die Seele des zu schließenden Bündnisses auf dem Rütli.

Stauffacher ist mit der Geschichte und der Verfassung seines Landes gut vertraut. In der beratenden Versammlung auf dem Rütli spielt er daher bald die Hauptrolle. Dabei versteht er es, die Debatte verständlich und gerecht zu leiten und durch die Energie seiner Rede nachdrücklich zu werden. Auch er erfreut sich eines hohen Ansehens in der Gemeinde. Die neuesten Nachrichten gelangen unverzüglich zu ihm. Werner Stauffacher ist es auch, der die näheren Umstände über die Ermordung des Kaisers mitteilt: Er weiß bereits, dass die Königin von Ungarn dafür blutige Rache zu nehmen gedenkt. Auch weiß er, dass die Kaiserkrone auf den Grafen von Luxemburg übergehen soll. Dafür wird ihm auch die Ehre zuteil, dem Reichsboten mündlich Antwort zu erteilen.

Arnold von Melchtal

Arnold vom Melchthal, Charakter aus dem Schiller-Drama Wilhelm Tell, Zeichnung von Friedrich Pecht

Arnold vom Melchthal, Charakter aus dem Schiller-Drama Wilhelm Tell, Zeichnung von Friedrich Pecht, 1859

Arnold von Melchtal stammt aus Unterwalden. Melchtal ist der Sohn eines Mannes, der stets für Recht und Freiheit eingetreten ist, und befindet sich auf der Flucht. Er ist eine noch jugendliche, leicht erregbare Natur. Melchtal ist rasch in Worten wie in Taten. Als er von einem Boten des Vogts willkürlich behandelt wird, widersetzt sich Melchtal und zerschmettert ihm einen Finger. Die Rache ergeht an den Vater des Melchthals, dem die Augen ausgestochen werden. Arnold entsetzt dies zutiefst. An der Schandtat an seinem Vater will er Rache nehmen, das ist ihm erste Motivation.

Dennoch ist Arnold von Melchtal selbstbeherrscht genug. Er zügelt seine Rachegelüste und dient so der allgemeinen Sache der Bundesgenossen. Als Kundschafter dringt er in die Wohnung Landenbergs ein. Ist Werner Stauffacher der begabte Redner, so ist Melchthal Mann der schnellen Tat. Er bringt die erste Freiheitsbotschaft nach Uri, er ist der erste mit seinen Leuten auf der Rütliwiese, er hat den Roßberg erstiegen, wo der Wolfenschießen einst wohnte, er hat auch den Landenberg auf der Flucht erreicht und ihn zur Urfehde schwören lassen, nie wieder zurückzukehren.

→ Zusammenfassung des Handlungsstrangs der Befreiiung der Schweiz im „Wilhelm Tell“