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Friedrich Schiller »Die Kraniche des Ibykus« – Text, Inhaltsangabe, Interpretation

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Idee der Ballade

Die Kraniche des Ibykus gelten als Paradebeispiel für Schillers Ideenballade, die ein höheres Allgemeines zum Ausdruck bringen will. Im Zentrum der Kraniche steht zunächst einmal der Gedanke einer göttlichen Gerechtigkeit, dass Straftaten noch auf Erden gesühnt werden. Dies widerspricht allgemein christlicher Anschauung, die die Sühnung von Straftaten nach dem göttlichen Gericht ins Jenseits versetzt. Dies hat Schiller aber nur äußerlich interessiert. Sein Augenmerk lag vielmehr auf der Wirkung von künstlerischer Gewalt auf den Menschen selbst. In der Ballade wird sie zur Bedingung, das sich die Rache des Ibykus erfüllt. Die Selbstbezichtung des Mörders geht weniger aus seinem Glauben an die Rachegöttinnen als vielmehr aus dem Eindruck hervor, den das Bühnengeschehen, die Poesie auf ihn gemacht hatte. So ist denn auch der Hauptteil der Ballade (Strophen 9–19) der Atmosphäre der Festspiele, dem Bühnengeschehen und dessen Wirkung auf das Publikum bezogen. Auf diese zentrale Idee für diese Ballade hat bereits Humboldt hingewiesen (siehe oben).

Die gesamte Handlung der Ballade strebt auf den Schlusseffekt des Selbstverrats des Mörders hin Strophe 20). Tief beeindruckt vom düsteren Gesangs der Rachegöttinnen springt der Mörder von seinem Platz auf, als er die Kraniche entdeckt und sie als die Rächer des Ibykus benennt. Es ist eine Erinnerung, die von seiner spontanen Sinnesempfindung ausgelöst wird. Er reagiert assoziativ. Seine Reaktion geht dabei aus dem Assoziationsfeld Ibykus->Kraniche->Mord->Rache hervor. Schiller knüpft dieses Feld mit Hilfe direkter Reden seines Personals: Ibykus identifiziert sich auf seiner Wanderung zunächst mit den Kranichen (Strophe 3). Im Augenblick seines Todes bestimmt er die Kraniche als Rächer (Strophe 6). Der Gastfreund trauert um ihn und mit ihm das ganze nach Rache fordernde Volk (Strophen 7 + 8). Und der Theaterchor besingt schließlich die Unabwendbarkeit der Rache (Strophen 16 + 17). Die Poesie wird somit zur Übermacht, die den Tod des Dichters Ibykus sühnt.

Versbau und Reimform

Die Strophen der Ballade bestehen jeweils auch acht jambischen Versen. Die Verse 1 und 2 sowie 5 und 7 jeder Strophe enden weiblich (klingend), die anderen Verse enden männlich (stumpf). Auf zwei Paarreime folgen zwei Kreuzreime. Das gesamte Reimschema sieht folglich so aus: a-a-b-b-c-d-c-d.

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Kommentare

    1. Ich vermute, dass er sehr bekannter Sänger und Musiker war. Vielleicht auch wurde sein Name im Theater von den Zuschauern oft gesagt, weil sie bedauerten, dass er nicht dabei war.

  1. Priams feste gesunken,Troja lag in Asche und Staub u
    NDR die Griechen vollbeladen mit dem Raub ,
    Saßen auf den hohen Schiffen

    Wohin gehört dieser gedichtsteil ?
    Freundlichen Gruß und danke
    D.Sasse

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