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Friedrich Schiller »Die Kraniche des Ibykus« – Text, Inhaltsangabe, Interpretation

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Quellen für die Kraniche des Ibykus

Goethe war bei der Lektüre von „Andreas Schottus‘ Griechische Sprichwörter“ auf gleich zwei Darstellungen der Ibykus-Erzählung hingewiesen worden. Nach ihrer Zusammenkunft in Weimar Mitte Juli 1797 erbat Goethe von Böttiger, auch im Namen Schillers, um Hinweise auf weitere Quellen für die Geschichte von Ibykus. Böttiger nannte postwendend eine kleinere Anzahl von Quellen:

  • ein altes Epigramm von Antipater Sidon (Ende des 2. Jh. V. Chr.),
  • das Werk Des Erasmus von Rotterdam drei Tausend und fast ebensoviel Hundert Sprichwörter (1508),
  • auf Des Ulysses Aldrovandi Ornithologie, 3. und letzter Band (1603),
  • auf Ciceros Tusculanische Gespräche (45 v. Chr.)
  • sowie auf Plutarchs Bemerkungen Über die Geschwätzigkeit (etwa 100 v. Chr.).

Welche Quelle Schiller konkret vorlag, ist unklar. Auch die Suda, einem umfangreichen byzantinischen Lexikon (etwa 970), findet sich ein Eintrag, der als Quelle gedient haben könnte. Der entsprechende Eintrag hat den folgenden Inhalt:

Als Ibykus in einer einsamen Gegend von Räubern angegriffen wurde, sagte er, im Notfall würden die Kraniche, die gerade über ihm flogen, seine Rächer sein. Er wurde von den Räubern erschlagen. Später aber sagte einer der Räuber, als er in der Stadt Kraniche sah: „Siehe da, die Rächer des Ibykus!“ Jemand hatte dies gehört und den Worten weiter nachgeforscht. So kam der begangene Mord an den Tag und die Räuber wurden bestraft.

Das Epigramm von Antipater von Sidon lautet wiefolgt:

Räuber tödten dich, o Ibykus, während du harmlos
Wandeltest einsamen Wegs an dem Gestade des Meeres;
Hülflos riefst du hinauf zu den Kranichen, welche herbei dir
Eileten, als du erblichst, Zeugen der gräßlichen That.
Nicht vergebens erhobst du die flehende Stimme zum Himmel;
Durch der Vögel Geschrei rächten die Götter den Mord
In des Sisyphos Land. Wolan ihr Horden der Räuber,
Gierige, fürchtet ihr wol künftig den Himmlischen Zorn!
Auch der Frevler Aegysth, der Mörder des heiligen Sängers,
Floh dem rächenden Strahl schwarzer Erinnyen nicht.

Plutarch, der Lieblingsschriftsteller Schillers, erwähnt Ibykus nur flüchtig, der in seiner Abhandlung über die Geschwätzigkeit berichtet, wie sich ein Lazedämonier einst durch sein Geschwätz selbst als Tempelräuber verraten habe, und dann fortfährt:

„Und wurden nicht die Mörder des Ibykus auf dieselbe Weise entdeckt? Als sie im Theater saßen und zufälligerweise Kraniche vorüberziehen sahen, flüsterten sie einander lachend zu: Siehe da, die Rächer des Ibykus! Diese Worte fielen den zunächst Sitzenden auf, und da Ibykus schon seit längerer Zeit vermisst wurde, so meldeten sie die Sache der Obrigkeit. Sie wurden der Tat überführt und hingerichtet. Diese Strafe brachten nicht die Kraniche über sie, sondern die Geschwätzigkeit ihrer Zunge, welche gleich einer Erinnys oder Strafgöttin sie zwangen, den Mord zu verraten.“

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Kommentare

    1. Ich vermute, dass er sehr bekannter Sänger und Musiker war. Vielleicht auch wurde sein Name im Theater von den Zuschauern oft gesagt, weil sie bedauerten, dass er nicht dabei war.

  1. Priams feste gesunken,Troja lag in Asche und Staub u
    NDR die Griechen vollbeladen mit dem Raub ,
    Saßen auf den hohen Schiffen

    Wohin gehört dieser gedichtsteil ?
    Freundlichen Gruß und danke
    D.Sasse

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