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Charakterisierung der Amalia aus Schillers »Die Räuber«

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Zwischen den beiden feindlichen Brüdern steht Amalia, die Nichte des alten Moor, die derselbe als Waise in sein Haus aufgenommen und dort erzogen hat. Dies gibt sie ihm mit liebreicher Fürsorge wieder. Ohne mütterlichen Einfluss, ohne irgendein anderes weibliches Vorbild ist sie mit den beiden Jungen aufgewachsen, unter denen Karl als die ältere Natur ihre Zuneigung gewonnen hat. Ihre Liebe ist zwar eine schwärmerische, aber es liegt zugleich etwas Männliches darin. Amalia liebt an ihrem Karl fast nur das Freie, Kühne und Große. So erscheint sie eigentlich nur als der weibliche Abdruck desselben, ebenso ironisch und fantastisch und zugleich ebenso exerziert. Sie ist zwar erbittert, dass der Vater seinen Sohn verstoßen hat, aber sie tut nicht das Geringste, um das gestörte Verhältnis wiederherzustellen. Statt selbst an Karl zu schreiben, überlässt Amalia sich in ihrer Einsamkeit der stummen, melancholischen Trauer oder schwelgt in Wonne und Entzücken, Empfindungen, die sie selbst in das Kloster mit hinüber zu nehmen gedenkt.

Dass Karl sie geliebt hat, ist ihr bekannt, und dass die Bewerbungen seines Bruders Franz aller edlen Beweggründe entbehren, das erkennt sie, aber sie tut wiederum nichts, um dessen schändliche Verräterei an das Licht zu bringen. Sie hasst ihn nur und wünscht, von ihm gehasst zu werden. Und wo sie sich seiner Zudringlichkeit erwehren muss, ist es nicht die einem weiblichen Wesen von der Natur verliehene sittliche Würde, mit welcher sie ihn in Schranken hält, sondern es sind Schläge und Drohen mit der ihm entrissenen Waffe.

Einen Augenblick scheint ihre Liebe zu Karl zu wanken, als der vermeintliche Fremde ihr Interesse ablehnt. Aber Amalia fühlt wohl, dass sie etwas von ihrem Karl in ihm entdeckt, dem einzigen, dem sie ihr Herz schenken kann, dem sie treu bleiben muss. So findet sie denn auch den Onkel und den Bräutigam wieder, aber nur, um beide sogleich zu verlieren und selbst als ein beklagenswertes Opfer ihres Geschicks zu fallen.