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Die Räuber – Text: 2. Akt, 3. Szene

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RÄUBER eilig. Sieh dich vor, Hauptmann! Es spukt! Ganze Haufen böhmischer Reuter schwadronieren im Holz herum – der höllische Blaustrumpf muß ihnen verträtscht haben –

NEUE RÄUBER. Hauptmann! Hauptmann! Sie haben uns die Spur abgelauert – rings ziehen ihrer etliche tausend einen Kordon um den mittlern Wald.

NEUE RÄUBER. Weh, weh, weh! Wir sind gefangen, gerädert, wir sind gevierteilt! Viele tausend Husaren, Dragoner und Jäger sprengen um die Anhöhe, und halten die Luftlöcher besetzt. Moor geht ab.

Schweizer. Grimm. Roller. Schwarz. Schufterle. Spiegelberg. Razmann. Räubertrupp.

SCHWEIZER. Haben wir sie aus den Federn geschüttelt? Freu dich doch, Roller! Das hab ich mir lange gewünscht, mich mit so Kommißbrotrittern herumzuhauen – wo ist der Hauptmann? Ist die ganze Bande beisammen? Wir haben doch Pulver genug?

RAZMANN. Pulver die schwere Meng. Aber unser sind achtzig in allem, und so immer kaum einer gegen ihrer zwanzig.

SCHWEIZER. Desto besser! und laß es fünfzig gegen meinen großen Nagel sein – Haben sie so lang gewartet, bis wir ihnen die Streu unterm Arsch angezündt haben – Brüder, Brüder! so hats keine Not. Sie setzen ihr Leben an zehen Kreuzer, fechten wir nicht für Hals und Freiheit? – Wir wollen über sie her wie die Sündflut und auf ihre Köpfe herabfeuren wie Wetterleuchten – Wo zum Teufel! ist dann der Hauptmann?

SPIEGELBERG. Er verläßt uns in dieser Not. Können wir denn nicht mehr entwischen?

SCHWEIZER. Entwischen?

SPIEGELBERG. Oh! warum bin ich nicht geblieben in Jerusalem.

SCHWEIZER. So wollt ich doch, daß du im Kloak ersticktest, Dreckseele du! Bei nackten Nonnen hast du ein großes Maul, aber wenn du zwei Fäuste siehst, – Memme, zeige dich itzt, oder man soll dich in eine Sauhaut nähen, und durch Hunde verhetzen lassen.

RAZMANN. Der Hauptmann, der Hauptmann!

Moor, langsam, vor sich.

MOOR. Ich habe sie vollends ganz einschließen lassen, itzt müssen sie fechten wie Verzweifelte. Laut. Kinder! nun gilts! Wir sind verloren, oder wir müssen fechten wie angeschossene Eber.

SCHWEIZER. Ha! ich will ihnen mit meinen Fangern den Bauch schlitzen, daß ihnen die Kutteln schuhlang herausplatzen! – Führ uns an, Hauptmann! Wir folgen dir in den Rachen des Todes.

MOOR. Ladet alle Gewehre! Es fehlt doch an Pulver nicht?

SCHWEIZER springt auf. Pulver genug, die Erde gegen den Mond zu sprengen!

RAZMANN. Jeder hat fünf Paar Pistolen geladen, jeder noch drei Kugelbüchsen darzu.

MOOR. Gut, gut! Und nun muß ein Teil auf die Bäume klettern, oder sich ins Dickicht verstecken, und Feuer auf sie geben im Hinterhalt –

SCHWEIZER. Da gehörst du hin, Spiegelberg!

MOOR. Wir andern, wie Furien, fallen ihnen in die Flanken!

SCHWEIZER. Darunter bin ich, ich!

MOOR. Zugleich muß jeder sein Pfeifchen hören lassen, im Wald herumjagen, daß unsere Anzahl schröcklicher werde: auch müssen alle Hunde los, und in ihre Glieder gehetzt werden, daß sie sich trennen, zerstreuen und euch in den Schuß rennen. Wir drei, Roller, Schweizer und ich, fechten im Gedränge.

SCHWEIZER. Meisterlich, vortrefflich! – Wir wollen sie zusammenwettern, daß sie nicht wissen, wo sie die Ohrfeigen herkriegen. Ich habe wohl ehe eine Kirsche vom Maul weggeschossen, laß sie nur anlaufen. Schufterle zupft Schweizern, dieser nimmt den Hauptmann beiseit und spricht leise mit ihm.

MOOR. Schweig!

SCHWEIZER. Ich bitte dich –

MOOR. Weg! Er dank es seiner Schande, sie hat ihn gerettet. Er soll nicht sterben, wenn ich und mein Schweizer sterben, und mein Roller. Laß ihn die Kleider ausziehen, so will ich sagen, er sei ein Reisender, und ich hab ihn bestohlen – Sei ruhig, Schweizer, ich schwöre darauf, er wird doch noch gehangen werden.

Pater tritt auf.

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