HomeText: Die Räuber4. AktDie Räuber – Text: 4. Akt, 5. Szene

Die Räuber – Text: 4. Akt, 5. Szene

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Nahgelegener Wald. Nacht. Ein altes verfallenes Schloß in der Mitte.
Die Räuberbande gelagert auf der Erde.

DIE RÄUBER singen.

Stehlen, morden, huren, balgen
Heißt bei uns nur die Zeit zerstreun.
Morgen hangen wir am Galgen,
Drum laßt uns heute lustig sein.

Ein freies Leben führen wir,
Ein Leben voller Wonne.
Der Wald ist unser Nachtquartier,
Bei Sturm und Wind hantieren wir,
Der Mond ist unsre Sonne,
Mercurius ist unser Mann,
Ders Praktizieren trefflich kann.

Heut laden wir bei Pfaffen uns ein,
Bei masten Pächtern morgen,
Was drüber ist, da lassen wir fein
Den lieben Herrgott sorgen.

Und haben wir im Traubensaft
Die Gurgel ausgebadet,
So machen wir uns Mut und Kraft,
Und mit dem Schwarzen Brüderschaft,
Der in der Hölle bratet.

Das Wehgeheul geschlagner Väter,
Der bangen Mütter Klaggezeter,
Das Winseln der verlaßnen Braut
Ist Schmaus für unsre Trommelhaut!

Ha! wenn sie euch unter dem Beile so zucken,
Ausbrüllen wie Kälber, umfallen wie Mucken,
Das kitzelt unsern Augenstern,
Das schmeichelt unsern Ohren gern.

Und wenn mein Stündlein kommen nun,
Der Henker soll es holen,
So haben wir halt unsern Lohn,
Und schmieren unsre Sohlen.
Ein Schlückchen auf den Weg vom heißen Traubensohn,
Und hurra rax dax! gehts, als flögen wir davon.

SCHWEIZER. Es wird Nacht, und der Hauptmann noch nicht da!

RAZMANN. Und versprach doch, Schlag acht Uhr wieder bei uns einzutreffen.

SCHWEIZER. Wenn ihm Leides geschehen wäre – Kameraden! wir zünden an und morden den Säugling.

SPIEGELBERG nimmt Razmann beiseite. Auf ein Wort Razmann.

SCHWARZ zu Grimm. Wollen wir nicht Spionen ausstellen?

GRIMM. Laß du ihn! Er wird einen Fang tun, daß wir uns schämen müssen.

SCHWEIZER. Da brennst du dich, beim Henker! Er ging nicht von uns wie einer, der einen Schelmenstreich im Schild führt. Hast du vergessen was er gesagt hat, als er uns über die Heide führte? – »Wer nur eine Rube vom Acker stiehlt, daß ichs erfahre, läßt seinen Kopf hier, so wahr ich Moor heiße«. – Wir dörfen nicht rauben.

RAZMANN leise zu Spiegelberg. Wo will das hinaus – rede deutscher!

SPIEGELBERG. Pst! Pst! – Ich weiß nicht, was du oder ich für Begriffe von Freiheit haben, daß wir an einem Karrn ziehen wie Stiere, und dabei wunderviel von Independenz deklamieren – Es gefällt mir nicht.

SCHWEIZER zu Grimm. Was wohl dieser Windkopf hier an der Kunkel hat?

RAZMANN leise zu Spiegelberg. Du sprichst vom Hauptmann? –

SPIEGELBERG. Pst doch! Pst! – Er hat so seine Ohren unter uns herumlaufen. – Hauptmann sagst du? Wer hat ihn zum Hauptmann über uns gesetzt, oder hat er nicht diesen Titel usurpiert, der von Rechts wegen mein ist? – Wie? legen wir darum unser Leben auf Würfel – baden darum alle Milzsuchten des Schicksals aus, daß wir am End noch von Glück sagen, die Leibeigenen eines Sklaven zu sein? – Leibeigenen da wir Fürsten sein könnten? – Bei Gott, Razmann – das hat mir niemals gefallen.

SCHWEIZER zu den andern. Ja – du bist mir der rechte Held, Frösche mit Steinen breit zu schmeißen – Schon der Klang seiner Nase, wenn er sich schneuzte, könnte dich durch ein Nadelöhr jagen –

SPIEGELBERG zu Razmann. Ja – und Jahre schon dicht ich darauf: Es soll anders werden. Razmann – wenn du bist, wofür ich dich immer hielt – Razmann. – Man vermißt ihn – gibt ihn halb verloren – Razmann – mich deucht, seine schwarze Stunde schlägt – wie? Nicht einmal röter wirst du, da dir die Glocke zur Freiheit läutet? Hast nicht einmal so viel Mut, einen kühnen Wink zu verstehen?

RAZMANN. Ha, Satan! worin verstrickst du meine Seele?

SPIEGELBERG. Hats gefangen? – Gut! so folge. Ich hab mirs gemerkt, wo er hinschlich – Komm! Zwei Pistolen fehlen selten, und dann – so sind wir die erste, die den Säugling erdrosseln. Er will ihn fortreißen.

SCHWEIZER zieht wütend sein Messer. Ha, Bestie! Eben recht erinnerst du mich an die böhmischen Wälder! Warst du nicht die Memme, die anhub zu schnadern, als sie riefen: Der Feind kommt? Ich hab damals bei meiner Seel geflucht – fahr hin Meuchelmörder! Er sticht ihn tot.

RÄUBER in Bewegung. Mordjo! Mordjo! – Schweizer – Spiegelberg – Reißt sie auseinander –

SCHWEIZER wirft das Messer über ihn. Da! – und so krepier du – Ruhig, Kameraden – laßt euch den Bettel nicht unterbrechen, – Die Bestie ist dem Hauptmann immer giftig gewesen, und hat keine Narbe auf ihrer ganzen Haut. – Noch einmal, gebt euch zufrieden – ha! über den Racker – von hintenher will er Männer zuschanden schmeißen, Männer von hintenher! – Ist uns darum der helle Schweiß über die Backen gelaufen, daß wir aus der Welt schleichen wie Hundsfötter? Bestie du! Haben wir uns darum unter Feuer und Rauch gebettet, daß wir zuletzt wie Ratten verrecken?

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