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Charakterisierung des Paters in Schillers »Die Räuber«

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(Stimmen: 24 Durchschnitt: 3.9)

Der Pater versucht der Gesellschaft der Räuber gleich von vornherein dadurch zu imponieren, dass er sich als Diener der Kirche und Abgesandter der Obrigkeit bezeichnet. Und er tut gut daran, „sich den Magen warm zu halten“, denn durch Geistesgegenwart würde er doch nicht zu wirken verstehen. Er betrachtet sich als den bei Gott hinten Anstehenden, der das Recht hat, Dieben und Mördern gegenüber als ein toller Glaubenseiferer aufzutreten. Der Pater schimpft mit einer Flut von übertriebenen Kraftausdrücken auf die Bande los, so dass kein gutes Haar an der Bande bleibt. Vollständig unfähig, einen Verirrten wieder auf den rechten Weg zu führen, ist er nur „handwerksmäßig“ erbost über die geschehenen Gräuel. Er kann daher seine Zuhörer nicht ergreifen und bessern, sondern höchstens ihnen einen Spaß bereiten. Karl Moor ist mit vollem Recht in Sorge, jede Störung seiner Rede könne ihm das Konzept verderben. Wir erblicken in diesem ersten komischen Charakter Schillers, eine glückliche Vorstudie zu dem Kapuziner in Wallensteins Lager, eine Figur, deren niederes Pathos die ganze innere Ohnmacht des Pfaffengewäsches zur Schau stellt.