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Charakterisierung Hofmarschall von Kalb aus Schillers »Kabale und Liebe«

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Hofmarschall von Kalb gehört einer ganz anderen Klasse des Adels an als Präsident von Walter. Schon sein Name verrät, was von ihm zu erwarten ist. Hofmarschall von Kalb hat nicht studiert. Vielleicht ist er aus der Tertia eines Gymnasiums abgegangen, so dass er keine Hochschule besuchen konnte. Dafür hat dem Hofmarschall die Schule des Pariser Hoflebens das ihrige getan. So ist er, obwohl noch in den Dreißigern, ein alberner Gag geblieben. er ist eigentlich ein Mann, den der Schneider gemacht hat. Da er seiner mangelhaften Bildung wegen nicht Staatsdiener sein kann wie der Präsident, begnügt er sich damit, Hofdiener zu sein. Er entschädigt seine Umgebung durch das vollendete Bild französischer Etikette.

Als Zeremonienmeister ist er nur mit Äußerlichkeiten beschäftigt. Unbedeutenden Dinge sind dem Hofmarschall von der größten Wichtigkeit. Seiner Hoheit das Wetter zu verkünden, das kann ihn unendlich glücklich machen. An einem Tage 16 Visiten abstatten, die alle von der äußersten Wichtigkeit sind, das ist die Arbeit, die auf seinen Schultern liegt. Nach 21 Jahren noch des verlorenen Strumpfbandes der Prinzessin Amalia erinnern, das ist ein Beispiel davon, was ihm im Leben wichtig erscheint. Der Hofmarschall ist nichts durch sich selbst. Der Hof ist sein alles, denn ist er doch alles durch den Hof.

Deshalb muss er sich dem Hof auch nützlich machen. Er erscheint daher überall als der süßliche Schmeichler, vor allem aber als der Neuigkeitsträger. Es ist ihm nichts lieber, als wenn er hierzu benutzt wird. Die Form, in der er seine Aufträge erledigt, ist die possierlichste von der Welt. Er ist der moderne Abklatsch der ehemaligen Hofnarren,  weshalb sich auch alles über ihn lustig macht. Warum sollte er sich das auch nicht gefallen lassen! Er ist doch sogar genötigt, alles zu wagen, um sich am Hofe zu erhalten. Bescheidenheit hat er deswegen nicht gelernt. Er bleibt immer noch stolz auf seinen Adel. Der Adel ist das einzige, was er hat. Deshalb kann er auch mit Bravour prahlen, wenn er Ferdinand, „dem Naseweis, den Appetit nach seinen Amouren verleiden“ will.

Dafür benimmt er sich später höchst jämmerlich. Nur als Lady Milford ihm den Zettel gibt, indem sie dem Fürsten mitteilt, dass sie sich entfernt, fühlt er, dass er seine Rolle ausgespielt hat. Diese nicht zu beneidende Rolle ist für diesen Komiker eine außerordentlich dankbare. Durch den humoristischen Zug dieser Figur, hellt er den sonst düsteren Charakter des Stückes als Kontrast auf.