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Friedrich Schiller »Die Kraniche des Ibykus« – Text, Inhaltsangabe, Interpretation

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Entstehung der Ballade

Die Kraniche des Ibykus zeugen von einer innigen Zusammenarbeit von Goethe und Schiller. Ursprünglich wollte Goethe die Kraniche des Ibykus bearbeiten und hatte auch bereits die Anlage dazu entworfen, die er mit Schiller während dessen Aufenthalt in Weimar vom 11. bis 18. Juli 1797 besprach. Goethe überließ den Stoff aber schließlich Schiller, als er sich zu einer Reise in die Schweiz und nach Italien rüstete. Dabei äußerte er den Wunsch, dass ihm die Kraniche bald in die Wärme des Südens nachfliegen mögen. Die Horen und die Herausgabe der Agnes von Lilien, einem Roman seiner Schwägerin Caroline von Wolzogen, und andere Hindernisse bereiteten Schiller jedoch so viel Aufwand, dass er den Stoff vorerst ganz ruhen ließ. Noch Ende Juli spricht er die Hoffnung aus, dass vielleicht aus Goethes Reiseschiff eine schöne poetische Taube ausfliege, wo nicht sogar die Kraniche ihren Flug von Süden nach Norden nehmen würden. Erst im August gewann er die nötige Kraft für die Arbeit, fand jedoch bei näherer Besichtigung des Stoffes mehr Schwierigkeiten als er anfangs erwartet hatte. Die lag sicher auch an den dürftigen Quellen, die ihm die alten Schriftsteller über Ibykus boten.

Erst am 17. August konnte Schiller die am Abend zuvor fertig gewordene Ballade Goethe zur Begutachtung nach Frankfurt nachschicken. Er bemerkt dabei ausdrücklich, dass er zwar die beiden Hauptschwierigkeiten, Kontinuität in die Erzählung zu bringen und die Stimmung für den Effekt zu erzeugen, überwunden zu haben glaube, dass er aber noch nicht die letzte Hand habe daran legen können. Von den Hinweisen Goethes möchte er daher gern Gebrauch machen. Goethe findet die Kraniche sehr gut geraten und bezeichnet besonders die Mitte – die von Schiller erfundene Wendung mit dem Chor der Eumeniden sowie den Übergang zum Theater – als sehr gelungen.

Goethe teilt Schiller aber auch aus seiner eigenen Anlage alles mit, was dem Werk Vollständigkeit und Abrundung verleihen könnte: „Der Kraniche sollten, als Zugvögel, ein ganzer Schwarm sein, die sowohl über den Ibykus, als über das Theater weg fliegen. Sie kommen als Naturphänomene, und stellen sich so neben die Sonne und andere regelmäßige Erscheinungen. Auch wird das Wunderbare dadurch weggenommen, indem es nicht eben dieselben zu sein brauchen; es ist vielleicht nur eine Abteilung des großen wandernden Heeres, und das Zufällige macht eigentlich, wie mich dünkt, dass Ahnungsvolle und Sonderbare in der Geschichte.“ Er wünscht, dass sich Schiller noch eingehender mit der Exposition befassen soll: „Meo voto[(lat.) nach meinem Wunsch] würden die Kraniche schon von dem wandernden Ibykus erblickt; sich, als Reisenden, vergleiche er mit den reisenden Vögeln, sich, als Gast mit den Gästen, zöge er daraus eine gute Vorbedeutung und riefe alsdann unter den Händen der Mörder die schon bekannten Kraniche, seine Reisegefährten, als Zeugen an. Ja, wenn man es vorteilhaft fände, so könnte er diese Züge schon bei der Schifffahrt gesehen haben.“ Es ist ihm also darum gegangen, aus den Kranichen ein langes und breites Phänomen zu machen, die sich wieder mit dem langen und verstrickenden Faden der Eumeniden gut verbinden würden. Er rät auch nach der 14. (jetzt 18.) Strophe, wo die Erinnyen sich zurückgezogen haben, noch eine Strophe einzufügen, um die Gemütsstimmung des Volkes, in die der Inhalt des Chores es versetzt, darzustellen, und von den ernsten Betrachtungen der Guten zu der gleichzeitigen Zerstreuung des Ruchlosen überzugehen, und dann den in den Himmel gaffenden Mörder zwar dumm, roh und laut, aber doch nur dem Kreis seiner Nachbarn vernehmlich, seine Bemerkung ausrufen zu lassen. Daraus entstünde zwischen ihm und den nächsten Zuschauern ein Konflikt, wodurch das Volk auf ihn aufmerksam werden würde und so die Entdeckung der Mörder herbeigeführt. Zum Schluss empfiehlt Goethe Schiller, hier und da den Reim noch zu überarbeiten.

