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Schiller an Gottfried Herder, 4. Juli 1794

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Jena d. 4. Juli [Freitag] 94.

Ew. Hochwürden

habe ich die Ehre, in beyliegendem Blatte den Plan zu einer periodischen Schrift vorzulegen, die durch die Anstalten, welche man bereits zu Ausführung derselben getroffen, Hoffnung macht, beträchtlich mehr zu leisten, als durch irgend ein Unternehmen ähnlicher Gattung biß jetzt hat möglich gemacht werden können. Die Anzahl sowohl als der Nahme der bereits dazu verbundenen Mitarbeiter bürgen für eine nicht gemeine Vollkommenheit dieses Werks: denn außer den Herren Fichte, Woltmann und Herrn LegRath von Humboldt, die hier in Jena zu Herausgabe deßelben mit mir zusammengetreten sind, haben sich bereits HE. Geh. Rath von Göthe, H. Prof. Engel in Berlin, H. Prof. Garve in Breslau, H. Oberbergmeister von Humboldt aus Baireuth, H. Appell. Rath Koerner aus Dresden, H. Matthison und noch einige andere zu einem thätigen Antheil daran verstanden, und wir haben sehr wahrscheinliche Hofnung, daß auch die H. H. Kant, Klopstock, Jacobi, von Thümmel, von Schlieffen, von Salis und Gotter uns mit Beyträgen beehren werden.

Mit Ungeduld erwartete ich die Zurückkunft Ew. Hochwürden von der Reise, um Ihnen unsern Plan mitzutheilen, und Sie um Ihren, in jedem Betrachte so entscheidenden Beytritt zu ersuchen. Je größer der Antheil seyn wird, den Sie unserer Schrift schenken wollen, desto mehr werden Sie uns und das Publikum verpflichten; und hat unser Vorschlag das Glück, Ihren Beyfall zu erhalten, so verstatten Sie uns vielleicht, über die eingesandten Mscripte. zuweilen Ihr Urtheil einzuhohlen, wozu H. Geh. Rath v. Göthe bereits uns berechtigt hat. Uebrigens unterwerfen wir uns mit Bereitwilligkeit allen Bedingungen, welche uns vorzuschreiben Ihnen gefallen wird.

Ich verharre mit unbegrenzter Verehrung

Ew. Hochwürden
gehorsamster Diener

FSchiller.