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Hero und Leander – Eine Ballade von Friedrich Schiller: Text, Inhaltsangabe, Interpretation

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Entstehung der Ballade

Goethe beabsichtigte schon im Mai 1796 eine Behandlung der schönen Sage, die ein griechischer Dichter mit dem Namen Musäus im 3. oder 4. Jahrhundert episch behandelt hatte. Wahrscheinlich hatte ihn die 1795 erschienene Übersetzung dieses Gedichtes von Fulda dazu veranlasst. Schiller schreibt am 23. Mai an Körner, der eben von Jena nach Dresden zurückgekehrt war, Hero und Leander habe Goethe noch nicht angefangen. Fünf Jahre später griff Schiller – es war unterdessen eine neue Übersetzung des griechischen Gedichtes erschienen – den von Goethe aufgegebenen Stoff an. Es war im Juni 1801 nach der Vollendung der Jungfrau von Orleans, während Goethes Abwesenheit. Schiller schloss das Gedicht am 17. Juni ab. Er sandte es am folgenden Tag an Cotta, dem er Beiträge zum Taschenbuch für Damen versprochen hatte. Am 28. Juni meldete er Goethe, das kalte Wetter vor 14 Tagen habe auch seine Gesundheit angegriffen und seinem Fleiß geschadet. Doch habe er für Cotta eine Ballade Hero und Leander wirklich zu Stande gebracht. Goethe äußerte sich recht neugierig auf das Gedicht.

Quellen zu »Hero und Leander«

Der griechische Dichter Musäus beschreibt in seiner Darstellung sehr ausführlich, wie Leander die Priesterin der Aphrodite bei einem großen den Göttern und dem Adonis geweihten Fest erstmals gesehen habe und von Liebe entflammt worden sei. Er gestand ihr seine Liebe. Der Jüngling versprach, jede Nacht zu ihr herüber zu schwimmen. Nur möge sie an ihrem Turm einer Leuchte anzünden und Sorge dafür tragen, dass der Wind sie nicht auslöscht. Danach kommt die erste Nacht, in der Leander zu Hero herüber schwimmt. „Aber nicht lange lebten sie und genossen der Liebe“, fährt der Musäus fort. Der Winter kam, aber auch dieser hielt Leander nicht zurück. Hero brachte es nicht über sich, die Leuchte nicht anzuzünden. Ihr Verlangen und das Schicksal überwältigten sie schließlich. Leander stürzte sich in einer stürmischen Nacht in das Meer. Vergebens flehte er zu der das Meer beherrschenden Aphrodite, vergebens zu Poseidon und Boreas, dem Entführer der Oreithyia, keiner half ihm, auch Eros wehrte ihm nicht das Verderben ab. Der scharfe Wind löschte die Leuchte des Turmes und zugleich Leben und Liebe des unglücklichen Leanders aus. Hero stand noch am Morgen auf dem Turm und wandte ihren Blick überall auf dem Meer hin, bis sie endlich am Fuß ihres Turmes die an den Felsen geschwemmte Leiche ihres Gatten sah. Sie zerriss ihr kunstvolles Kleid an der Brust und stürzte sich vom hohen Turm herab. „Und Hero starb auf dem hingeschiedenen Gatten“, schließt der Dichter, „und so genossen sie einander auch noch im Tode.“

Das älteste Zeugnis von der Sage findet sich in den schönen Versen des Vergil, wo er den in dunkler Nacht das stürmende Meer durchschwimmenden Jüngling als Beispiel der Macht der Liebe anführt. In den Heroiden des Ovid findet sich ein Brief von Leander, worin dieser verspricht, sobald der Winter es gestatte, zu Hero herüber zu schwimmen. In ihrer Antwort gesteht sie ihre Sehnsucht nach ihm, aber zugleich spricht sie auch den dringenden Wunsch aus, er möge, wenn das Meer unruhig sei, nicht kommen. Diese beiden Briefe waren Schiller wohl bekannt.

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Kommentare

  1. Unglückliche Formulierung: „In den Heroiden des Ovid findet sich ein Brief von Leander, worin dieser verspricht, sobald der Winter es gestatte, zu Hero herüber zu schwimmen.“ Jemand der die Heroides nicht kennt, könnte glauben, dass es sich um „echte Briefe“ und nicht um die poetische Fiktion von Briefen handelt.

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