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Kabale und Liebe – 3. Akt, 6. Szene

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LUISE standhaft. So dank ich Ihnen! Sie eilt schnell in ein Seitenzimmer.

WURM steht betroffen da. Wo will das hinaus? Sollte die Närrin etwa? – Teufel! sie wird doch nicht – Ich eile nach – ich muß für ihr Leben bürgen. Im Begriff, ihr zu folgen.

LUISE kommt zurück, einen Mantel umgeworfen. Verzeihen Sie, Sekretär. Ich schließe das Zimmer.

WURM. Und wohin denn so eilig?

LUISE. Zum Herzog. Will fort.

WURM. Was? Wohin? Er hält sie erschrocken zurück.

LUISE. Zum Herzog. Hören Sie nicht? Zu eben dem Herzog, der meinen Vater auf Tod und Leben will richten lassen – Nein! Nicht will – muß richten lassen, weil einige Böswichter wollen; der zu dem ganzen Prozeß der beleidigten Majestät nichts hergibt als eine Majestät und seine fürstliche Handschrift.

WURM lacht überlaut. Zum Herzog!

LUISE. Ich weiß, worüber Sie lachen – aber ich will ja auch kein Erbarmen dort finden – Gott bewahre mich! nur Ekel – Ekel nur an meinem Geschrei. Man hat mir gesagt, daß die Großen der Welt noch nicht belehrt sind, was Elend ist – nicht wollen belehrt sein. Ich will ihm sagen, was Elend ist – will es ihm vormalen in allen Verzerrungen des Todes, was Elend ist – will es ihm vorheulen in Mark und Bein zermalmenden Tönen, was Elend ist – und wenn ihm jetzt über der Beschreibung die Haare zu Berge fliegen, will ich ihm noch zum Schluß in die Ohren schreien, daß in der Sterbestunde auch die Lungen der Erdengötter zu röcheln anfangen, und das Jüngste Gericht Majestäten und Bettler in dem nämlichen Siebe rüttle. Sie will gehen.

WURM boshaft freundlich. Gehen Sie, o gehen Sie ja. Sie können wahrlich nichts Klügeres tun. Ich rate es Ihnen, gehen Sie, und ich gebe Ihnen mein Wort, daß der Herzog willfahren wird.

LUISE steht plötzlich still. Wie sagen Sie? – Sie raten mir selbst dazu? Kommt schnell zurück. Hm! Was will ich denn, etwas Abscheuliches muß es sein, weil dieser Mensch dazu ratet – Woher wissen Sie, daß der Fürst mir willfahren wird?

WURM. Weil er es nicht wird umsonst tun dürfen.

LUISE. Nicht umsonst? Welchen Preis kann er auf eine Menschlichkeit setzen?

WURM. Die schöne Supplikantin ist Preises genug.

LUISE bleibt erstarrt stehn, dann mit brechendem Laut. Allgerechter!

WURM. Und einen Vater werden Sie doch, will ich hoffen, um diese gnädige Taxe nicht überfodert finden?

LUISE auf und ab, außer Fassung. Ja! Ja! Es ist wahr. Sie sind verschanzt, eure Großen – verschanzt vor der Wahrheit hinter ihre eigene Laster, wie hinter Schwerter der Cherubim – Helfe dir der Allmächtige, Vater. Deine Tochter kann für dich sterben, aber nicht sündigen.

WURM. Das mag ihm wohl eine Neuigkeit sein, dem armen verlassenen Mann – »Meine Luise«, sagte er mir, »hat mich zu Boden geworfen. Meine Luise wird mich auch aufrichten.« – Ich eile, Mamsell, ihm die Antwort zu bringen. Stellt sich, als ob er ginge.

LUISE eilt ihm nach, hält ihn zurück. Bleiben Sie! Bleiben Sie! Geduld! – Wie flink dieser Satan ist, wenn es gilt, Menschen rasend zu machen! – Ich hab ihn niedergeworfen. Ich muß ihn aufrichten. Reden Sie! Raten Sie! Was kann ich! Was muß ich tun?

WURM. Es ist nur ein Mittel.

LUISE. Dieses einzige Mittel?

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