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Charakterisierung des Wurm aus Schillers »Kabale und Liebe«

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Wurm ist der Repräsentant des „tintenklecksenden Säkulums“, vor dem Schiller bereits in den Räubern ekelt. Der Beamte ist nach Millers Beschreibung ein widriger Kerl mit kleinen, tückischen Mausaugen, rotem Haar und heraus gequollenem Kinn. Nicht nur Miller ist Wurm in der Seele zuwider, auch Luise graut sich vor ihm. Schon sein Name kennzeichnet ihn, denn er ist nicht nur ein Herrendiener, sondern auch ein Schleicher und Intrigant. Um sich die gunst des Hofes zu erhalten, schreckt er auch vor unlauteren Mitteln nicht zurück. Als Intrigant ist er der schändliche Ratgeber seines Herrn. Er ist ein Mensch, der  Handschriften fälscht und sich ebenso auf schlaue Überredungskunst (III, 1) und den krummen Gang der Kabale versteht. Auf die biegsame Hofkunst versteht er sich, die die Leute empor bringen und stürzen kann.

Wurm ist der Repräsentant der herzlosen Beamten, den man in so manchen Kleinstaaten des 18. Jahrhunderts finden konnte. Wurm ist stolz auf die geheime Macht des Systems der Bürokratie. Um unerträglichen Druck auf die unbescholtenen Bürger auszuüben – bis das Volk seufzt – ist er zu gern bereit. Bei alle dem ist er von Angst erfüllt, denn sein Stern kann schnell fallen. Diese Angst begleitet ihn auf Schritt und Tritt.

Selbst in seiner Liebe ist er ängstlich. Er liebt wohl überhaupt nicht, er möchte nur eine Frau besitzen. Aber einem Mädchen einen Antrag zu machen, dazu fehlt ihm der Mut. Deshalb möchte er seine Liebeserklärung an Luise auch durch ihren Vater vorbringen lassen. Und da er weiß, dass er einen gefährlichen Nebenbuhler hat, muss derselbe durch eine nichtswürdige Intrige beseitigt werden. Ob das Mädchen dabei um ihren guten Ruf gebracht wird, das ist ihm völlig gleichgültig. Sie kann ja später gleich zu ihm und es als ein gnädiges Geschick preisen, wenn er ihr seine Hand noch anbietet. Wurm ist ein gemeimer Schurke, bei dem sich keine Spur von Religion findet. Seine falschen Handschriften würde er ruhig einer Lüge (III, 1 und 6) leugnen, als sich selbst in Gefahr zu begeben, dem Präsidenten von Walter in einen Skandal zu verwickeln. Doch als Wurm verloren ist, zieht er den Präsidenten höhnisch lachend mit in sein eigenes Verderben. Somit ist Wurm ein vollendeter Bösewicht.