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Schiller an Georg Göschen, 29. November 1785

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Dresden, d. 29. Nov. [Dienstag] 85.

Endlich liebster Freund empfangen Sie Mscrpt. Sie werden zum Anfange unseres Commerce eine schöne Idee von meiner Zuverläßigkeit erhalten, da ich Ihnen 2 Monate später Wort halte, als bedungen war. Aber liebster, machen Sie mir vorher Dresden zur Mördergrube, und meine lieben Freunde zu schlechten Gesellschaftern, wenn Sie haben wollen, dass ich fleißiger seyn soll. Doch in Ernst und Wahrheit: Die Ursachen welche diese erste Verzögerung veranlaßt haben dauern nicht immer fort, und nun werden meine Geschäfte in vollkommener Ordnung vor sich gehen.

Ich schikte Ihnen gleich nach den 2ten Akt aus dem Karlos, aber noch einige Tage müssen Sie mir ihn laßen, wenn ich ihn gern einigen Kennern vorher mittheilen möchte. Was ich Ihnen hier schike, wird etwas über 3 Bogen betragen. Von heut über acht Tage erhalten Sie wieder neues Manuskript, ich bitte Sie also um unser beider willen lassen Sie sogleich mit dem Druk anfangen, auf mich können Sie zählen, daß keine Verzögerung mehr vorkommen wird.

Was den Druk und die Schrift betrift, so dächte ich, sie richteten die Thalia ganz ein, wie das Arkenholzische Journal, eben dieses Papier und eben solche Lettern. Was in Versen ist, Gedichte oder Karlos, müssen aber mit einerlei Schrift, wie die Prosa, gedrukt werden, weil die kleinere Schrift vorzüglich beim Carlos keinen guten Effekt machen würde.

Vor allen Dingen mein Bester empfehle ich Ihnen einen vernünftigen Corrector. Wenn Sie glauben, daß es nuzen kann, wenn ich selbst an einen Leipziger Gelehrten deßwegen schriebe, so nennen Sie mir einen, ich will es sogleich thun.

Das Gedicht an die Freude ist von Körnern sehr schön komponiert. Wenn Sie meinen, so können wir die Noten, welche nur eine ½ Seite betragen, dazu stechen lassen?

Haben Sie sonst noch etwas in Puncto der Form beschloßen, so führen Sie es aus wie Sie wollen. Nur die einzige Bitte wiederhohle ich: Sezen Sie nunmehr Druker und Sezer in Bewegung.

Und nun genug von diesem, lieber Freund. Ich hofe, Sie sind vergnügt, und meine herzlichsten Wünsche stimmen für Ihr Glük. Kommen Sie bald bald zu uns und seien Sie in unserm Zirkel willkommen. Das Bekerische Tractat hat meinen und aller derer wärmsten Beifall, die kompetente Richter in dieser Sache sind. Ich erwarte sehr viel davon, und ganz gewiß reüssiert der Plan. Auch ich liebster Freund kann Ihnen binnen einigen Monaten Praenumeranten anweisen.

Laßen Sie mich wissen, ob sie in Absicht auf das bewußte Preiß-Stük noch in der vorigen Stimmung sind, und hauptsächlich, ob das Avertissement jezt ins Publikum gebracht werden kann, so will ich mich daran machen.

Empfehlen Sie mich Ihren und meinen Freunden, und bleiben Sie mir gut.

Fridrich Schiller.

P. S. Ich habe das Manuscript in 2 Briefe getheilt, damit die reitende Post es annimmt.