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Wallenstein – Historischer Hintergrund von Schillers Drama

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Planung von Wallensteins Enthebung

Inzwischen hatten italienische und spanische Offiziere über die bedenklichen Vorgänge nach Hofe berichtet, und besonders hatte Piccolomini, in dem der Herzog ein unbedingtes Vertrauen setzte, dem Kaiser genauere Mitteilungen über den Pilsener Schluss und über die durch den Grafen Kinsky mit Frankreich gepflogenen geheimen Unterhandlungen gemacht. Jetzt war der Kaiser genötigt, einen entscheidenden Schritt zu tun. Dem bereits gewonnenen Grafen Gallas wurde ein vom 24. Januar unterzeichnetes Patent eingehändigt, in dem Wallenstein als Rebell bezeichnet und für vogelfrei erklärt wurde, das Heer aber an Gallas gewiesen wurde. Von diesem Patent sollte erst im Notfall Gebrauch gemacht werden, vor allem aber sollte es Wallenstein verborgen bleiben, mit dem der Kaiser noch drei Wochen lang in gewohnter Weise korrespondierte, wobei er ihn sogar mit dem Titel „Herzog von Mecklenburg“ bezeichnete.

Außer dem genannten Patent erhielten Gallas und Piccolomini noch den geheimen Auftrag, sich Wallensteins lebend oder tot zu bemächtigen. Am 20. Februar beschied Wallenstein, nachdem er seine Unterhandlungen mit Schweden und Frankreich dem Abschluss näher gebracht hatte, seine Generale und Obersten nochmals nach Pilsen, stellte ihnen einen Revers aus, dass es ihm nie in den Sinn gekommen sei, das Geringste gegen den Kaiser oder gegen die katholische Religion zu unternehmen, und sandte erst den Oberst Mohrwald und eine Tag später den Oberst Brenner nach Wien, durch die er sich bereit erklärte, das Kommando niederzulegen und, falls man es verlangte, sich selber zu stellen. Diese Boten aber wurden von Piccolomini und Diodati aufgehalten, und Gallas beeilte sich, von seiner Vollmacht Gebrauch zu machen. Er verließ Pilsen, um, wie er vorgab, Aldringer, den Befehlshaber der bayerischen Abteilung von Wallensteins Heer herbeizuholen. Im südlichen Böhmen kamen beide zusammen. Statt aber zurückzukehren, verabredeten sie miteinander, was zu tun sei, um dem Kaiser seine dortigen Garnisonen zu erhalten. Auf einen nach Wien gesandten Bericht traf man von dort aus die nötigen Anstalten, um Wallenstein in Pilsen zu isolieren. Durch ein vom 18. Februar ausgestelltes Patent wurden die Soldaten an das neue Kommando verwiesen und für den Kaiser in Pflicht genommen.

Wallenstein, fest auf sein Heer und die Sterne bauend, zugleich aber voll Hoffnung auf eine nahe Verbindung mit den Sachsen, hatte keine Ahnung von dem, was in Wien gegen ihn geschmiedet war. Als er aber hörte, dass sich Piccolomini heimlich aus Pilsen entfernt hätte, fürchtete er Verrat von Seiten der Generäle und wollte deshalb alle ihm zur Disposition stehenden Truppen in Prag vereinigen. Über diese Absicht sollte Bernhard von Weimar durch den sächsischen Feldmarschall Franz Albert von Lauenburg aufgeklärt werden, der auf Wallensteins Plan eingegangen war. Da kam die Nachricht, dass Prag verloren und die abgefallenen Generäle Piccolomini, Gallas und Maradas gegen ihn im Anzug seien. Jetzt verließ der Herzog Pilsen und traf am 24. Februar mit fünf Schwadronen Terzkyscher Reiter und 200 Dragonern, die unter Buttlers Befehl standen, in Eger ein, gefolgt von Terzky, Kinsky, Illo, seiner Gemahlin, der Gräfin Terzka und dem Astrologen Seni, der sein steter Begleiter war. Erst jetzt, als Wallenstein sein Leben bedroht sah, entschloss er sich, dem Herzog Bernhard von Weimar die Hand zu bieten. Aber sein böser Genius folgte ihm auf den Fersen. Buttler, der um des Kaisers Absichten wusste, auf Wallenstein aber wegen früher erfahrener Zurücksetzung erbittert war, beschloss seine Pläne zu vereiteln.

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