HomeText: Wilhelm Tell2. AktWilhelm Tell – Text: 2. Aufzug, 2. Szene

Wilhelm Tell – Text: 2. Aufzug, 2. Szene

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Eine Wiese von hohen Felsen und Wald umgeben. Auf den Felsen sind Steige, mit Geländern, auch Leitern, von denen man nachher die Landleute herabsteigen sieht. Im Hintergrund zeigt sich der See, über welchem anfangs ein Mondregenbogen zu sehen ist. Den Prospekt schliessen hohe Berge, hinter welchen noch höhere Eisgebirge ragen. Es ist völlig Nacht auf der Szene, nur der See und die weissen Gletscher leuchten im Mondlicht.

Melchtal, Baumgarten, Winkelried, Meier von Sarnen, Burkhardt am Bühel, Arnold von Sewa, Klaus von der Flüe und noch vier andere Landleute, alle bewaffnet.

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Melchtal noch hinter der Szene:
Der Bergweg öffnet sich, nur frisch mir nach,
Den Fels erkenn ich und das Kreuzlein drauf,
Wir sind am Ziel, hier ist das Rütli.

Treten auf mit Windlichtern.

Winkelried:
Horch!

Sewa:
Ganz leer.

Meier:
’s ist noch kein Landmann da. Wir sind
Die ersten auf dem Platz, wir Unterwaldner.

Melchtal:
Wie weit ist’s in der Nacht?

Baumgarten:
Der Feuerwächter
Vom Selisberg hat eben zwei gerufen.

Man hört in der Ferne läuten.

Meier:
Still! Horch!

Am Bühel:
Das Mettenglöcklein in der Waldkapelle
Klingt hell herüber aus dem Schwyzerland.

Von der Flüe:
Die Luft ist rein und trägt den Schall soweit.

Melchtal:
Gehn einige und zünden Reisholz an,
Dass es loh brenne, wenn die Männer kommen.

Zwei Landleute gehen.

Sewa:
’s ist eine schöne Mondennacht. Der See
Liegt ruhig da als wie ein ebner Spiegel.

Am Bühel:
Sie haben eine leichte Fahrt.

Winkelried zeigt nach dem See:
Ha seht!
Seht dorthin! Seht ihr nichts?

Meier:
Was denn? – Ja wahrlich!
Ein Regenbogen mitten in der Nacht!

Melchtal:
Es ist das Licht des Mondes das ihn bildet.

Von der Flüe:
Das ist ein seltsam wunderbares Zeichen!
Es leben viele, die das nicht gesehn.

Sewa:
Er ist doppelt, seht, ein blässerer steht drüber.

Baumgarten:
Ein Nachen fährt soeben drunter weg.

Melchtal:
Das ist der Stauffacher mit seinem Kahn,
Der Biedermann lässt sich nicht lang erwarten.

Geht mit Baumgarten nach dem Ufer.

Meier:
Die Urner sind es, die am längsten säumen.

Am Bühel:
Sie müssen weit umgehen durchs Gebirg,
Dass sie des Landvogts Kundschaft hintergehen.

Unterdessen haben die zwei Landleute in der Mitte des Platzes ein Feuer angezündet.

Melchtal am Ufer:
Wer ist da? Gebt das Wort!

Stauffacher von unten:
Freunde des Landes.

Alle gehen nach der Tiefe, den Kommenden entgegen. Aus dem Kahn steigen Stauffacher, Itel Reding, Hans auf der Mauer, Jörg im Hofe, Konrad Hunn, Ulrich der Schmied, Jost von Weiler, und noch drei andere Landleute, gleichfalls bewaffnet.

Alle rufen:
Willkommen!

Indem die übrigen in der Tiefe verweilen und sich begrüssen, kommt Melchtal mit Stauffacher vorwärts.

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