Schiller nahm Goethes Bemerkungen dankbar auf: „Was ich von Ihren Winken befolgen kann, geschieht gewiss.“ Ihm waren die Kraniche nur aus wenigen Gleichnissen bekannt und dieser Mangel an lebendige Anschauung hatte ihn den schönen Gebrauch übersehen lassen, der von diesem Naturphänomen zu machen war. Wenige Wochen später meldete er dem Freund, er hätte bei seinem Ibykus wesentliche Veränderungen vorgenommen. Er erweiterte die Exposition um die 2. und 3. Strophe, interessierte mehr für den Helden und gab den Kranichen größere Breite und Wichtigkeit. Außer den beiden genannten Strophen sind vor der 18. Strophe (vormals 14.) noch zwei weitere Strophen hinzugekommen, wohl die 5. und die 14. Ebenfalls eingeschoben hat er die 19. Strophe, die die durch den Chor hervorgerufene Gemütsstimmung des Volkes wiedergibt und einen Übergang zu den folgenden ernsten Betrachtungen bildet.

Nur auf den Vorschlag mit dem Mörder ging Schiller nicht weiter ein, weil der Fortgang der Handlung hierdurch unterbrochen werden würde und er die Ausführung nicht ins Wunderbare ziehen wolle: „Der bloße natürliche Zufall muss die Katastrophe erklären. Dieser Zufall führt den Kranichzug über dem Theater hin, der Mörder ist unter den Zuschauern, das Stück hat ihn zwar nicht eigentlich gerührt und zerknirscht, das ist meine Meinung nicht, aber es hat ihn an seine Tat, und also auch an das, was dabei vorgekommen, erinnert, sein Gemüt ist davon frappiert; die Erscheinung der Kraniche muss also in diesem Augenblick ihn überraschen; er ist ein roher, dummer Kerl, über den der momentane Eindruck alle Gewalt hat… Dem Eindruck selbst, den seine Exklamation macht, habe ich noch eine Strophe gewidmet; aber die wirkliche Entdeckung der Tat, als Folge jenes Schreies, wollte ich mit Fleiß nicht umständlicher darstellen; denn soweit nur der Weg zur Auffindung des Mörders geöffnet ist […] so ist die Ballade aus; das andere ist nicht mehr für den Poeten.“ Bei der eingeschobenen Strophe handelt es sich also um Strophe 22. Auch wenn Goethe nach diesen Änderungen noch immer nicht ganz zufrieden zu sein schien, machte er keine weiteren Vorschläge mehr.

In dieser veränderten Gestalt wurde darauf die Ballade am 6. September an Böttiger nach Weimar gesendet, um von ihm zu erfahren, ob sich nichts darin mit altgriechischen Gebräuchen im Widerspruch befindet. Böttiger fand Zeit und Ort sehr befriedigend dargestellt und gestand bei dieser Gelegenheit zu Schillers Belustigung, dass er nie recht begriffen habe, wie sich aus dem Ibykus etwas machen ließe. Kurz vor dem Abdruck der Ballade widmete Schiller den Furien noch eine neue Strophe, wir vermuten die 14. Strophe: „Ein schwarzer Mantel schlägt die Lenden…“, die ihm zur genauen Bezeichnung der Eumeniden noch gefehlt zu haben schien.

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Kommentare

    1. Ich vermute, dass er sehr bekannter Sänger und Musiker war. Vielleicht auch wurde sein Name im Theater von den Zuschauern oft gesagt, weil sie bedauerten, dass er nicht dabei war.

  1. Priams feste gesunken,Troja lag in Asche und Staub u
    NDR die Griechen vollbeladen mit dem Raub ,
    Saßen auf den hohen Schiffen

    Wohin gehört dieser gedichtsteil ?
    Freundlichen Gruß und danke
    D.Sasse

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