HomeInterpretationKabale und Liebe – Interpretation, Aufbau und Konflikte des Dramas von Friedrich Schiller

Kabale und Liebe – Interpretation, Aufbau und Konflikte des Dramas von Friedrich Schiller

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2. Die Konflikte in „Kabale und Liebe“

Kabale und Liebe wird durch drei maßgebliche Konflikte geprägt, die zwischen den Charakteren der Handlung ausgefochten werden:

  1. Konflikt der Stände
  2. Konflikt der Generationen
  3. Liebeskonflikte

Ständekonflikt / Wertekonflikt

In Schillers Drama kommt es zur Auseinandersetzung zwischen der Hofgesellschaft und der aufstrebenden bürgerlichen Welt. Der Hofgesellschaft ist dabei jedes Mittel recht, um den eigenen Lebensstandard, Prunksucht und Macht zu erhalten und zu vermehren. Das Drama zeigt auf eine Zeit, in der der französische Einfluss und das französische System (unter Sonnenkönig Ludwig XIV.) sich auch auf den deutschen Adel ausgebreitet hatte. Der Verfall der Sitten hatte sich breit gemacht und wurde durch das hierarchisch aufgebaute, höfische System gestürzt. Durch Intrigen oder günstige Hochzeit konnte man in diesem System den eigenen Machtbereich erweitern und andere zum Sturz bringen. Die Familie im Adelsstand diente zum Machterhalt. Beamte waren in dieses System integriert.

Auf der anderen Seite steht das Bürgertum, das durch Fleiß und Strebsamkeit stetig sich erhöht hat. Die bürgerlichen Werte stehen der höfischen Unsittlichkeit entgegen. Sie sind geprägt von Rechtschaffenheit und einer Ordnung, in der Menschen durch Gleichheit und Freiheit gesellschaftlich organisiert sind. Die Bildung und das Leistungsprinzip nehmen hierbei als Werte zentrale Stellung ein. Auch die Familie definiert sich im bürgerlichen Leben anders.

Generationenkonflikt

Neben dem Konflikt zwischen bürgerlichen und höfischen Werten kommt es in beiden Lagern auch zur Auseinandersetzung der Generationen:

Auf Seiten des Hofes tritt Ferdinand der alten höfischen Welt entgegen. Anders als diese hat Ferdinand bürgerliche Werte angenommen. Bildung ist ihm wichtiger als das unsittliche Treiben am Hofe. Ferdinand steht für eine Generation, die sich dem Volk annähert und eine Eintracht mit diesem sucht. Dies ist ganz entgegen der Generation seines Vaters, für die die Untaten rechtloser Besitz bedeuten. Auch Lady Milford steht als Figur dazwischen, die bürgerliche Werte angenommen hat und sich vom höfischen Leben mit all seinen Schatten abwendet.

Auch auf der bürgerlichen Seite wird von Schiller ein Generationenkonflikt aufgezeigt. Luises Vater ist ein Vertreter der alten Generation. Bildung hat für ihn kaum einen Stellenwert. Die neumodischen Bücher, die Luise von Ferdinand als Lektüre erhält, betrachtet er abschätzig. Die Lektüre der heiligen Schrift ist ihm Bildung genug. Luise hingegen steht – in idealisierter Form – für die oben bereits genannten bürgerlichen Werte.

Liebeskonflikte

In Kabale und Liebe gibt es zwei Liebeskonflikte. Zum einen gibt es den Liebeskonflikt zwischen Lady Milford und Ferdinand. Die Milford scheint den sittsamen und gebildeten Ferdinand ehrlich zu lieben. Durch die Liebe Ferdinands erhofft sie sich eine Erlösung aus den Schranken des höfischen Lebens. Doch ihre Liebe wird nicht von ihm erwidert. Dennoch versucht die Milford, ihre Nebenbuhlerin auszustechen und sich die öffentlich verkündete Verbindung mit dem Sohn des Präsidenten nicht streitig zu machen. Vor der hohen Sittsamkeit Luises beugt sie sich jedoch und fühlt sich durch ihr eigenes Handeln zutiefst beschämt. Ungeliebt verlässt sie den Hof.

Anders verhält es sich bei der Liebe zwischen Ferdinand und Luise. Diese Liebe kann zunächst scheinbar alle Schranken überwinden. Durch den Widerstand seines eigenen Standes wird der Heldenmut Ferdinands angefacht, so dass er sich offen und innig Luise zur Seite stellt. Doch das Wesen der höfischen Welt hat sich ihm auch als Schatten auf die Seele gelegt. Misstrauen wird somit zu einem Keil, den er selbst zwischen sich und Luise treibt. Anders hingegen verhält sich bei Luise. Sie ahnt das Schicksal, das über ihr hereinbricht und fügt sich diesem. Ihre Liebe zu Ferdinand opfert sie schließlich um ihrer Werte willen.

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