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Wallenstein – Historischer Hintergrund von Schillers Drama

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Die Erklärung der Generäle Wallensteins

Diese abermalige Belastung seiner Erbgebiete machte den Kaiser im höchsten Grade missgestimmt. Er schickte deshalb im Dezember den Hofkriegsrat Questenberg nach Pilsen, um mit Wallenstein wegen Verlegung der Truppen zu verhandeln. Dieser aber versammelte seine Generale und Regiments-Kommandeure und ließ von diesen eine Erklärung aufsetzen, dass man die Truppen im Winter unmöglich gegen den Feind führen könne, wenn man nicht eine Meuterei unter den Soldaten herbeiführen will. Außerdem befahl er dem Obersten de Suy, der zufolge eines kaiserlichen Befehls bis Passau vorgerückt war, bei Todesstrafe, sogleich wieder umzukehren. Jetzt forderte der Kurfürst Maximilian von Bayern den Kaiser auf, Wallenstein seines Kommandos zu entheben, wobei ihn auch die spanische Regierung unterstützte, die den Herzog geradezu als einen Verräter bezeichnete.

Ungeachtet dieser Forderungen machte der Kaiser im Januar 1634 noch einen Versuch. Er schickte den Grafen von Trautmannsdorf und den Pater Quiroga zu Wallenstein, um ihn zu anderen Entschließungen zu bewegen. Man wollte dem Heer den König von Ungarn beigeben, und außerdem sollte er 8000 Reiter zu dem Kardinal-Infanten Ferdinand von Spanien stoßen lassen, der eben im Begriff war, sich als Statthalter der Niederlande auf seinen Posten zu begeben. Zumutungen dieser Art liefen dem Kontrakt, den Wallenstein mit dem Kaiser geschlossen hatte, direkt entgegen. Er wies sie daher mit Entschiedenheit zurück und erklärte, unter solchen Umständen das Kommando lieber niederlegen zu wollen. Mit dieser letzten Erklärung war es ihm freilich keineswegs ernst. Im Gegenteil rüstete er sich zu einer verräterischen Gegenwehr, während der Kaiser im Geheimen die nötigen Anstalten traf, um das Heer zum Gehorsam gegen seine eigene Person zurückzuführen.

Wallensteins nächster Schritt bestand darin, dass er seine bedeutendsten Generäle und Obersten nach Pilsen berief und ihnen durch seine Vertrauten, den Feldmarschall Illo und den Grafen Terzky eröffnen ließ, er sei gesonnen, das Kommando niederzulegen, da der Hof seiner überdrüssig sei. Als die Offiziere sich hierüber in hohem Grade unzufrieden zeigten, erklärten sich Illo und Terzky bereit, noch einmal mit dem Herzog zu reden, indessen möchten die Obersten eine schriftliche Erklärung aufsetzen, dass sie an ihm festhalten wollten. Dies geschah mit Hinzufügung der Klausel, dass nichts gegen den Kaiser und gegen die katholische Religion unternommen werde. In dem zu Warmbrunn befindlichen Originale des „Pilsener Schlusses“, wie man diese Ergebenheitsadresse nannte, ist die Klausel nicht vorhanden. Auch steht fest, dass mehrere Offiziere, die wegen der Unterschrift der Adresse zur Rechenschaft gezogen wurden, sich keineswegs darauf beriefen, dass man sie mit einer unvollständigen Abschrift getäuscht habe. Als Wallenstein hörte, wozu seine Obersten bereit seien, erklärte er, er wolle bleiben. Hierauf gaben Illo und Terzky ein Gastmahl, bei dem es ziemlich toll herging und wo die Schrift, in der des Kaisers in keiner Weise erwähnt war, unterzeichnet wurde.

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