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Wallenstein – Historischer Hintergrund von Schillers Drama

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Wallensteins Einfluss und Vermögen wächst

So war Wallenstein in einem Zeitraum von drei Jahren der allmächtige Gebieter des evangelischen Norddeutschlands geworden. 1627 zog er nach Schlesien, kaufte vom Kaiser das Herzogtum Sagan für 125000 Gulden und ging dann nach Mecklenburg, dessen Herzöge Adolph Friedrich und Johann Albrecht als vermeintliche Bundesgenossen des Königs von Dänemark ihres Landes für verlustig erklärt worden waren. Da der Kaiser ihm wegen nicht gezahlter Kriegskosten auch Mecklenburg als Unterpfand überließ, nannte er sich jetzt Herzog von Mecklenburg, Friedland und Sagan und begab sich nun nach Pommern, wo sich ihm alle unterwarfen mit Ausnahme der Stadt Stralsund, die keine kaiserliche Besatzung duldete. Obwohl er die Stadt fast ein ganzes Vierteljahr vom Mai bis zum August 1628 belagerte, musste Wallenstein unverrichteter Sache wieder abziehen.

War hierdurch der Glaube an die Unbezwingbarkeit des mächtigen Gewalthabers bei dem Volk erschüttert, atmeten nun auch die Fürsten auf, bei denen der Glanz, den Wallenstein in seiner Umgebung zur Schau trug, längst Neid erregt hatte. Die gewaltsamen Erpressungen, die er sich in katholischen wie in protestantischen Ländern erlaubt hatte, waren Veranlassung dafür, dass 1630 beim Reichstag in Regensburg von allen Reichsfürsten Beschwerden gegen ihn erhoben wurden, die ihn dazu bewogen, seine Entlassung zu nehmen. Der Kaiser, der sich auf einen Kampf mit den katholischen Fürsten, besonders mit Maximilian von Bayern, nicht einlassen wollte, sah sich genötigt, einzuwilligen. Wallenstein, obwohl mächtig genug, um selbst dem Kaiser mit den Reichsfürsten Trotz zu bieten, war viel zu vorsichtig, als dass er von seiner Gewalt Gebrauch gemacht hätte. Ruhig der Zukunft vertrauend zog er sich nach Gitschin zurück, wo er mit fürstlicher Pracht, gleichzeitig aber in nützlicher Tätigkeit lebte, die besonders auf die bessere Verwaltung seiner Güter gerichtet war. Von Zeit von Zeit pflegte er auch nach Prag zu gehen, wo er einen prächtigen Palast besaß.

Das Kriegsblatt wendet sich

Lange jedoch sollte Wallenstein diese friedliche Beschäftigung nicht vergönnt sein. Anfang Juli 1630 war Gustav Adolph in Pommern gelandet, teils durch politische Rücksichten getrieben, teils aber auch, um seinen Glaubensgenossen Hilfe zu bringen. Als umsichtiger Feldherr drang er rasch nach Sachsen vor und verstand es, die unter Tillys Oberbefehl stehenden Heere des Kaisers und der Liga bis zu Ende des Jahres zu beschäftigen. Nachdem er hierauf den Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg zu einem Bündnis gezwungen und durch Wiedereinsetzung der Herzöge von Mecklenburg für die Beleidigung Rache genommen hatte, die ihm Wallenstein für die Belagerung Stralsunds zugefügt hatte, wandte er sich gegen Tilly, schlug denselben bei Leipzig und Breitenfeld und drang durch das fränkische Gebiet bis an den Rhein vor, wo er die Winterquartiere bezog. Im nächsten Frühjahr trieb er Tilly über die Donau zurück und als dieser bei Ingolstadt seinen Wunden erlegen war, drang er über den Lech in Bayern ein, so dass der Kaiser nunmehr in seinen Erbgebieten bedroht wurde.

