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Schiller an Georg Göschen, 26. Februar 1801

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Weimar 26 Febr. [Donnerstag] 1801.

Verzeihen Sie, mein werthester Freund, die verspätete Absendung des Mscrpts; da ich noch keinen gedruckten Bogen erhalten, so glaubte ich, daß an dem Druck noch nicht angefangen wäre. Binnen 5 Tagen soll der ganze Rest in Ihren Händen seyn.

Die ordinaire Edition nimmt sich recht schicklich und zierlich aus, da es einmal klein Octav seyn sollte; sonst läugne ich nicht, daß ich für größere Formate bin, wo man mit Einem Blick mehr Text übersehen kann. Wenn es irgend möglich, so lassen Sie den Setzer künftig die Verse nicht mehr brechen, sondern lieber die Worte näher aneinander hängen.

Die schöne Ausgabe überlasse ich gänzlich Ihrem Geschmack. Der Probebogen, so wie er ist, nimmt sich schon sehr gut aus, und obgleich die größere Bourgis Schrift ein prächtigeres Ansehn hat, so hat die kleine, welche hier gewählt worden, doch eine außerordentliche Zierlichkeit, daß ich sie ungern aufgebe.

Auf englischen Werken, wie ich Ihnen hier beilege, sind die Nahmen der Personen über dem Text gewöhnlich mit Capital Buchstaben, und die Handlung etc. mit Cursivschrift. Vielleicht würde das Nachahmung verdienen, doch schriebe ich Ihnen gar nichts vor, denn es ist Ihre Kunst und nicht die meinige.

Gerne lieber Freund wollte ich Ihren Wunsch wegen des Gedichts erfüllen, wenn ich nicht eine ähnliche Proposition von Cotta schon dreimal abgeschlagen hätte. Auch fürchte ich werden wir Deutsche eine so schändliche Rolle in diesem Frieden spielen, daß sich die Ode unter den Händen des Poeten in eine Satyre auf das deutsche Reich verwandeln müßte.

Einen completten Wallenstein will ich senden. Einstweilen bitte ich Ihre liebe Frau, der wir uns bestens empfehlen, beiliegenden ersten Band meiner Gedichte in ihre Bibliothek aufzustellen.

Von ganzem Herzen der Ihrige

Schiller.

Verte.

Ich gebe Ihnen zu bedenken, ob es nicht vielleicht besser aussehen wird, bei der guten Edition jeden Vers mit einem großen Buchstaben anzufangen. Die allgemeine Gewohnheit ist dafür.

Ferner überlasse ich Ihrem Urtheil, ob man nicht das Curial in den Reden abschaffen und die Worte: Sie, Ihnen, Ihr, Euch u. s. w. wenn von einer Person gesprochen wird, nicht mit großen Buchstaben anzufangen, es stört so sehr im Lesen und sieht auch steif und förmlich aus.