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Kassandra – Ballade von Friedrich Schiller: Text, Inhaltsangabe, Interpretation

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Entstehung von »Kassandra«

Schiller begann das Gedicht Anfang Februar 1802. An Goethe, der sich am 8. Februar nach Jena begeben hatte, schreibt er am 11. Februar, da der in diesen Tagen im Stande gekommene Hauskauf ihm alle freie Gemütsstimmung verdorben hatte, habe ein kleines Gedicht Kassandra, dass er in einer ziemlich glücklichen Stimmung angefangen hatte, nicht viel Fortschritte gewinnen können. Er ließ es bald darauf ganz liegen, erst im August nahm er es wieder auf und vollendete es. Im 9. September sandte er das Gedicht an Körner, am 10. September an Cotta zum Druck. Es erschien erstmals im »Taschenbuch für Damen«.

Quellen und Ideen Schillers

Homer kennt die Kassandra, die schöne Tochter des Priamos, die er mit der goldenen Aphrodite vergleicht, noch nicht als Seherin. Als solche erschien sie vielleicht schon in der kleinen Illias des Leches. Aischylos, der in seinem Schiller nicht unbekannten Agamemnon die Kassandra auf eine großartige Weise einführt, weiß bereits, dass Apollo, in Liebe entbrannt, ihr die Kraft zur Weissagung verlieh. Als sie aber ihr Versprechen, ihm zu willen zu sein, nicht hielt, strafte er sie damit, dass keiner in Troja ihren Weissagungen Glauben schenkte.

Schiller ließ diese ganze Liebschaft in seiner Bearbeitung des Stoffes beiseite. Nur das Unglück der Weissagerin wollte er darstellen. Das größte Verderben sieht sie voraus, ohne es verhindern zu können. Statt Glauben erntet sie Spott bei den ihrigen. Dass Kassandra, nachdem das hölzerne Pferd in die Stadt gezogen worden ist, das kommende Unheil weissagt, aber ebenso wenig wie früher glauben fand, war Schiller aus Vergil bekannt. Ebenso dass sie dem Koröbus, dem Sohn des Mygdon, der von wahnsinniger Liebe zu ihr entbrannt war, wenige Tage vor Trojas Untergang dorthin gekommen war, um als Schwiegersohn dem Priamos beizustehen, seinen Tod weissagt und ihn zur Rückkehr ermahnt hatte. Wie spätere griechische Dichter dies ausgeführt hatten, wusste Schiller wohl ebenso wenig als er das dunkle Gedicht des alexandrinischen Grammatikers Lykophron kannte, der die Kassandra während der Reise des Paris nach Griechenland das kommende Unglück weissagen lässt – und alles was von Diktys an bis in das spätere Mittelalter über den trojanischen Krieg gefabelt worden war.

Dagegen war Schiller die Fabelsammlung von Hygin schon 1797 in die Hände gekommen. Im folgenden Jahr hatte er sie mit Vergnügen durch genommen. Er schöpfte aus ihr den Stoff zur Bürgschaft. Dort fand er die Sage, Achill sei von Alexander (Paris) und Deiphobus getötet worden, als er sich um Polyxena beworben und ihretwegen verhandelt habe.

Schiller wollte die Verzweiflung der Kassandra gerade im Gegensatz zu dem von ihrer Schwester Polyxena eben erhofft Glück setzen. Er bringt sie zusammen, lässt aber auf diese Zusammenkunft sofort den Untergang Trojas folgen, während der Sage nach noch gar manches dazwischen liegt wie das Wassergericht, der Tod des Ajax, die Ankunft des Neoptolemus, sein Kampf mit Eurypylus, der Tod des Paris, der Raub des Palladiums, die verstellte Abfahrt der Griechen und der Betrug mit dem hölzernen Pferd. Dies alles hat für Schiller in dem Gedicht keine Bewandtnis. Er macht die Kassandra zu Priesterin des Apollo, dessen Dienst sie von früher Jugend an geweiht gewesen war, und er gibt ihr die Kraft der Weissagung.

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Kommentare

  1. Fast perfekt,
    denn leider wird es niemanden geben, der dieses Gedicht so rezitieren kann, wie es die emotionale Tiefe dieser Ballade verlangt.
    Wenn man es perfekt auswendig kann, den Inhalt begriffen hat und sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft darin begegnen und man dabei seine Empfindungen so mit der Handlung in Einklang bringt, dass man es perfekt rezitieren KÖNNTE, dann gehen die Worte in Tränen und Schluchzen unter und ein Vortrag wird unmöglich.

  2. Hallo,

    „……eine Meernymphe (Neiride)……

    Vermutlich kleiner Tippfehler >>>>>>>>>>> „(Nereiden)…. heißt es, glaube ich.

    Aber: ganz tolle Seite, diese, sonst schriebe ich nicht.

    Gruß
    Walter Sorich

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