Die zweideutige Rolle Wallensteins

Inzwischen waren auch die mit dem Schwedenkönig verbundenen Sachsen in Böhmen eingedrungen und bis nach Prag vorgerückt. Bei dieser Gelegenheit hatte Wallenstein eine zweideutige Rolle gespielt. Schon im Sommer 1631 hatte er durch den Grafen von Thurn und einen Tschechen Sesyma Raschin Unterhaltungen mit Gustav Adolph gepflogen und den Sachsen das Vordringen in Böhmen erleichtert. Aber da man auf beiden Seiten kein rechtes Vertrauen hatte, war kein weiteres Resultat erreicht worden. Wallenstein konnte daher auf die neuen Bitten des Kaisers, ihm abermals ein Heer zu werben, ohne weiteres eingehen. Freilich gab er sich anfangs den Schein, als sei ihm an einer Wiederherstellung des früheren Verhältnisses nicht viel gelegen. Und obwohl man Max von Waldstein , einen Vetter des Herzogs, der unter seinen Verwandten besonders viel bei ihm galt, zum Überbringer der ersten Anträge gewählt hatte, erklärte er sich doch nur bereit, nach Znaïm zu gehen und dort die näheren Vorschläge des Kaisers zu erwarten. Hier war es, wo er mit dem Fürsten von Eggenberg, den er unter den Räten des Kaisers besonders achtete, die Unterhandlungen begann und endlich den dringenden Bitten des Wiener Hofes nachgab. In drei Monaten brachte er hierauf ein Heer von 30000 Mann zusammen und übernahm nun den Oberbefehl unter Bedingungen, bei denen  das Verhältnis zwischen dem Herrscher und dem Untertanen sich vollständig umkehrte, so dass ein anderer als ein gewaltsamer Ausgang kaum zu denken war. Dennoch erhob sich am Hofe keine Stimme, die diese Bedingungen übertrieben gefunden hätte.

In kurzer Zeit hatte Wallenstein sein Heer bis auf 40000 Mann vermehrt. April 1632, brach er von Znaïm nach Prag auf, nahm die Stadt mit Gewalt und verdrängte die Sachsen aus Böhmen, so dass Gustav Adolph sich veranlasst sah, aus Bayern zurückzugehen und einen großen Teil seiner Heeresabteilungen, besonders die von Bernhard von Weimar und Banner befehligten Truppen, bei Nürnberg zusammenzuziehen. Ganz in der Nähe, auf der sogenannten Alten Veste nahm auch Wallenstein eine gesicherte Stellung ein, aus der ihn Gustav Adolph vergebens zu vertreiben suchte. Als es ihm nach diesem verzweifelten Versuch eben so wenig gelang, ihn zur Donau zu locken, Wallenstein vielmehr nach Sachsen ging, um dort Winterquartier zu nehmen, griff er ihn am 6. November bei Lützen an, sollte aber hier zugleich seine Heldenlaufbahn beschließen.

Obwohl Bernhard von Weimar die Schlacht zu Gunsten der Schweden entschieden hatte, schrieben sich die Kaiserlichen dennoch den Sieg zu. Aber freilich fiel es Wallenstein nicht ein, denselben zu verfolgen. Er ging vielmehr nach Böhmen in die Winterquartiere, um sein Heer daselbst zu ergänzen. Im Frühjahr 1633 begab er sich nach Schlesien, das teils von Sachsen, teils von Brandenburgern und Schweden besetzt war. Aber auch diese trieb er nicht heraus, was mit leichter Mühe hätte geschehen können. Er ließ sich im Gegenteil auf geheime Verhandlungen ein und erregte dadurch Misstrauen nicht nur am kaiserlichen Hofe, sondern auch bei den Sachsen und den Schweden, die er vermutlich miteinander hatte entzweien wollen. Ein kaiserlicher Gesandter, der bei ihm erschien, um auf eine energischere Kriegführung zu dringen, wurde rücksichtslos behandelt und schließlich abgewiesen, so dass nun nichts weiter übrig blieb, als gegen den trotzigen und übermächtigen Feldherrn im Geheimen vorzugehen. Auch gelang es bald, Gallas, Piccolomini und andere höhere Offiziere für die Sache des Kaisers zu gewinnen.

So ging der ganze Sommer vorüber, ohne dass Wallenstein etwas Entscheidendes unternommen hätte. Erst im Oktober wandte er sich gegen Sachsen, kehrte aber plötzlich um und schlug die unter dem Grafen Thurn vereinigten Brandenburger und Schweden bei Steinau „am Oderstrom“, vielleicht nur, um die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zu widerlegen. Unterdessen hatten die Schweden unter Bernhard von Weimar in Franken, am Rhein und an der Donau so bedeutende Fortschritte gemacht, dass selbst Regensburg in ihre Hände fiel. Jetzt drang der Kaiser darauf, dass Wallenstein dem Kurfürsten von Bayern Hilfe bringen soll. Allerdings schickte er nun einige Rekognoszierungsmannschaften nach Bayern hinein, die bis an die schwedischen Vorposten vordrangen, das war aber auch alles. Er selbst ging mit dem Gros seiner Armee nach Pilsen und schrieb an den Kaiser, es sei jetzt weiter nichts zu machen und die Winterquartiere müssten in Böhmen genommen werden.

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