HomeText: Wilhelm Tell4. AktWilhelm Tell – Text: 4. Aufzug, 3. Szene

Wilhelm Tell – Text: 4. Aufzug, 3. Szene

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Rudolf der Harras:
Herr Landvogt – Gott was ist das? Woher kam das?

Armgard auffahrend:
Mord! Mord! Er taumelt, sinkt! Er ist getroffen!
Mitten ins Herz hat ihn der Pfeil getroffen!

Rudolf der Harras springt vom Pferde:
Welch grässliches Ereignis – Gott – Herr Ritter –
Ruft die Erbarmung Gottes an – Ihr seid
Ein Mann des Todes! –

Gessler:
Das ist Tells Geschoss.

Ist vom Pferde herab dem Rudolf Harras in den Arm gegleitet und wird auf der Bank niedergelassen.

Tell erscheint oben auf der Höhe des Felsen:
Du kennst den Schützen, suche keinen andern!
Frei sind die Hütten, sicher ist die Unschuld
Vor dir, du wirst dem Lande nicht mehr schaden.

Verschwindet von der Höhe. Volk stürzt herein.

Stüssi voran:
Was gibt es hier? Was hat sich zugetragen?

Armgard:
Der Landvogt ist von einem Pfeil durchschossen.

Volk im Hereinstürzen:
Wer ist erschossen?

Indem die vordersten von dem Brautzug auf die Szene kommen, sind die hintersten noch auf der Höhe, und die Musik geht fort.

Rudolf der Harras:
Er verblutet sich.
Fort, schaffet Hilfe! Setzt dem Mörder nach!
– Verlorner Mann, so muss es mit dir enden,
Doch meine Warnung wolltest du nicht hören!

Stüssi:
Bei Gott! da liegt er bleich und ohne Leben!

Viele Stimmen:
Wer hat die Tat getan?

Rudolf der Harras:
Rast dieses Volk,
Dass es dem Mord Musik macht? Lasst sie schweigen.

Musik bricht plötzlich ab, es kommt noch mehr Volk nach.

Herr Landvogt, redet, wenn Ihr könnt – Habt Ihr
Mir nichts mehr zu vertraun?

Gessler gibt Zeichen mit der Hand, die er mit Heftigkeit wiederholt, da sie nicht gleich verstanden werden.

Wo soll ich hin?
– Nach Küssnacht? – Ich versteh Euch nicht – O werdet
Nicht ungeduldig – Lasst das Irdische,
Denkt jetzt, Euch mit dem Himmel zu versöhnen.

Die ganze Hochzeitsgesellschaft umsteht den Sterbenden mit einem fühllosen Grausen.

Stüssi:
Sieh wie er bleich wird – Jetzt, jetzt tritt der Tod
Ihm an das Herz – die Augen sind gebrochen.

Armgard hebt ein Kind empor:
Seht Kinder, wie ein Wüterich verscheidet!

Rudolf der Harras:
Wahnsinn’ge Weiber, habt ihr kein Gefühl,
Dass ihr den Blick an diesem Schrecknis weidet?
– Helft – Leget Hand an – Steht mir niemand bei,
Den Schmerzenspfeil ihm aus der Brust zu ziehn?

Weiber treten zurück:
Wir ihn berühren, welchen Gott geschlagen!

Rudolf der Harras:
Fluch treff euch und Verdammnis!

Zieht das Schwert.

Stüssi fällt ihm in den Arm:
Wagt es Herr!
Eur Walten hat ein Ende. Der Tyrann
Des Landes ist gefallen. Wir erdulden
Keine Gewalt mehr. Wir sind freie Menschen.

Alle tumultuarisch:
Das Land ist frei!

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