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Don Carlos – 3. Akt, 4. Auftritt

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Der König. Domingo.

Der König (geht einigemal auf und ab, sich zu sammeln).

Domingo (tritt einige Minuten nach dem Herzog herein, nähert sich dem Könige, den er eine Zeit lang mit feierlicher Stille betrachtet).
Wie froh erstaun‘ ich, Eure Majestät
So ruhig, so gefaßt zu sehn.

König.
Erstaunt Ihr?

Domingo.
Der Vorsicht sei’s gedankt, daß meine Furcht
Doch also nicht gegründet war! Nun darf
Ich um so eher hoffen.

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König.
Eure Furcht?
Was war zu fürchten?

Domingo.
Ihre Majestät,
Ich darf nicht bergen, daß ich allbereits
Um ein Geheimniß weiß –

König (finster).
Hab‘ ich denn schon
Den Wunsch geäußert, es mit Euch zu theilen?
Wer kam so unberufen mir zuvor?
Sehr kühn, bei meiner Ehre!

Domingo.
Mein Monarch,
Der Ort, der Anlaß, wo ich es erfahren,
Das Siegel, unter dem ich es erfahren,
Spricht wenigstens von dieser Schuld mich frei.
Am Beichtstuhl ward es mir vertraut – vertraut
Als Missethat, die das empfindliche
Gewissen der Entdeckerin belastet
Und Gnade bei dem Himmel sucht. Zu spät
Beweint die Fürstin eine That, von der
Sie Ursach hat, die fürchterlichsten Folgen
Für ihre Königin zu ahnen.

König.
Wirklich?
Das gute Herz – Ihr habt ganz recht vermuthet,
Weßwegen ich Euch rufen ließ. Ihr sollt
Aus diesem dunkeln Labyrinth mich führen,
Worein ein blinder Eifer mich geworfen.
Von Euch erwart‘ ich Wahrheit. Redet offen
Mit mir. Was soll ich glauben, was beschließen?
Von Eurem Amte fordr‘ ich Wahrheit.

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