HomeText: Die Räuber2. AktDie Räuber – Text: 2. Akt, 2. Szene

Die Räuber – Text: 2. Akt, 2. Szene

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Des alten Moors Schlafzimmer.
Der alte Moor schlafend in einem Lehnsessel. Amalia.

AMALIA sachte herbeischleichend. Leise, leise! er schlummert. Sie stellt sich vor den Schlafenden. Wie schön, wie ehrwürdig! – ehrwürdig, wie man die Heiligen malt – nein, ich kann dir nicht zürnen! Weißlockigtes Haupt, dir kann ich nicht zürnen!

Schlummre sanft, wache froh auf, ich allein will hingehn und leiden.

DER ALTE MOOR träumend. Mein Sohn! mein Sohn! mein Sohn!

AMALIA ergreift seine Hand. Horch, horch! sein Sohn ist in seinen Träumen.

DER ALTE MOOR. Bist du da? bist du wirklich? ach! wie siehst du so elend! Sieh mich nicht an mit diesem kummervollen Blick! ich bin elend genug.

AMALIA weckt ihn schnell. Seht auf, lieber Greis! Ihr träumtet nur. Faßt Euch!

DER ALTE MOOR halb wach. Er war nicht da? drückt ich nicht seine Hände? Garstiger Franz! willst du ihn auch meinen Träumen entreißen?

AMALIA. Merkst dus, Amalia?

DER ALTE MOOR ermuntert sich. Wo ist er? wo? wo bin ich? du da, Amalia?

AMALIA. Wie ist Euch? Ihr schlieft einen erquickenden Schlummer.

DER ALTE MOOR. Mir träumte von meinem Sohn. Warum hab ich nicht fortgeträumt? vielleicht hätt ich Verzeihung erhalten aus seinem Munde.

AMALIA. Engel grollen nicht – er verzeiht Euch. Faßt seine Hand mit Wehmut. Vater meines Karls! ich verzeih Euch.

DER ALTE MOOR. Nein, meine Tochter! diese Totenfarbe deines Angesichts verdammet den Vater. Armes Mädchen! Ich brachte dich um die Freuden deiner Jugend – o fluche mir nicht!

AMALIA küßt seine Hand mit Zärtlichkeit. Euch?

DER ALTE MOOR. Kennst du dieses Bild, meine Tochter?

AMALIA. Karls! –

DER ALTE MOOR. So sah er, als er ins sechszehente Jahr ging. Itzt ist er anders – Oh es wütet in meinem Innern – diese Milde ist Unwillen, dieses Lächeln Verzweiflung – Nicht wahr, Amalia? Es war an seinem Geburtstage in der Jasminlaube, als du ihn maltest? – Oh meine Tochter! Eure Liebe machte mich so glücklich.

AMALIA immer das Aug auf das Bild geheftet. Nein, nein! er ists nicht. Bei Gott! das ist Karl nicht – Hier, hier Auf Herz und Stirne zeigend. So ganz, so anders. Die träge Farbe reicht nicht, den himmlischen Geist nachzuspiegeln, der in seinem feurigen Auge herrschte. Weg damit! dies ist so menschlich! Ich war eine Stümperin.

DER ALTE MOOR. Dieser huldreiche, erwärmende Blick – wär er vor meinem Bette gestanden, ich hätte gelebt mitten im Tode! Nie, nie wär ich gestorben!

AMALIA. Nie, nie wärt Ihr gestorben! Es wär ein Sprung gewesen, wie man von einem Gedanken auf einen andern und schönern hüpft – dieser Blick hätt Euch übers Grab hinübergeleuchtet. Dieser Blick hätt Euch über die Sterne getragen!

DER ALTE MOOR. Es ist schwer, es ist traurig! Ich sterbe, und mein Sohn Karl ist nicht hier – ich werde zu Grabe getragen, und er weint nicht an meinem Grabe – wie süß ists, eingewiegt zu werden in den Schlaf des Todes von dem Gebet eines Sohns – das ist Wiegengesang.

AMALIA schwärmend. Ja süß, himmlisch süß ists, eingewiegt zu werden in den Schlaf des Todes von dem Gesang des Geliebten – vielleicht träumt man auch im Grabe noch fort – ein langer, ewiger unendlicher Traum von Karln, bis man die Glocke der Auferstehung läutet – Aufspringend, entzückt. und von itzt an in seinen Armen auf ewig, Pause. Sie geht ans Klavier und spielt.

Willst dich, Hektor, ewig mir entreißen,
Wo des Äaciden mordend Eisen
Dem Patroklus schröcklich Opfer bringt?
Wer wird künftig deinen Kleinen lehren
Speere werfen und die Götter ehren,
Wenn hinunter dich der Xanthus schlingt?

DER ALTE MOOR. Ein schönes Lied, meine Tochter. Das mußt du mir vorspielen, eh ich sterbe.

AMALIA. Es ist der Abschied Andromachas und Hektors – Karl und ich habens oft zusammen zu der Laute gesungen. Spielt fort.

Teures Weib, geh, hol die Todeslanze,
Laß mich fort zum wilden Kriegestanze,
Meine Schultern tragen Ilium;
Über Astyanax unsre Götter!
Hektor fällt, ein Vaterlandserretter,
Und wir sehn uns wieder in Elysium.

Daniel.

DANIEL. Es wartet draußen ein Mann auf Euch. Er bittet, vorgelassen zu werden, er hab Euch eine wichtige Zeitung.

DER ALTE MOOR. Mir ist auf der Welt nur etwas wichtig, du weißts, Amalia – ists ein Unglücklicher, der meiner Hülfe bedarf? Er soll nicht mit Seufzen von hinnen gehn.

AMALIA. Ists ein Bettler, er soll eilig heraufkommen. Daniel ab.

DER ALTE MOOR. Amalia, Amalia! schone meiner!

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