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Wallenstein – Historischer Hintergrund von Schillers Drama

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Die Ermordung Wallensteins und seiner Generäle

Gordon, der Kommandant von Eger, hatte Wallensteins Befehl erhalten und fügte sich diesem, weil er der Meinung war, der Herzog rücke mit großer Macht heran. Als ihm Buttler jedoch die kaiserliche Achtserklärung mitgeteilt hatte, wurde ihm bange, und er ging umso leichter auf dessen Vorschlag ein, als Illo und Terzky in seiner und des Oberstwachtmeisters Leslie Gegenwart ohne Rückhalt von der baldigen Ankunft der Schweden gesprochen hatten. Am Abend des 25. Februar gab Gordon den Generälen ein Festmahl auf dem Schloß der Zitadelle, übrigens von dem Haus, wo Wallenstein seine Wohnung genommen hatte, nicht gesehen werden konnte. Gegen acht Uhr, als eben der Nachtisch aufgetragen werden sollte, drangen der Oberstwachtmeister Geraldin und der Hauptmann Deveroux mit sechs Dragonern in den Saal, stürzten die Tische um und riefen: „Holla! Wer ist gut kaiserlich?“ Die Verschworenen sprangen auf, zogen sich an die Wand des Saals zurück und wurden nach verzweifelter Gegenwehr niedergemetzelt. Es waren Kinsky, Illo, Terzky und der Rittmeister Neumann. Terzky tötete und verwundete mehrere Dragoner, ehe er zusammensank. Während Gordon auf der Zitadelle blieb, ging Leßlie mit zwei Kompanien Buttlerischer Dragoner in Richtung Stadt, um die Zugänge zu dem Marktplatz zu besetzen. Bald darauf erschien auch Buttler mit Geraldin und Deveroux. Sie begaben sich in das Haus des Bürgermeisters Pachhälbel am Markt, wo Wallenstein sich zeitig zur Ruhe begeben hatte. Während Buttler und Geraldin die Türen besetzt hielten, drang Deveroux mit sechs Dragonern in des Herzogs Schlafgemach, der, von dem Lärm geweckt, aufgesprungen war, um die Wache zu rufen. Mit den Worten: „Bist Du der Schelm, der Seiner Kaiserlichen Majestät die Krone vom Haupte reißen will? Du mußt jetzt sterben!“ stieß ihm Deveroux die Partisane in die Brust. Lautlos stürzte der Mann zusammen, dessen gewaltige Erscheinung von fast ganz Europa angestaunt worden war. Er hatte ein Alter von 51 Jahren erreicht.

Buttler und Gordon, die eigenmächtig gehandelt hatten, suchten sich in einem Bericht an den Kaiser zu rechtfertigen und hatten sich einer gnädigen Aufnahme ihrer Handlungsweise zu erfreuen. Inzwischen war Pilsen von den Kaiserlichen besetzt worden und Piccolomini und Gallas kamen nach Eger. Ferdinand zog alle Güter des Herzogs als eines Geächteten ein und verschenkte sie an die bei der Ermordung Wallensteins und seiner Generäle beteiligten Personen. Nur Neuschloß verblieb der Witwe des Herzogs und seiner Tochter Elisabeth, der späteren Gräfin Kaunitz. Piccolomini erhielt die Herrschaft Nachod, auch wurde ihm später eine Standeserhöhung zu Teil. Des Herzogs sterbliche Überreste wurden in einer von ihm zu Walditz bei Gitschin erbauten Karthause beigesetzt, doch wurde ihm auch hier nicht einmal Ruhe gegönnt. Im Jahre 1639, wo Banner in diese Gegend kam, ließ er Wallensteins Gruft öffnen und war barbarisch genug, das Haupt und den rechten Arm zu rauben und nach Schweden zu schicken. Erst nach mehr als hundert Jahren wurden die verstümmelten Überreste von einem Verwandten nach Münchengrätz übergeführt und in der dortigen Sankt Annen-Kapelle beigesetzt.

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