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Don Carlos – 2. Akt, 15. Auftritt

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Carlos (mit einiger Heftigkeit).
Nein! Nein!
(Nachdem er heftig auf und nieder gegangen.)
Nein, sag‘ ich dir. – Ich, wüßte Roderich,
Wie trefflich es ihn kleidet, seinem Carl
Der Seligkeiten göttlichste, den Glauben
An menschliche Vortrefflichkeit, zu stehlen!

Marquis.
Verdien‘ ich das? – Nein, Liebling meiner Seele,
Das wollt‘ ich nicht, bei Gott im Himmel nicht! –
O, diese Eboli – sie wär‘ ein Engel,
Und ehrerbietig, wie du selbst, stürzt‘ ich
Vor ihrer Glorie mich nieder, hätte
Sie – dein Geheimniß nicht erfahren.

Carlos.
Sieh,
Wie eitel deine Furcht ist! Hat sie andre
Beweise wohl, als die sie selbst beschämen?
Wird sie der Rache trauriges Vergnügen
Mit ihrer Ehre kaufen?

Marquis.
Ein Erröthen
Zurückzunehmen, haben Manche schon
Der Schande sich geopfert.

Carlos (mit Heftigkeit aufstehend).
Nein, das ist
Zu hart, zu grausam! Sie ist stolz und edel;
Ich kenne sie und fürchte nichts. Umsonst
Versuchst du, meine Hoffnungen zu schrecken.
Ich spreche meine Mutter.

Marquis.
Jetzt? Wozu?

Carlos.
Ich habe nun nichts mehr zu schonen – muß
Mein Schicksal wissen. Sorge nur, wie ich
Sie sprechen kann.

Marquis.
Und diesen Brief willst du
Ihr zeigen? Wirklich, willst du das?

Carlos.
Befrage
Mich darum nicht. Das Mittel jetzt, das Mittel,
Daß ich sie spreche!

Marquis (mit Bedeutung).
Sagtest du mir nicht,
Du liebtest deine Mutter? – Du bist Willens,
Ihr diesen Brief zu zeigen?
(Carlos sieht zur Erde und schweigt.)
Carl, ich lese
In deinen Mienen etwas – mir ganz neu –
Ganz fremd bis diesen Augenblick. – Du wendest
Die Augen von mir? Warum wendest du
Die Augen von mir? So ist’s wahr? – Ob ich
Denn wirklich recht gelesen? Laß doch sehn –

(Carlos gibt ihm den Brief. Der Marquis zerreißt ihn.)

Carlos. Was? Bist du rasend?
(Mit gemäßigter Empfindlichkeit.)
Wirklich – ich gesteh‘ es –
An diesem Briefe lag mir viel.

Marquis.
So schien es.
Darum zerriß ich ihn.

(Der Marquis ruht mit einem durchdringenden Blick auf dem Prinzen der ihn zweifelhaft ansieht. Langes Stillschweigen.)

Sprich doch – was haben
Entweihungen des königlichen Bettes
Mit deiner – deiner Liebe denn zu schaffen?
War Philipp dir gefährlich? Welches Band
Kann die verletzten Pflichten des Gemahls
Mit deinen kühnern Hoffnungen verknüpfen?
Hat er gesündigt, wo du liebst? Nun freilich
Lern‘ ich dich fassen. O, wie schlecht hab‘ ich
Bis jetzt auf deine Liebe mich verstanden!

Carlos.
Wie, Roderich? Was glaubst du?

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